Die Polizei in Stuttgart setzt beim Schießtraining künftig auf Lasertechnik. Das neue System soll Einsatzlagen realistischer abbilden und besser auf gefährliche Situationen vorbereiten.

Stuttgart bekommt als erstes Polizeipräsidium in Baden-Württemberg ein neues lasergestütztes Schießtrainingssystem. Innenminister Thomas Strobl hat die Technik in Stuttgart übergeben. Sie ist Teil einer landesweiten Beschaffung von rund 180 Systemen, für die der Landtag insgesamt 1,8 Millionen Euro bereitgestellt hat. Die Systeme werden voraussichtlich ab Ende April an weitere Polizeipräsidien ausgerollt.

 

Strobl betonte, Polizeiarbeit verlange auch „unter schwierigsten Bedingungen“ ein hohes Maß an Professionalität. Umso wichtiger seien gute Ausstattung und regelmäßiges Training. „Üben, üben, üben“, sagte der Minister. Nach neuer Schutzkleidung mit schnitthemmenden Elementen lege das Land nun „beim Einsatztraining noch eine Schippe drauf“. Ziel sei es, die Beamtinnen und Beamten mithilfe der Lasertechnik besser auf lebensbedrohliche Lagen vorzubereiten. Vergleichbare Systeme sind bereits in Bayern im Einsatz.

Polizisten trainieren in normaler Uniform

Im Kern ersetzt das System die klassische Übungsmunition durch Lasertechnik. Schüsse werden dabei als Lichtimpulse simuliert, Treffer elektronisch erfasst und im Nachgang ausgewertet. So lassen sich auch komplexe Einsatzlagen realitätsnah durchspielen, ohne dass die Übung zur Gefahr wird. Die Polizistinnen und Polizisten trainieren in normaler Uniform, verzichten dabei aber auf zusätzliche Schutzausrüstung wie Helme. Das macht das Training beweglicher und näher an der Realität, weil Sicht, Kommunikation und Körpersprache nicht eingeschränkt werden. Im Vordergrund steht nicht die Schussgenauigkeit, sondern das Üben gefährlicher Einsatzsituationen. Deshalb zeigt das System nicht an, wo ein Treffer sitzt, sondern nur, dass ein Schuss getroffen hat.

Realitätsnahes Training besonders entscheidend

Der Stuttgarter Polizeipräsident Markus Eisenbraun sieht darin einen entscheidenden Fortschritt. „Um schnelle, sichere und richtige Entscheidungen treffen zu können, ist realitätsnahes Training entscheidend“, sagte er. Gerade in einer Großstadt wie Stuttgart nehme die Zahl komplexer und gewaltgeprägter Einsatzlagen zu. Die Beamtinnen und Beamten müssten häufig in Sekunden entscheiden, wie sie reagieren und welche Mittel sie einsetzen.

Innenminister Thomas Strobl und Polizeipräsident Markus Eisenbraun bei der Übergabe in Stuttgart. Foto: Max Kovalenko

Ein wesentlicher Vorteil liege auch in der Flexibilität, so der Polizeipräsident. Die Systeme könnten außerhalb klassischer Schießanlagen eingesetzt werden, etwa an Bahnhöfen, in Schulen oder an Flughäfen. Dadurch rücke das Training näher an reale Einsatzorte heran, und „die Szenarien sind viel realitätsnaher“, sagte Eisenbraun. Bislang waren solche Trainings vor allem mit sogenannter Farbmarkierungsmunition möglich. Diese gilt als aufwendig und teuer, zudem sind spezielle Räume und Schutzkleidung erforderlich. „Dieses System kommt zur richtigen Zeit“, sagte Eisenbraun. Es erhöhe die Einsatzfähigkeit und trage dazu bei, sowohl die Einsatzkräfte als auch die Bevölkerung besser zu schützen.