Startschwierigkeiten im Ersatzverkehr Busfahrer setzt Schüler an Autobahn aus

55 Busse ersetzen derzeit die S-Bahn und die Regionalbahn zwischen Herrenberg und Vaihingen. Foto: Stefanie Schlecht

Er hatte wohl den Abzweig nach Gärtringen verpasst und die Kinder in der Auffahrt auf die A 81 rausgelassen. Nicht der einzige Zwischenfall am Montag. Wie die Bahn darauf reagiert.

Böblingen: Anke Kumbier (ank)

Gesperrte Bahnen, Streik, Ersatzverkehr, Staus, Protestzüge der Bauern auf Traktoren – diese Woche ist viel los gewesen auf den Straßen des Landkreises. Manches kam überraschend, anderes weniger. Lange bekannt ist die Sperrung der Gäubahnstrecke. Trotzdem verlief der Start der Ersatzbusse, die seit Montag zwischen Herrenberg und Vaihingen fahren, nicht reibungslos, wie zwei Vorfälle zeigen. Ein Problem dabei: Dass Fahrer die Strecken wohl nicht gut genug kannten. So hat ein Fahrer offenbar eine Schülergruppe einfach an der Autobahn ausgesetzt, weil er den Abzweig nach Gärtringen verpasst hatte. Der Bahn liegen dazu nach eigener Auskunft mehrere Beschwerden von Eltern vor. Mangelnde Streckenkenntnis einer anderen Busfahrerin sorgte für eine abenteuerliche Fahrt nach Herrenberg. Möglicherweise Einzelfälle, die dennoch zu der Frage führen, wie die Bahn die Busfahrer auf den Schienenersatzverkehr (SEV) vorbereitet.

 

Als die Mutter eines Schülers, der an der A81 abgesetzt wurde, am Telefon schildert, was ihr Sohn erlebt hat, klingt sie nicht sonderlich wütend. Aber es sei ihr ein Anliegen, dass der Vorfall geklärt wird. Ihr Sohn sei zwölf Jahre alt und besuche das Andreae-Gymnasium in Herrenberg. Nach der Mittagsschule am Montag sei er zusammen mit anderen Schülern im Alter zwischen zehn und 13 Jahren in den Bus Richtung Vaihingen mit Halt in Gärtringen gestiegen.

Frau lotst Schüler sicher nach Gärtringen

Eine Frau habe während der Fahrt bemerkt, dass der Fahrer den Abzweig nach Gärtringen verpasst hat und ihn darauf aufmerksam gemacht. Die Frau habe aussteigen wollen, erzählt die Mutter, und alle Gärtringer Kinder daraufhin auch. „Der Fahrer hat die Kinder und die Frau dann direkt an der Autobahnauffahrt rausgelassen“, berichtet die Mutter, die namentlich nicht genannt werden möchte. Zum Glück habe die Frau die Kinder am Fahrbahnrand entlang geführt und sicher in den Ort hineingelotst.

Gott sei Dank sei keines der Kinder einfach los und auf die Fahrbahn gerannt, sagt die Mutter. Sie habe ihren Sohn noch gefragt, warum er nicht einfach sitzen geblieben und weiter nach Böblingen gefahren ist. „Ich hätte ihn ja abholen können.“ Aber darauf seien die Kinder in diesem Moment gar nicht gekommen. „Ich will dem Fahrer keine Steine in den Weg legen, aber einen Rüffel sollte er schon bekommen“, findet die Mutter, die sich nach eigener Aussage bei der Bahn beschwert hat.

Was die Deutsche Bahn dazu sagt

Die Deutsche Bahn bestätigt auf Nachfrage, dass mehrere Beschwerden von Eltern eingegangen seien. Man gehe der Sache nach und werde den Vorfall aufklären. „Die entstandenen Unannehmlichkeiten bedauern wir sehr“, teilt eine Sprecherin mit.

Weniger gefährlich, aber für alle Beteiligten nervenaufreibend, war eine Fahrt von Böblingen nach Herrenberg über Ehningen, Gärtringen und Nufringen. Der Bus, in dem die Autorin dieser Zeilen saß, hat sich mehrmals verfahren und landete zunächst in Dagersheim. Diskussionen entbrannten, ob der Bus sicherheitshalber wieder zurück nach Böblingen fahren solle oder ob es noch gelingt, den Weg nach Herrenberg zu finden. Sprachbarrieren erschwerten die Kommunikation mit der Fahrerin. Eine mitreisende Frau übernahm schließlich, unterstützt von Passagieren, die weitere Navigation.

So ist der SEV organisiert

Auch das zunächst ein Einzelfall. Allerdings bedeutet der Einsatz von Schienenersatzverkehr wohl auch, dass viele – mitunter ortsfremde – Fahrer gebraucht werden. Das zeigt allein ein Blick auf die Nummernschilder der Busse. Die DB habe den Verkehr mithilfe von langjährigen festen Partnern organisiert, erklärt die Bahnsprecherin. Aktuell seien 55 Busse im Ersatzverkehr zwischen Herrenberg und Vaihingen unterwegs. Die beteiligten Busunternehmen erhielten vor Beginn ausführliche Vorgaben. „Darunter sind verbindliche Qualitätskriterien, zu denen auch die Gewährleistung der Strecken- und Haltestellenkenntnisse des eingesetzten Fahrpersonals vor Beginn der Maßnahme gehört.“ In der Regel würden die Fahrer vor dem Start des Ersatzverkehrs zwei Arbeitstage lang geschult, unter anderem mit Probefahrten.

„Nichtsdestotrotz gab es, insbesondere aufgrund des Einsatzes überregionaler Busunternehmen, Nachsteuerungsbedarf bei der Streckenkenntnis des Fahrpersonals“, räumt die Sprecherin ein. Zu möglichen Sprachbarrieren erklärt die Sprecherin, dass der Arbeitsmarkt für Busfahrer generell sehr angespannt sei und sich die Bahn über jeden qualifizierten Fahrer, ob aus dem In- oder Ausland, freue.

Schönbuchbahn ab Freitag gesperrt

Trotz der geschilderten Vorfälle zieht die Bahn ein positives erstes Fazit: Aus ihrer Sicht ist der Ersatzverkehr insgesamt gut angelaufen. „Wir beobachten die Verkehre kontinuierlich und steuern bei Bedarf weiter nach.“ Dazu haben die Verantwortlichen ausreichend Gelegenheit: Wie jetzt bekannt wurde, dauern die Bauarbeiten am Würmtalviadukt bei Ehningen vier Wochen länger. Das bedeutet wohl Schienenersatzverkehr zwischen Herrenberg und Böblingen bis Ende März. Und weitere Geduldsproben für Pendler stehen vor der Tür: Von diesem Freitag an ist die Strecke der Schönbuchbahn für drei Tage gesperrt. Bis Sonntag fahren auch zwischen Böblingen und Dettenhausen nur Busse. Hinzu kommt der Lokführerstreik, der noch bis Freitag dauern soll und im Kreis die Linien S60 und S6 betrifft.

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