Er fing schon mit 12 Jahren an Leonbergs größtes Schiedsrichter-Talent ist der jüngste Referee der Verbandsliga

Christian Krapf (re.) zählt zu den Aushängeschildern der Schiedsrichtergruppe Leonberg. Foto: Eibner-Pressefoto/Sascha Walther

Christian Krapf von der Schiedsrichtergruppe Leonberg ist der jüngste Referee in der Verbandsliga. Dem 18-Jährigen von der Spvgg Mönsheim wird eine große Zukunft prophezeit.

Dass Christian Krapf einmal Schiedsrichter werden würde, deutete sich früh an. Nicht nur, dass er schon als kleiner Junge mit Begeisterung bei Spielen der TSG Leonberg und Enosis Leonberg, bei denen sein Vater als Trainer tätig war, als Assistent an der Linie auf und ab rannte.

 

Während sich seine Klassenkameraden an Fasching als Darth Vader, Luke Skywalker oder andere Figuren aus dem Star-Wars-Universum verkleideten, kam Christian Krapf als Fußball-Schiedsrichter zur Schule – mit der Kleidung seines Nachbarn, der in der Blinden-Bundesliga als Unparteiischer tätig war.

Einstieg als Schiedsrichter per Sondergenehmigung – mit zwölf Jahren

Beim Schiedsrichter-Neulingskurs 2019 benötigte Christian Krapf eine Sondergenehmigung seiner Eltern, da er erst zwölf Jahre alt war und unter dem üblichen Einstiegsalter lag. „Ich habe mich mit älteren Freunden angemeldet, und hinzu kam, dass ich selbst Fußball gespielt habe“, erläutert Christian Krapf seinen frühen Einstieg.

Im Gespann unterwegs: Christian Krapf (re.) mit David Modro (Mi.) und Hannah Rapp (li.). Foto: Eibner-Pressefoto/Sascha Walther

Begonnen hatte er bei den Bambini der Spvgg Mönsheim, doch schon in der F-Jugend wechselte der Torhüter zur SKV Rutesheim. Er gehörte zur Auswahlmannschaft des Bezirks und war regelmäßig bei Stützpunkt-Einheiten in Hirschlanden. Im zweiten B-Jugend-Jahr musste er sich zwischen der Spieler- und der Schiri-Karriere entscheiden – und gab Letzterer den Vorzug. „Beides nebeneinander war schlicht nicht möglich“, erinnert sich der Gymnasiast.

Mit 18 Jahren hat Christian Krapf bereits über 200 Spiele geleitet

Seine erste Begegnung leitete er im September 2019 – das weibliche B-Jugend-Duell in der Kreisstaffel zwischen dem TSV Heimerdingen und dem TSV Ludwigsburg. Mittlerweile hat der 18-Jährige mehr als 200 Spiele gepfiffen und einen rasanten Aufstieg hingelegt. Nach nur einem Jahr in der Landesliga pfeift er seit dieser Saison in der Verbandsliga – als jüngster von allen Unparteiischen.

Seine erste Begegnung war die Partie der TSG Tübingen gegen den TSV Berg am zweiten Spieltag, bei der der gleich eine Rote Karte zücken musste. „Es ist megacool, Teil eines Fußballspiels zu sein, seine Meinung durchzusetzen und das Ganze zu leiten“, erklärt Christian Krapf seine Motivation.

Er genießt es, auf den Fußballplätzen in Württemberg herumzukommen, neue Menschen kennenzulernen und sich in seiner Persönlichkeit weiterzuentwickeln. „Dass ich als 16-Jähriger schon mit 30-jährigen Familienvätern auf dem Platz geredet habe, hilft mir auch in der Schule“, erklärt der Abiturient des Gymnasiums in Rutesheim. Sein großer Lehrmeister ist Oberliga-Schiedsrichter Roman Reck, bei dem Christian Krapf Assistent war. „Er ist ein sehr kommunikativer Typ, von ihm habe ich mir viel abgeschaut“, verrät Christian Krapf, der für die SpVgg Mönsheim pfeift.

Das Toptalent wird intensiv gefördert

Der Württembergische Fußballverband (WFV) und die Schiedsrichtergruppe Leonberg tun viel, um den 18-Jährigen weiter zu fördern. Christian Krapf gehört zum so genannten Coaching Kader des WFV. Mit dem ehemaligen Oberliga-Schiedsrichter Simon Hoffmann, Vorsitzender der Schiedsrichter-Gruppe Stuttgart, ist ihm ein eigener Coach zugeteilt, mit dem er etwa die Beobachtungsbögen bespricht. Neben Roman Reck, den der Mönsheimer als seinen Mentor bezeichnet, ist er auch immer wieder im Austausch mit Lars Erbst, der derzeit in der Zweiten Bundesliga pfeift.

Auf den Spuren von Lars Erbst

Zum Aushängeschild der Schiedsrichtergruppe Leonberg sieht Obmann David Modro durchaus Parallelen. „Auch Lars Erbst hat bereits früh als Schiedsrichter begonnen und hatte eine fußballerische Vergangenheit“, erklärt Modro. Auch er sei früh gefördert worden und habe über Jahre konstante Leistungen gebracht und sich persönlich weiterentwickelt. Diese Züge sieht Modro auch bei Christian Krapf, dem er zudem eine hohe Auffassungsgabe und die Fähigkeit, Hinweise und Tipps beeindruckend schnell umzusetzen, attestiert. „Das hat die Beobachter des WFV beeindruckt“, sagt Modro.

Ein großes Plus sei auch, dass Christian Krapf aus einer Fußballerfamilie stamme und von dieser stets gefördert werde. „Ich bin meinen Eltern unendlich dankbar. Sie haben mich total unterstützt und überall hin gefahren“, sagt der 18-Jährige, der auch in der U-17-DFB-Nachwuchsliga (die frühere Junioren-Bundesliga) Spiele leitet – in dieser Saison unter anderem das Derby zwischen dem Bundesliga-Nachwuchs des SC Freiburg und des VfB Stuttgart.

Im Verbandspokalspiel TV Oeffingen gegen TSG Backnang gab Christian Krapf unter anderem einen Strafstoß. Foto: Eva Herschmann

„Ich versuche, den Spielern auf Augenhöhe zu begegnen. Das kommt insbesondere bei jungen Akteuren gut an“, erzählt Krapf. Sehr gefreut hat er sich über das Lob eines solchen Nachwuchsspielers, als Krapf sich bei diesem nach einem Spiel für eine falsche Entscheidung entschuldigt hat. „Das kam richtig gut bei ihm an“, erinnert sich der 18-Jährige, der Kommunikation als eine seiner Stärken bezeichnet und selbst schon jüngere Schiedsrichter beobachtet.

Bereit für höhere Aufgaben

Wie weit nach oben ihn sein Hobby noch führen wird, darüber macht sich Christian Krapf keine Gedanken. „Es ist ohnehin schwierig, sich die Bundesliga oder Ähnliches als Ziel zu setzen“, bestätigt Obmann Modro. Jeder Weg eines Schiedsrichters sei einzigartig und von Erfolgen und Rückschlägen geprägt. Der selbstkritische Umgang und die stetige Weiterentwicklung würden den Weg für noch höhere Aufgaben ebnen.

Diesen zu gehen ist Christian Krapf bereit. „Ich will viel pfeifen, weil ich bei jedem Spiel dazu lerne“, erklärt der 18-Jährige, der von den Spielern wegen seines jungen Alters oft „Junior“ genannt wird. Das wichtigste für ihn sei, immer demütig und bodenständig zu bleiben – eine für einen 18-Jährigen beeindruckende Haltung.

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