Gute Nachrichten aus Berlin: Das Stuttgarter Schauspiel ist mit der Inszenierung „Die Welt im Rücken“ (Szenenfoto) zum Theatertreffen eingeladen. Foto: Julian Baumann
Lucia Bihlers Inszenierung „Die Welt im Rücken“ sorgt weiter für Furore. Das Schauspiel Stuttgart ist mit der Produktion nach einem Buch Thomas Melles zum 63. Theatertreffen eingeladen.
Das Schauspiel Stuttgart darf sich nach mehr als zehn Jahren wieder einmal über eine Einladung zum renommierten Berliner Theatertreffen freuen: Lucia Bihlers Inszenierung „Die Welt im Rücken“, die seit der Premiere am 27. September für umjubelte Vorstellungen sorgt, ist laut Jury-Urteil unter den zehn bemerkenswertesten Produktionen dieser Saison. Das teilte die Jury an diesem Dienstag mit. Das 63. Theatertreffen findet vom 1. bis 17. Mai auf verschiedenen Berliner Bühnen statt. Zuletzt war das Schauspiel Stuttgart 2015 mit „Das Fest“ in der Regie von Christopher Rüping bei diesem Bestentreffen vertreten.
Sabine Leucht, Theaterpublizistin und Mitglied der auswählenden Jury, begründet deren Entscheidung für „Die Welt im Rücken“ wie folgt: „Die ganze Bühne mutiert hier zu einem psycho-physischen Raum: Von Paula Wellmanns mit-atmenden und zuweilen schamrosa beleuchteten Vorhängen bis zu den drängenden Sounds von Sixtus Preiss wirkt alles daran mit, Thomas Melles schmerz- und humorvollen Text über seine bipolare Störung sicht- und erfahrbar zu machen.“
Auch die Schauspielerin Paulina Alpen, die unter blonder Perücke in der Hauptrolle den Zersplitterungen dieser Krankheit nachspürt, steht im Rampenlicht des Jury-Urteils: „Im Zentrum dieses Gesamtkunstwerks: die großartige Paulina Alpen. Im roten Körper-Panzer von Victoria Behr – und manchmal auch ihm entgegen – spielt sie das Schwerwerden in der Depression ebenso wie den Donnerhagel der Neuronen in der Manie. Und nichts davon zu groß. Selbst das Durchdrehen ist bei ihr eine feinstoffliche Angelegenheit. Sechs Alpen-Lookalikes sind die von Melle erwähnten ,Zwitter-Agenten‘: Ausstülpungen wie Echos des eigenen Ich, die aber auch die Reaktionen der Mehrheitsgesellschaft auf inadäquates Verhalten spiegeln. Der Abend hat die poppige Ästhetik, die man von Lucia Bihler kennt, ist aber niemals effekthascherisch, sondern tief menschlich und schickt auch das Publikum auf eine Achterbahn der Emotionen.“
Thomas Melle liest auf der Bühne in Stuttgart
Autor Thomas Melle (Archivbild) Foto: dpa/Uwe Anspach
Das nächste Mal ist „Die Welt im Rücken“, Lucia Bihlers erste Stuttgarter Inszenierung, am Samstag, 17. Januar, im Schauspielhaus zu sehen. An diesem Abend wird der Autor Thomas Melle um 18 Uhr im Bühnenbild von Paula Wellmann aus seinem jüngsten Roman „Haus zur Sonne“ lesen , der wie auch „Die Welt am Rücken“ für den Deutschen Buchpreis nominiert war. Für die Lesung gibt es Restkarten (12 Euro). Die Vorstellung beginnt an diesem Abend daher erst um 20.30 Uhr. Auch für diese gibt es nur noch Restkarten. Aufführungen von „Die Welt im Rücken“ gibt es zudem am 8. Februar und 7. März, weitere Termine sind in Planung.
Wer reist außer dem Schauspiel Stuttgart nach Berlin?
Und das sind die neun anderen Inszenierungen, die sich über eine Teilnahme am Berliner Theatertreffen freuen dürfen:
Berliner Volksbühne mit „A Year Without Summer“ von Florentina Holzinger (Regie, Choreografie, Performancet)
Staatstheater Cottbus mit „Der Hauptmann von Köpenick“, Regie: Sebastian Hartmann
Theater Basel mit „Die Glasmenagerie“, Regie: Jaz Woodcock-Stewart
Volkstheater Wien mit „Fräulein Else“, Regie: Leonie Böhm
Schauspielhaus Zürich mit „Il Gattopardo“, Regie: Pinar Karabulut
Münchner Kammerspiele mit „Mephisto“, Regie: Jette Steckel
Hans-Otto-Theater Potsdam mit „Serotonin“, Regie: Sebastian Hartmann
Wiener Festwochen/Freie Republik Wien mit „Three Times Left is Right“ von Julian Hetzel (Konzept und Regie)
Münchner Kammerspiele mit „Wallenstein – Ein Schlachtfest in sieben Gängen“, Regie: Jan-Christoph Gockel
Für Thomas Melles 2016 erschienene Chronik seiner eigenen bipolaren Erkrankung ist es nicht die erste Einladung zum Berliner Theatertreffen. Bereits 2017 kam eine Bühnenfassung von „Die Welt im Rücken“ am Wiener Burgtheater heraus; der Monolog in der Regie von Jan Bosse mit Joachim Meyerhoff auf der Bühne war 2018 zum Berliner Theatertreffen eingeladen.