Ulrich Gebauer, hier im Stuttgart-21-Tatort „Der Inder“ vom Juni 2015: Als abgesetzter Ministerpräsident Rupert Heinerle versucht Gebauer dem Kommissar Sebastian Bootz (Felix Klare) klarzumachen, wie Politiker ticken. Foto: Alexander Kluge/SWR-Pressestelle
Den 69-jährigen Schauspieler Ulrich Gebauer kennt man aus vielen TV-Krimis, in der Rolle als Rektor in „Der Lehrer“ oder aus Filmen mit schwäbischem Dialekt. Mit der romantischen Komödie „Weinprobe für Anfänger“ gastiert er jetzt in Fellbach.
Dirk Herrmann
07.04.2025 - 19:00 Uhr
Er ist in Ravensburg aufgewachsen, hat in Berlin studiert, danach viele Jahre mit Star-Regisseur Claus Peymann gearbeitet und lebt in Hamburg. Jetzt kommt der Schauspieler Ulrich Gebauer mit dem Stück „Weinprobe für Anfänger“ nach Fellbach. Wir erreichen den 69-Jährigen per Telefon am Morgen nach seinem Auftritt in Schwalbach am Taunus im dortigen Hotelzimmer.
Herr Gebauer, Sie sind derzeit mit Ihrer Frau Anne Moll auf Tour. Ihre Kollegin Nicola Tiggeler, die mit ihrem Mann Timothy Peach auch in Fellbach auf Tour war, sagte im Interview mit uns, das „Geheimnis unserer Ehe“ sei, dass sie auf Tournee immer getrennte Hotelzimmer haben.
Nein, nein, das ist bei uns nicht so. Aber wenn es die Möglichkeit gibt, haben wir zwei Zimmer mit einer Durchgangstür dazwischen – Anne hat einen anderen Schlafrhythmus, ist wesentlich früher wach, dann kommt es schon vor, dass sie frühmorgens aufsteht und Sport macht, während ich noch schlummere.
Eine Schlagzeile kurz nach der Premiere zitiert Sie so: „Wir lieben uns jetzt auch dienstlich.“
Wir lieben uns immer mehr. Wir haben zwei Kinder zusammen, wir haben ganz viele Dinge erlebt, wir gehören einfach zusammen.
Ulrich Gebauer mit seiner Frau, der Schauspielerin Anne Moll, in der demnächst auch in Fellbach zu sehenden Komödie „Weinprobe für Anfänger“. Foto: Oliver Fantitsch
Zu Ihrem Gastspiel hier in Fellbach in Schwaben mal ein kleiner Test zum Nachsprechen: „I han s’Schpätzles-Bschteck zspät bschtellt“. Und: „Drag dr Apparat ra!“
Also Schpätzles-Bschteck z’spät bschtellt, des han i vrstanda, aber des andere kenn i et. Aber es kommt immer druff a, von wo mr kommt. Ich bin ja mit 18 aus Ravensburg weg und habe in Berlin angefangen zu studieren. Ich hatte den Vorteil, dass meine Mutter aus Schlesien kam. Das war der Grund, dass ich nicht so reines Schwäbisch gesprochen habe. Trotzdem haben sich meine Lehrer in Berlin mächtig ins Zeug gelegt und lange geschustert, damit ich in der Lage bin, das „Rrr“ sauber zu sprechen, was der Schwabe ja nicht kann, weil er sagt „ärr“. Ond dann isch des Ärr ebe ganz henda. Unter Peymann in Stuttgart sollte ich in „Mutter Courage und ihre Kinder“ den Sohn Eilif auf Schwäbisch sprechen, und da habe ich mich mit Händen und Füßen gewehrt. Ich wurde dann zu Peymann ins Büro zitiert, der hat mich zur Schnecke gemacht, und hinterher stellte sich heraus, dass der Dialekt genau das Richtige war. Da war ich 22, da hatte ich so Hürden zu überwinden. Heute liebe ich es, wenn ich mit irgendjemand von do onde schwätze ka.
Das war Peymanns letztes Jahr in Stuttgart, weil der Filbinger ihn damals rausgeschmissen hat. Und es war mein erstes Jahr nach meinem Studium. Und dann sind wir zusammen nach Bochum gegangen, dort waren wir bis 1986, und dann sind wir zusammen ans Burgtheater gegangen, da war ich bis 1991 – und da hat es so gerummst zwischen uns beiden, dass ich gesagt habe: Wir werden uns nie wieder sehen. Es war schon grenzwertig mit ihm. Aber das Gute ist, wenn du das überlebst, dann bist zu unverwundbar.
Sie haben ja in etlichen legendären Produktionen mitgewirkt, angefangen 1988 mit Dominik Grafs „Die Katze“ mit Götz George. An die Schlussszene kann ich mich erinnern, da sitzen sie mit Gudrun Landgrebe als ihrer Ehefrau am Bahndamm und philosophieren und nähern sich doch wieder an.
