Schillerhaus in Stuttgart Neues Leben unterm Tagblattturm

Von Hildegund Oßwald 

Neben dem Tagblattturm ist ein Geschäftsneubau geplant. Die Stadt Stuttgart will aber noch den Ausgang eines Rechtsstreits abwarten. Die Teppich Galerie könnte nämlich stehen bleiben.

  Foto: Achim Zweygarth
  Foto: Achim Zweygarth

Stuttgart - Im Innenstadtquartier unter dem Tagblattturm werfen zwei Bauprojekte ihre Schatten voraus. Die Stadt bereitet für das Schillerhaus an der Eberhardstraße 63 einen Wettbewerb für einen kleinen Geschäftsneubau vor. Und die Eigentümer des ehemals von der Teppich Galerie belegten Komplexes daneben denken nach der seit Jahren geplanten, aber bisher nicht zustande gekommenen Neubebauung aktuell über eine mögliche Neubelebung des Areals mit verschiedenen Nutzern nach, eventuell wird auch lediglich ein Teil des Bestandes abgerissen.

Den Passanten bietet sich in diesem Teil der Eberhardstraße ein zunehmend desolates Stadtbild mit leeren Flächen und heruntergekommener Bausubstanz. Im Zuge des neu entstehenden Einkaufszentrums Gerber kommt jetzt Bewegung in die seit Jahren angekündigten Vorhaben. Soll doch das ganze Quartier bis zur Paulinenbrücke als Verlängerung der Königstraße aufgewertet werden.

Im Fall des Schillerhauses zeichnet sich ein Ende des Rechtsstreites ab, dem sich die Stadt nach Ausübung ihres Vorkaufsrechtes ausgesetzt sah. „Wir haben in zwei Instanzen gewonnen, aber der Rechtsstreit ist wegen einer Nichtzulassungsbeschwerde beim Bundesgerichtshof noch nicht entschieden“, sagt der Erste Bürgermeister Michael Föll. Über die Ausschreibung eines Planungswettbewerbs für einen Neubau mit Laden oder Lokal, Büros und Wohnungen will er den Gemeinderat erst nach Abschluss des Verfahrens abstimmen lassen. Die Vorbereitungen laufen indes schon. „Das Gebäude ist in einem erbärmlichen Zustand und nicht erhaltenswert“, so Föll.

Die Fassade des Schillerhauses soll erhalten werden

Der Name Schillerhaus geht auf den Umstand zurück, dass im Vorgängergebäude von 1780 bis 1782 Friedrich Schiller gewohnt hat. Daran erinnert ein Glaseinsatz in der Eingangstür und eine Tafel im Flur. „Diese wird man erhalten“, sagt Föll. Ebenso den Keller, in dem sich noch Rudimente der alten Stadtmauer befinden sollen.

Eine weit größere Bedeutung kommt der Entwicklung im Nachbargebäude Eber­hardstraße 65 zu. Seit dem Auszug der Teppich Galerie vor drei Jahren werden nur noch Teile der Flächen zwischengenutzt, mit dem Umzug des Renitenztheaters ist auch das Renommee als Kulturadresse verblasst. Das könnte sich womöglich wieder ändern, je nachdem, welches Konzept für den in privatem Familienbesitz befindlichen Komplex realisiert wird, in dem vor der Teppich Galerie einst das Möbelhaus Schoettle firmierte.

Zuletzt war für Mitte vergangenen Jahres ein Baugesuch für einen großen Neubau mit 5000 Quadratmetern Handelsfläche, Büros in der gleichen Größenordnung, drei Wohnungen und einer öffentlichen Passage angekündigt worden, nachdem Stadt und Gemeinderat bereits 2011 einer entsprechenden Bauvoranfrage das Plazet erteilt hatten – verbunden mit der Auflage, die denkmalgeschützte Fassade wieder originalgetreu vor den Neubau zu setzen. Getan hat sich dann trotzdem nichts, weil Eigentümer und Investoren sich offenbar nicht über den Preis einigen konnten.

„Das Gebiet ist einer positiven Entwicklungsphase“

Jetzt verhandelt nicht nur das Maklerbüro Jones Lang LaSalle mit neuen Interessenten, sondern auch der Eigentümer selbst. „Wir haben drei Investoren, einer würde die bisherigen Pläne weiterverfolgen, andere verfolgen die Idee von kleineren Appartements, kombiniert mit Büros“, sagt der Leiter des Maklerbüros Alexander Veiel. Wichtig sei, so Veiel, dass die Hängepartie sich nicht weiter hinziehe. „Das Gebiet ist in einer positiven Entwicklungsphase, besser wird es nicht mehr.“

Dies scheint auch den Eigentümern bewusst zu werden, die nun ihrerseits nach einer neuen Vermarktung ihrer Immobilie suchen, und zwar mit eigenem Konzept. „Wir denken an eine breite Mietermischung, das Uniforme macht eine Stadt nicht so attraktiv und schränkt die Nutzung ein“, sagt der Eigentümer, der nicht genannt sein will. Man wolle „was Gutes aus der Immobilie machen“, erwäge „eine Kernsanierung mit Teilabriss“. Dort, wo das Renitenztheater residierte, sei die Bausubstanz erhaltenswert, dort sei auch eine neue kulturelle Nutzung denkbar. Interessenten aus der Szene gibt es offenbar mehrere. Einzelheiten will der Eigentümer noch nicht nennen. Nur so viel lässt er sich entlocken: „Wir arbeiten an einem Konzept, das in den nächsten Monaten konkret werden könnte.“

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