Scheidender Sindelfinger OB Die zwei Gesichter des Bernd Vöhringer

Vöhringer bei einer Einweihung auf dem Flugfeld in diesem Jahr Foto: Eibner/Michael Memmler

Für den 56-Jährigen ist das Amt des Sindelfinger Rathaus-Chefs mehr als ein Beruf. Doch seine hohen Ansprüche forderten ihren Tribut.

Böblingen: Jan-Philipp Schlecht (jps)

Die Nachricht vom Rückzug des Sindelfinger Oberbürgermeisters Bernd Vöhringer löste ein kleines kommunalpolitisches Beben aus. So gut wie niemand hatte damit gerechnet. Im Gegenteil: Selbst die eigene Partei CDU wirkt verdutzt. Der 56-Jährige hatte zuvor den Anschein erweckt, weitermachen zu wollen. Im Rathaus machte das Gerücht die Runde, er habe erst kürzlich noch mal eine neue Dienst-S-Klasse bestellt.

 

Die darf bald sein Nachfolger fahren oder besser gesagt: sich darin fahren lassen. Schließlich ist Vöhringer der einzige Oberbürgermeister im Kreis mit eigenem Chauffeur. Ausdruck eines besonderen Selbstverständnisses. Unvergessen die Szene, als sein Böblinger Amtskollege Stefan Belz (Grüne) pünktlich mit dem Fahrrad zum gemeinsamen Pressetermin erschien. Vöhringer entstieg mit Verspätung seiner schwarzen Limousine. Es ist dies nur eine Anekdote seiner 23-jährigen Amtszeit. Doch sie sagt viel aus.

Jüngster OB in der reichsten Stadt

Anno 2001 erklomm der promovierte Ökonom nach Stationen bei IBM und Hewlett-Packard den Chefsessel im Sindelfinger Rathaus im zarten Alter von 32. Damals machte er als jüngster Oberbürgermeister in einer der reichsten Städte Deutschlands Schlagzeilen. Jetzt, mit 56, reiht er sich ein in die Riege scheidender Bürgermeister, die – obwohl in der Bevölkerung sehr beliebt – mit Ende 50 lieber noch mal etwas Neues anpacken, als fest im Sattel gemütlich gen Ruhestand zu traben. Thomas Sprißler in Herrenberg oder Michael Lutz in Waldenbuch machten es vor.

Doch Vöhringer ragt heraus. Von keinem seiner Amtskollegen ist ein derartiger Widerspruch zwischen äußerer und innerer Wahrnehmung überliefert. Nach draußen gibt sich Vöhringer stets leutselig, jovial, fast kumpelhaft. Ob als Arzt verkleidet beim Sturm aufs Rathaus, als DRK-Helfer auf einem Fest oder bei einer Delegationsreise: Vöhringer ist gern und viel bei den Leuten. Bei der jüngsten Kommunalwahl zog er als Stimmenkönig für die CDU in den Kreistag.

Vöhringer, der Aktenfresser

Termine am Wochenende strampelt er marathonmäßig ab, schier endlose Sitzungen im Gemeinderat ebenso, lange Abende im Rathaus sind der Normalfall. Das Arbeitstier schien es nicht anders haben zu wollen. Er frisst Akten, will jeden noch so kleinen Vorgang selbst abzeichnen. Doch diese Taktung will oder kann nicht jeder mitgehen. Je näher die Positionen im Sindelfinger Rathaus am OB angesiedelt sind, desto höher deren Fluktuation. In der Pressestelle drehte sich das Personalkarussell dermaßen schnell, das manch einer schon wieder weg war, bevor er richtig angefangen hatte.

Vöhringer in der Dienstlimousine Foto: Archiv/Thomas Bischof

Intern regierte Vöhringer mit harter Hand, bisweilen launisch, sagen manche. Wer ihm widersprach, wurde mal flugs auf einen unbeliebten Posten versetzt. Dabei war der Chef viel weg. Seine Begeisterung für Europa mitsamt der vielen Reisen nach Straßburg oder Brüssel sind legendär. Nur, wie passt das zusammen: Unterwegs sein und trotzdem alles selbst entscheiden? Waren andere Städte oder der Kreis auf ihn angewiesen, etwa beim gemeinsamen Stadtverkehr oder dem Flugfeld, war es häufig das Sindelfinger Rathaus, das alle warten ließ. Und Unmut auslöste.

Privates ist von Vöhringer kaum bekannt

Wie steht es um den Privatmann Vöhringer? Von dem ist kaum etwas bekannt. Vor rund zehn Jahren schien sich das zu ändern. Damals war Vöhringer mit der Französin Francine Goix aus der Sindelfinger Partnerstadt Corbeil-Essonnes liiert. Die beiden haben einen gemeinsamen Sohn. Ein paar wenige Mal sah man Vöhringer damals den kleinen Raphael im Kinderwagen durch Sindelfingen schieben. Doch die Liaison hielt nicht lange. Der Rathaus-Chef schien zu sehr mit seiner Arbeit verheiratet, als dass da noch Platz wäre für ein Familienleben.

Weitere Themen