Schienenprojekt Der Bau der Hermann-Hesse-Bahn beginnt

Von Florian Mader 

Arbeiter errichten derzeit die neue Bahnbrücke über die Weil der Städter Südumfahrung. Auch der Tunnel bei Schafhausen wird bald begonnen.

Derzeit wird die Baugrube für die neue Brücke über die Weil der Städter Südumfahrung ausgehoben. Foto: factum/Jürgen Bach
Derzeit wird die Baugrube für die neue Brücke über die Weil der Städter Südumfahrung ausgehoben. Foto: factum/Jürgen Bach

Weil der Stadt - Wer in diesen Tagen auf der Weil der Städter Südumfahrung unterwegs ist und schräg nach oben schaut, der entdeckt dort Bauarbeiter. Die Arbeiten an der Hermann-Hesse-Bahn haben jetzt auch im Kreis Böblingen begonnen. In diesem Jahr hat der Zweckverband Hesse-Bahn, zu dem der Landkreis Calw und die Kommunen Calw, Althengstett und Ostelsheim gehören, viel vor, um ein großes Stück mit der Reaktivierung der Schienenverbindung nach Calw voranzukommen.

„Nach ersten vereinzelten Maßnahmen starten wir 2020 mit weiteren Baumaßnahmen durch, um die Hermann-Hesse-Bahn auf die Schiene zu setzen“, sagt Michael Stierle, der Geschäftsführer des Zweckverbands Hermann-Hesse-Bahn.

Die Baugrube auf dem Malersbuckel wird ausgehoben

An der Weil der Städter Südumfahrung entsteht zum Beispiel eine neue Bahnbrücke. Diese ist nötig, da mit dem Bau der Umgehungsstraße die Schienen der alten Schwarzwaldbahn unterbrochen worden waren.

„Derzeit laufen dort die Vorbereitungen“, berichtet Anja Reinhardt, die Pressesprecherin des Zweckverbands. Die Zufahrtsmöglichkeit auf der südlichen Seite der Baustelle auf dem Malersbuckel wurde schon hergestellt.

Derzeit heben die Bauarbeiter von oben her die Baugrube für das Widerlager der Brücke aus. Von Juli an ist mit konkreten Baumaßnahmen zu rechnen, kündigt Reinhardt an. Dann müssen die Weil der Städter auch mit Verkehrsbehinderungen rechnen. Für die Einrichtung der Baustelle und deren Abbau muss jeweils ein Wochenende lang die Südumfahrung voll gesperrt werden. Zwischendrin bleibt die Südumfahrung halbseitig gesperrt. Das sorgt für mehr Verkehr in der Altstadt, denn Autos von Leonberg kommend in Fahrtrichtung Calw werden in dieser Zeit durch die Weiler Innenstadt umgeleitet.

Die genauen Termine kann die Hesse-Bahn-Sprecherin Anja Reinhardt noch nicht nennen. „Die Baufirma und die Straßenverkehrsbehörde sind derzeit in Abstimmung, wann genau die halbseitige Sperrung möglich“, sagt sie.

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Für 1,8 Millionen errichtet der Metzinger Hochbauer Brodbeck dann die Eisenbahnbrücke über die Südumfahrung. Ein paar Meter weiter, im Wald bei Schafhausen, wird derweil das weit größere Teil-Projekt der Hesse-Bahn vorbereitet. Unter dem Hacksberg ist ein neuer, 498 Meter langer Tunnel geplant. Das spart später vier Minuten Fahrzeit und mehr als zwei Kilometer Wegstrecke pro Richtung. „Wir befinden uns im Endstadium des Vergabeverfahrens für den Tunnel“, berichtet Anja Reinhardt. Es sei geplant, im Juni den Auftrag zu vergeben und im Oktober mit den Bauarbeiten zu beginnen.

Im Kreis Calw werden jahrhundertealte Brücken saniert

Die Bürger im Kreis Calw können schon länger beobachten, dass an der Reaktivierung der Zugverbindung gearbeitet wird. Begonnen hatten die Arbeiten im vergangenen Jahr mit dem Neubau der Brücke über die B 295 bei Calw-Heumaden. Die Widerlager sind schon fertig, die eigentliche Brücke fehlt noch.

Derweil laufen auch die Sanierungen der bestehenden, teils jahrhundertealten Brücken. In Calw zum Beispiel ist beim Welzberg eine komplette Brücke von ihrer jahrzehntelangen Position ausgehoben worden. Die Brücke schwebte kurz und wurde dann in Richtung Fuchsklinge abtransportiert. Neben der Welzbergbrücke in Calw werden drei weitere Stahlbrücken saniert. Zudem werden dabei auch die Widerlager der Brücken auf Vordermann gebracht. Ebenfalls wird aktuell die Eisenbahnüberführung Eugen-Zeyher-Straße in Althengstett saniert. Alle fünf Brückensanierungen kosten rund 1,3 Millionen Euro.

Übrigens: Verzögerungen wegen der aktuellen Corona-Pandemie gibt es bei der Bahnreaktivierung keine, versichert Zweckverbands-Sprecherin Reinhardt. „Bislang sind wir von Ausfällen aufgrund von Corona verschont geblieben“, sagt sie. „Es zeichnet sich aktuell auch nicht ab, dass es Auswirkungen geben wird.“




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