Schiedsrichterin Jule Gebhardt Eine kleine Frau mit 1,58 Metern zeigt Größe
Jule Gebhardt misst nur 1,58 Meter groß, steht aber als Schiedsrichterin bis in die Oberliga ihre Frau. Im Frühjahr ist sie als Bezirkssiegerin ausgezeichnet worden.
Jule Gebhardt misst nur 1,58 Meter groß, steht aber als Schiedsrichterin bis in die Oberliga ihre Frau. Im Frühjahr ist sie als Bezirkssiegerin ausgezeichnet worden.
Wenn Jule Gebhardt einen Spieler ermahnt oder ihm eine Gelbe Karte zeigen muss, agiert sie meist nicht auf Augenhöhe. Die Unparteiische von der Schiedsrichtergruppe Leonberg ist nur 1,58 Meter groß, Akzeptanzprobleme hat sie aber noch nie gehabt.
„Ich will in jedem Spiel mit meiner Leistung auf dem Platz überzeugen, damit erarbeite ich mir Respekt und Anerkennung“, sagt die 26-Jährige. In hitzigen Situationen sei es allerdings nicht immer einfach. „Da gehe ich dann nicht einfach dazwischen wie andere Kollegen von mir, die größer sind“, räumt sie ein.
Seit elf Jahren ist Jule Gebhardt als Schiedsrichterin im Einsatz. Dazu gekommen ist sie mehr oder weniger durch Zufall. Sie spielte selbst Fußball in einem kleinen Verein in der Nähe von Leipzig. Als ihre Trainerin in der Mannschaft in die Runde fragte, wer sich vorstellen könne, sich für den Verein als Schiedsrichterin zu engagieren, sagte sie ohne langes Zögern zu. „Ich fand die Idee spannend und mag es einfach gern, darauf zu achten, dass Regeln eingehalten werden“, erklärt sie ihr Engagement.
Zu Beginn verfolgte sie eine Doppelkarriere. Jule Gebhardt war gleichzeitig Schiedsrichterin für den Sächsischen Fußballverband und spielte in ihrem Verein noch weiter Fußball. Als sie jedoch in Stuttgart ihr Studium als Wirtschaftsingenieurin vorantrieb, stellte die junge Frau schnell fest, dass selbst Fußball zu spielen und immer wieder Fußballspiele zu leiten, zeitlich nicht unter einen Hut zu bringen war – weil das nicht ihre einzigen Freizeitbeschäftigungen darstellt.
Neben dem Sport besitzt sie eine weitere Heimat bei den Royal Rangers, den christlichen Pfadfindern, in Rutesheim und bringt sich auch dort zeitlich mit ein. „Ich habe mich dann dafür entschieden, Schiedsrichterin zu sein, weil man da seine Zeit ein bisschen besser selbstständig einteilen kann als als Spielerin“, erläutert die Frau, die in Flacht wohnt.
Mittlerweile ist sie als Regelhüterin mehrfach aufgestiegen. Bei den Frauen pfeift sie Spiele bis zur Oberliga, in der Regionalliga ist sie Assistentin. Bei den Männern wird sie für Spiele bis zur Bezirksliga eingeteilt, zudem steht sie in Landesliga-Begegnungen an der Linie. Zu ihren Höhepunkten ihrer Schiri-Laufbahn gehörten die Leitung des Bezirkspokalfinales der Frauen im vergangenen Jahr zwischen dem TSV Ottmarsheim und dem TSV Münchingen II in Ditzingen sowie ihr Einsatz an der Linie beim Verbandspokalfinale 2022 zwischen dem SV Hegnach und dem TSV Tettnang in Waiblingen. „Da war rund um die Partie eine gute Stimmung, es war einfach ein großes Fest“, weiß sie noch gut.
Es überrascht daher nicht, dass Jule Gebhardt im Frühjahr dieses Jahres bei der Aktion „Danke Schiri“ unter den Schiedsrichterinnen als Bezirkssiegerin geehrt wurde. „Es ist schön, wenn meine Leistungen anerkannt werden. Aber solche Ehrungen sind nicht der Grund, warum ich Schiedsrichterin bin“, sagt Jule Gebhardt bescheiden. Sie hat viel mehr Freude daran, wenn sie ihr Hobby in die Nähe von Sportstätten mit großem Namen führt – wie ihr Einsatz als Assistentin bei einem B-Juniorinnen-Bundesligaspiel von Bayern München. „Das war zwar außerhalb des Campus, aber es war irgendwie trotzdem sehr cool“, erinnert sich die 26-Jährige.