Im Stuttgarter Westen findet sich manch kurioses Ladenschild im Stadtbild. Unser Autor Erik Raidt hat untersucht, was es mit Firmen wie „Papas Peinigungs-GmbH“ auf sich hat.

Leben: Erik Raidt (era)

Stuttgart - Kürzlich hat es in Stuttgart eine helle Aufregung gegeben, weil sich etliche Menschen zeitgleich erleuchtet fühlten. Am Himmel ist ihnen ein Feuerschweif erschienen, und es hat der Faszination hinterher kaum einen Abbruch getan, als sich herausgestellt hat, dass es ein hundsgewöhnlicher Meteorit gewesen ist, der beim Erdeintritt verglüht ist. Doch Botschaften aus einer anderen Welt erreichen einen jeden Tag, man muss sie nur entdecken und ein bisschen genauer hinschauen. Zum Beispiel auf Garagentoren, auf Trottoirs, an Laternenmasten und Hausfassaden bei einem Frühlingsspaziergang durch den Stuttgarter Westen.

Sie wollen sich die Haare schneiden lassen? Dann gehen Sie auf keinen Fall zu Mauro, der sein Geschäft am Paul-Gerhardt-Platz hat und seinen Kunden auf dem Schild seines Ladens verspricht: „Mauro’s – schnell, schlecht, teuer.“ Nachgefragt bei Mauro Deidda, dem Chef des Geschäfts: „Meinen Sie das ernst?“ Antwort: „Das Schild ist perfekt, wer sich dennoch zu mir reintraut, kann sich hinterher nicht beschweren. Und wenn er es doch tut, dann schmeiße ich ihn raus.“ Sagt es, zwinkert kurz und verschwindet zur Kundschaft, die es unbedingt schnell, schlecht und teuer will.

Unterwegs in Absurdistan

Mauro kommt mit der charmanten Masche übrigens seit 13 Jahren gut über die Runden. Überhaupt scheint sich diese Ecke des Westens auf Werbebotschaften der etwas anderen Art spezialisiert zu haben. Ein paar Häuserblocks von Mauro entfernt wirbt ein Mini-Musikladen im Souterrain eines Eckhauses mit „Cheap Trash“ für sich. Hier gibt es also vermeintlich „billigen Schund“ zu kaufen. Womöglich ist der Betreiber ja mit Mauro verwandt. Aber auf einer Geschäftsreise durch das Absurdistan des Stuttgarter Westens darf ein Laden in der Senefelder Straße keinesfalls fehlen.

Die Schaufenster sind von halbdurchsichtigen Gardinen verhangen, an der Tür fehlt die Klingel. Einst muss hier ein Gewerbe gewesen sein, vielleicht ist es das immer noch. Über der Eingangstür verspricht eine Werbetafel rätselhafte Dienstleistungen: „Papas Peinigungs-GmbH.“ Was hinter den Gardinen geschehen könnte, bleibt der Fantasie der Passanten überlassen. Ob Papa hier peinigt? Ob Papa sich selbst peinigen lässt? Ob Papa die Kurzform für einen Griechen namens Papadopoulos ist, der sich fern der klammen Heimat versucht, im Sadomaso-Gewerbe eine neue Existenz aufzubauen?

Tierfreunde der etwas anderen Art

Man weiß es nicht und sollte auch nicht zu lange sinnlos spekulieren, zumal das Schild erkennbar mit ein paar Buchstaben überklebt wurde und sich hier einst vermutlich eine Reinigung befand, bevor sie von einem Spaßvogel zur Peinigung umetikettiert wurde. Apropos Tiere. Die gibt es auch im Westen. In der Gaußstraße beispielsweise wohnt ein bissiger Hausherr, der freundlicherweise auf seinem Garagentor vor sich selbst warnt. Kann sich hinterher keiner beschweren, genau wie bei Mauro. Nur wenige Häuser entfernt, ist auf dem Trottoir übrigens andauernd das zu sehen, was der Stuttgarter eigentlich schätzt: viel Geschäft. In diesem Fall aber das Geschäft von Hunden, die sich regelmäßig beim Gassigehen dort erleichtern. Aber auch für ihre Herrchen oder Frauchen hält Stuttgart eine Botschaft bereit. Auf dem Gehweg wurde mit blauer Kreideschrift eine subtile Warnung verfasst: „Ihr Hund schmeckt gut.“

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