Schienenverkehr in der Region Region fordert bei S 21 Verbesserungen

Fast 50 Seiten dick ist das Konzept zum Ausbau der Schieneninfrastruktur in der Region. Darin führt der Regionalverband auch Maßnahmen auf, wie S 21 verbessert werden könnte.

Der Verband prüft eine frühere Inbetriebnahme der Panoramabahn zwischen dem Hauptbahnhof und Stuttgart-Vaihingen, die sonst jahrelang ruhen wird. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth
Der Verband prüft eine frühere Inbetriebnahme der Panoramabahn zwischen dem Hauptbahnhof und Stuttgart-Vaihingen, die sonst jahrelang ruhen wird. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Stuttgart - Der Verkehrsausschuss der Regionalversammlung strebt im Zuge des Bahnprojekts Stuttgart 21 zusätzliche Verbesserungen der Schieneninfrastruktur an. Im Mittelpunkt steht dabei die künftige Nutzung der Panoramabahn, die als tangentiale Verbindung im Westen Stuttgarts vom Raum Schönbuch/Böblingen nach Feuerbach und darüber hinaus bis ins Strohgäu, nach Calw oder nach Markgröningen dienen könnte. Diese Umfahrung in Halbhöhenlage soll auch zusätzlich in Richtung Bad Cannstatt und dann über den Wartungsbahnhof Untertürkheim in den neuen Tiefbahnhof geführt werden.

Zugleich machen sich die Regionalräte dafür stark, die große Wendlinger Kurve zu bauen, die die Schienen im Neckartal besser mit der Neubaustrecke zwischen Stuttgart und Ulm verbindet als die geplante Variante. Doch damit nicht genug: eine modernere Signaltechnik, ein drittes Gleis an der künftigen S-Bahn-Haltestelle Mittnachtstraße und zusätzliche Bahnsteige an den Stationen auf der Stammstrecke sollen den störungsanfälligen S-Bahn-Betrieb zuverlässiger machen.

Verkehrsdirektor: nicht spektakuläre Maßnahmen

„Es ist sinnvoll und notwendig, das bestehende Nahverkehrssystem zu stabilisieren und zu verbessern“, sagte Regionaldirektorin Nicola Schelling. Dabei müssten vor allem die Chancen geprüft werden, die sich durch die Verknüpfung bestehender Strecken ergeben könnten – siehe Panoramabahn. Auch der regionale Verkehrsdirektor Jürgen Wurmthaler sprach in der Sitzung am Mittwoch von „nicht spektakulären Maßnahmen“. Sie würden aber einerseits neue Verbindungen schaffen und andererseits eine größere Flexibilität im Störungsfall ermöglichen. Um ein künftiges Nadelöhr zu vermeiden, müssten vor allem auf den S-21-Strecken in den Tiefbahnhof zusätzliche Weichen in Zuffenhausen und Feuerbach installiert werden. „Eine spätere Nachrüstung käme viel teurer und würde den S-Bahn-Betrieb einschränken“, mahnte Wurmthaler. Darüber sei man mit der S-21-Projektgesellschaft im Gespräch.

Auch bei den anderen Maßnahmen sucht der Regionalverband, der als Aufgabenträger der S-Bahn und Verfasser des Regionalverkehrsplans eine wichtige Rolle spielt, nun das Gespräch mit den anderen Beteiligten – neben der Bahn sind das vor allem das Land und die Stadt Stuttgart, in deren Besitz die Panoramabahn ist. Gegen die Stimmen der Linken, die die Realisierung von S 21 und darauf aufbauende Maßnahmen ablehnten, stimmten alle Fraktionen von CDU bis Grüne dafür, dass die Region mit Untersuchungen für dieses Konzept beginnt. Dafür stehen 100 000 Euro zur Verfügung. In einem Jahr werde es Ergebnisse geben, kündigte Wurmthaler an.

Im Mittelpunkt stehen auch mögliche Verbesserungen im S-Bahn-Netz. So soll untersucht werden, ob am Halt Mittnachtstraße ein drittes Gleis nachgerüstet werden soll. Das würde den Betrieb entzerren und zusätzliche Kapazitäten ermöglichen. Diese Option soll zumindest planerisch und baulich vorbereitet werden.

Einen Disput gab es über die Rolle der Schusterbahn

In diesem Zusammenhang wird auch geprüft, inwieweit Außenbahnsteige an der unterirdischen S-Bahn-Stammstrecke in den Stationen Hauptbahnhof, Stadtmitte und Feuersee nachgerüstet werden könnten. Damit könnte erreicht werden, dass man weniger Zeit fürs Ein- und Aussteigen braucht und damit mehr Züge fahren lassen kann.

Dem Ziel, die Kapazität auf der S-Bahn-Strecke zu erhöhen, könnte auch die neue Signaltechnik ETCS dienen, deren Effekte momentan von der S-21-Projektgesellschaft untersucht werden. Langfristig könnte sie auch die Kapazität der Zulaufstrecken zum neuen Tiefbahnhof erhöhen – etwa auf den Mischverkehrsstrecken der Gäubahn zwischen Herrenberg und Stuttgart-Vaihingen und der Remsbahn zwischen Schorndorf und Waiblingen. Unter Mischverkehrsstrecken versteht man Gleisabschnitte, auf denen Fern- und Regionalzüge sowie die S-Bahnen fahren. Dabei ist immer die Frage, wer bei Störungen Vorrang hat – die Region vermutet, dass die S-Bahn oft warten muss.

In der Debatte forderte CDU-Regionalrat Rainer Ganske, die Verbesserungen auf der Gäubahn mit einem dritten Gleis jetzt anzugehen und nicht auf ETCS zu warten. Auf Vorschlag von Thomas Leipnitz (SPD) wird auch eine Inbetriebnahme auf der Panoramabahn in Stufen geprüft, damit dort der Betrieb nicht über Jahre ruht. Einen Disput gab es über die Rolle der Schusterbahn von Untertürkheim nach Kornwestheim. Eva Mannhardt (Grüne) und Wolfgang Hoepfner (Linke) forderten, dass die Strecke als Tangentiale Ludwigsburg–Esslingen untersucht wird. Das lehnte eine Mehrheit ab und folgte der Argumentation des Verbands, dass der Bedarf zu gering sei.

Auch die Forderung der Grünen, ein oberirdisches Stichgleis von der Panoramabahn in den Hauptbahnhof zu prüfen, scheiterte. Dies widerspreche dem S-21-Konzept, dass die Gleisflächen abgeräumt würden, meinte eine Mehrheit aus CDU, SPD, Freien Wählern und FDP.