Schiffstaufe Das neue Forschungsschiff Sonne

Von Roland Knauer 

Nach 36 Jahren wird das deutsche Forschungsschiff Sonne ausgemustert – und bekommt einen Nachfolger mit gleichem Namen. Angela Merkel hat das 124 Millionen Euro teure Schiff in Warnemünde getauft. Im Dezember bricht es zur ersten Expedition auf.

„Ich wünsche dir immer eine Handbreit Wasser unterm Kiel.“ Angela Merkel mit Werftchef Bernard Meyer (l.) und Ministerpräsident Erwin Sellering (Meckl.-Vorpommern) Foto: dpa
„Ich wünsche dir immer eine Handbreit Wasser unterm Kiel.“ Angela Merkel mit Werftchef Bernard Meyer (l.) und Ministerpräsident Erwin Sellering (Meckl.-Vorpommern) Foto: dpa

Stuttgart - Das Forschungsschiff Sonne ist in die Jahre gekommen. Zeit für einen Neubau gleichen Namens, den Bundeskanzlerin Angela Merkel am Freitag in Warnemünde bei Rostock getauft hat. Die alte Sonne war 1969 als Trawler für die Hochseefischerei zur Jungfernfahrt in See gestochen, 1977/78 wurde sie für die Tiefseeforschung umgebaut und fährt seither für das private Unternehmen RF Forschungsschiffahrt. Ihren Nachfolger bezeichnete Merkel als „schwimmendes Wunderwerk“. Die Kosten von 124 Millionen Euro trägt größtenteils der Bund. Zehn Prozent übernehmen die Küstenländer.

Genau wie im neuen Schiff hat auch schon die alte Sonne über das niedrige Hinterteil Fangnetze ausgebracht. Dabei lässt eine in der Mitte des Schiffs installierte mächtige Winde diese Geräte über eine Rolle an einem 14 Meter hohen, schwenkbaren Heckgalgen aus mächtigen Stahlträgern an einem 8000 Meter langen und daumendicken Kabel zu Wasser. Das können spezielle Netze zum Fangen von Organismen sein, aber auch stählerne Schleppnetze, die Gesteinsproben vom Meeresgrund abkratzen. Die so gewonnen Proben werden in Labors an Bord vorbereitet und für Analysen an Land verpackt.

Mehr Präzision beim Echolot

Abgesehen von der schwarz-weißen statt der bisherigen orangerot-weißen Farbe sieht die im April 2013 auf Kiel gelegte neue Sonne nicht viel anders aus als die alte. Mit 116 Metern ist der Neubau 18 Meter länger und mit etwas mehr als 20 Metern immerhin sechs Meter breiter als die Vorgängerin. Die größere Sonne bietet aber nicht nur mehr Wissenschaftlern Platz – bis zu 40 statt der bisherigen 25 –, sondern bringt auch in praktisch allen Bereichen der Tiefseeforschung Fortschritte: von der Atmosphäre bis zum Meeresboden, von der Tiefseebiologie bis zu den Strömungen.

So störten bisher Luftblasen am Rumpf die Vermessung des Meeresbodens mit hochpräzisen Echolotgeräten, die Schallwellen aussenden und deren Echos analysieren. Der Rumpf der neuen Sonne hat daher eine Form, die möglichst wenig Blasen entstehen lässt und ist zusätzlich extrem glatt. Wenn die neue Sonne Mitte Dezember 2014 von den Kanarischen Inseln zur ersten Forschungsfahrt Richtung Panama-Kanal und Pazifik ausläuft, werden noch etliche weitere Neuerungen die wissenschaftliche Ausbeute verbessern.