Schellingschule Leonberg Viel Toleranz und ganz viel Humor

Von Regine Brinkmann 

Rektor Dieter Bölz-Hohkamp hat am Freitag seinen allerletzten Schultag.

Humor, Fairness, Kompetenz, Toleranz – das sind nur einige der Stichworte, mit denen Dieter Bölz-Hohkamp von seinen Schülern beschrieben wird. Foto: factum/
Humor, Fairness, Kompetenz, Toleranz – das sind nur einige der Stichworte, mit denen Dieter Bölz-Hohkamp von seinen Schülern beschrieben wird. Foto: factum/

Leonberg - Ein Urgestein der Leonberger Schullandschaft ist am Montag in den Ruhestand verabschiedet worden: Dieter Bölz-Hohkamp, der Rektor der Schellingschule, wird mit Ende des Schuljahres aus dem aktiven Schuldienst ausscheiden. Und seine von Kollegium und Schülern ebenfalls sehr wertgeschätzte Kollegin Margarete Himpel-Schiller, seit zehn Jahren Lehrerin an der Schule, nimmt er gleich mit.

Seine Verabschiedung wollte Dieter Bölz-Hohkamp eigentlich im kleinen Rahmen feiern, nur mit seiner Familie, den Kollegen und einigen Wegbegleitern. „Aber wenn Sie sich jetzt mal umdrehen“, sagt Leonbergs Oberbürgermeister Martin Georg Cohn schmunzelnd, der als Überraschungsgast in die Cafeteria der Schellingschule gekommen ist, „dann sehen Sie, was aus dem ‚kleinen Rahmen‘ geworden ist.“ In der Tat, der Saal ist voll. 28 Jahre am Steuer der Grund- und ehemaligen Werkrealschule mitten in der Stadt hinterlassen eben Spuren. Vor allem dann, wenn sich alle Redner darin einig sind, dass der scheidende Rektor mit seinem besonderen Humor, mit Fairness, Kompetenz, Toleranz und dem Vertrauen, das er stets in sein Kollegium gesetzt hat, schwer zu ersetzen sein wird.

Erste Schule mit Sozialarbeit

Dieter Bölz-Hohkamp hat Mathematik, Sport und Pädagogik studiert. Er kam am 5. Juli 1991 von einer Ludwigsburger Schule als Konrektor an die Schellingschule, wo er 1999 den Posten des Schulleiters übernahm. Der aktive und engagierte Vollblutlehrer hat sehr viel in Bewegung gebracht, so war zum Beispiel die Schellingschule als sogenannte Brennpunktschule die erste Schule in Leonberg mit Schulsozialarbeit. Auch war die Schellingschule die erste Ganztagsschule in Wahlform für die Klassen 5 und 6. Aus der Grund- und Hauptschule wurde eine Grund- und Werkrealschule, darauf folgte die Ganztagsschule für die Grundschule in Wahlform. Aus bildungspolitischen Gründen durfte die Schellingschule seit 2018 keine Sekundarstufe mehr führen, ist seitdem also eine reine Grundschule.

Schwäche für Gummibärchen

Den Abschied haben Schüler und Lehrer ihrem Rektor richtig schwer gemacht. Der Schulchor sang mehrere Lieder, und die gut drei Dutzend Grundschulkinder in orangenen Schul-T-Shirts überreichten Dieter Bölz-Hohkamp nacheinander jeweils eine große Sommerblume. Carmen Rückert vom Schulamt Böblingen machte den Abschied offiziell, und dann gaben Lehrer und Lernbegleiter eine witzige Kostprobe von Schule früher und Schule heute. Was sich laut Sketch nicht verändert hat: „Der Rektor an dieser Schule hat immer recht!“, Bölz-Hohkamps spaßiger Ausspruch ist an diesem Nachmittag zum geflügelten Wort geworden.

Doch als die Lehrer einer nach dem anderen ein Schatzkästlein mit ganz persönlichen Erinnerungen in Form von kleinen, kreativen Gaben füllen, wird dem großgewachsenen Rektor doch ein bisschen flau. Da kommen die Gummibärchen, für die er eine unheilbare Schwäche hat, in zweifacher Ausfertigung. Dann noch süße Stückle vom Bäcker Trölsch, leider keine seiner heiß geliebten Berliner. Die haben gerade keine Saison, er freut sich trotzdem. Ein Hörbuch seiner Lieblingsgeschichte „Die kleine Hexe“ wandert ebenso in die Truhe wie der Meterstab, der so einfach zu einem V geformt werden kann und der als Dank für ganz persönlich geschenktes Vertrauen in die Schatztruhe wandert. Langsam wird der Abschied begreifbar.

„Er geht in Pension, aber wer glaubt das schon?“

„Es war eine lange Zeit. Und kein Tag war wie der andere“, dann erinnert er sich an die Anfangszeit als Lehrer: „Man kommt an der Schule an und weiß noch nicht, was einem da blüht. Aber es blüht einem immer was.“ Der Humor, der ihn auch in schwierigen Situationen nicht verlässt, hilft auch jetzt.

Die Nachwuchsrapper des Schulchores sind nicht überzeugt davon, dass der Ruhestand des überaus aktiven Rektors so richtig Wirklichkeit wird: „Er geht in Pension, aber wer glaubt das schon?“ rappen sie. Diesen Gedanken haben auch Bürgermeister Cohn, Schulrätin Carmen Rückert und Schulleiterkollegin Heidrun Barth von der Ostertag-Realschule, die ebenfalls in dieser Woche in den Ruhestand verabschiedet wird, gehabt.

Gemeinsam in den Ruhestand

Jetzt will sich der Rektor vermehrt seinen Hobbys Volleyball, Skifahren und Laufen widmen. Und sonst so? Seine Frau ist vergangene Woche als Schulleiterin der Stuttgarter Falkertschule ebenfalls in den Ruhestand getreten. Doch über die künftigen Pläne der beiden herrscht Stillschweigen: „Schauen wir mal ... Wir lassen uns überraschen!“

Für den scheidenden Rektor der Schellingschule gibt es noch keinen Nachfolger. Die kommissarische Leitung übernimmt die Konrektorin Susanne Wiedenmann.