Was mich tief beeindruckt hat damals war, dass die wirklichen Großen ganz normale Menschen waren. Mit Götz und auch Gudrun konntest du ganz normal sprechen, ein Bier trinken, und keiner von den beiden hat dir irgendwie demonstriert, was für ein großer, großer Künstler er oder sie ist. Und damals habe ich begriffen, dass die wirklich Großen es nicht nötig haben, sich groß zu machen. Leider sind in meinem Berufsstand etliche unterwegs, die von sich glauben, sie seien der Nabel der Welt, und da ärgere ich mich total darüber: Ich möchte bitteschön nicht, dass man mich irgendwie anders behandelt als den Beleuchter, der entscheidend dafür verantwortlich ist, dass man mich überhaupt sieht. Das ist ein beschissener Standesdünkel, der leider Gottes in diesem Gewerk oft vorzufinden ist.
Im Tatort könnten Sie Rekordhalter sein, zwölf Mal waren Sie dabei.
Na, ich bin einfach viel rumgekommen. Aber im Tatort war ich halt irgendwann immer der Böse. Ich hatte allerdings das große Glück, dass ich irgendwann auch sagen konnte: Ich habe jetzt fünf Mal hintereinander den Firmenchef gespielt, bitte könnt ihr mir das nächste Mal den Lohnbuchhalter in der gleichen Firma oder so was ähnliches anbieten.
Viele kennen Sie auch noch aus der Produktion „Der Lehrer“ – eine Rolle, auf die Sie heute auch noch angesprochen werden?
Ja natürlich. Das habe ich 13 Jahre lang gespielt – weil es eine gute Serie war, die glücklicherweise ganz viele Menschen gesehen haben. Was damit zusammenhängt, dass die meisten von uns in die Schule gegangen sind und da erlebten, was wir beim „Lehrer“ auch gezeigt haben, oder dass ihre Kinder sich mit dem Gleichen auseinandersetzen müssen. Lehrer sein, das ist nicht einfach und mit entscheidend für die Entwicklung dieser kleinen Menschen, und es gibt ja ganz wenig Gute in dem Beruf. Diese Problematik und die Probleme der Schüler miteinander und mit dem Umgang mit ihrem jungen Leben haben wir in dieser Serie nachhaltig aufgearbeitet, und deswegen war die so erfolgreich.
Nun kommen Sie mit „Weinprobe für Anfänger“ auf Tournee. Ihre Figur ist der menschenscheue Weinexperte Jacques.
Der Jacques ist einer, der von morgens bis abends mit Wein zu tun hat und der alles über Wein weiß. Was das Stück so wunderbar macht, ist, dass darüber hinaus der Jacques ein Mensch ist, der im Leben steht. Jeder hat seine eigene Vergangenheit, Jacques hatte eine ziemlich besondere Vergangenheit, und die wird in diesem Stück irgendwann aufgearbeitet. Das Stück handelt vom Menschsein, und das macht es so spannend. Es ist ein unglaublich intelligentes und witziges und trotzdem auch berührendes Stück. Ich bin nicht so ein Gaukler, kein Stand-up-Comedian, sondern ich mag es, wenn die Leute sehr, sehr herzhaft lachen, und ich liebe es, wenn es möglich ist, sie auch in die Tiefen zu führen. In diesem Stück ist alles möglich, und das macht es so wunderbar.
Was viele gar nicht wissen, ist Ihr sportlicher Hintergrund: Sie waren einst mit zwölf Jahren baden-württembergischer Meister im Eiskunstlauf.
Das stimmt. Das habe ich extrem und durchaus erfolgreich gemacht und vor allem mit unglaublicher Freude. Das ging so lange, bis ich 14 war, dann hat meine Mutter gesagt: Du bist so schlecht in der Schule, damals war ich in Mathe bereits der Fünferkandidat und blieb das bis zum Ende der Schulzeit, du hörst sofort auf mit dem Eiskunstlauf. Ich hab ihr gesagt, Mutter das kannst du nicht machen, das ist der einzige Sport, den ich kann. Sie hat gesagt, das mag sein, aber du bist so schlecht in der Schule, jetzt ist Schluss damit, Eiskunstlauf ist nicht mehr. Meine Reaktion: Mutter, wenn du das machst, dann gehe ich nie mehr aufs Eis. Sie hat trotzdem darauf bestanden – und ich bin nie wieder aufs Eis gegangen.
Nicht mal später mit ihren Kindern?
Selbstverständlich bin ich mit denen in die Eislaufhalle und habe am Rand von der Bande aus zugeschaut, aber ich bin nie wieder selbst aufs Eis gegangen.
Biografie und Darbietung
Oberschwabe Am 28. Januar 1956 in Laufen/Oberbayern geboren, wächst Ulrich Gebauer in Ravensburg auf. In Berlin absolviert er sein Schauspielstudium an der Hochschule der Künstler. Später steht er auf Bühnen in Stuttgart, Bochum, Frankfurt und auch am Wiener Burgtheater. Er ist verheiratet mit der Schauspielerin Anne Moll, das Paar hat zwei Kinder.
Aufführung Die charmante Komödie „Weinprobe für Anfänger“ ist an diesem Mittwoch und Donnerstag, 9. und 10. April, in Fellbach zu sehen. Beginn in der Schwabenlandhalle ist um 20 Uhr. Es gibt noch Karten an der Abendkasse.