Das Land stellt die Finanzmittel für einen Umbau des Gärtringer Schlachthofes bereit. Foto: Stefanie Schlecht
Erleichterung von Ludwigsburg über Böblingen bis nach Tübingen und von Reutlingen bis Calw und Freudenstadt: Das Landwirtschaftsministerium sichert dem Gärtringer Schlachthof die Zukunft.
Es war ein Verhandlungs-Krimi bis zuletzt: Kurz bevor die Zuschüsse von maximal 3,93 Millionen Euro für den SchlachthofGärtringen verfallen wären, haben sich das Landwirtschaftsministerium und der Kreis Böblingen geeinigt. Uneins waren die beiden Parteien darüber gewesen, welche Teile des neuen Konzepts für den Schlachthof förderfähig waren und welche nicht. Denn ein neues Konzept wurde gebraucht, nachdem der alte Schlachthof geschlossen werden musste, weil Tierrechtler der Soko Tierschutz aus München mit einer versteckten Kamera Verstöße gegen den Tierschutz gefilmt hatten.
Daraufhin beschlossen die Betreiber des Schlachthofs, zusammen mit dem Landkreis Böblingen die Anlage grundlegend zu modernisieren. Doch daraus wurde erst mal nichts, denn die Planer hatten mit unvorhersehbaren Schwierigkeiten zu kämpfen. Wie etwa mit einem fehlenden Zuschuss aus dem Kreis Tübingen.
„Es gibt ja kaum mehr Schlachthöfe, wo wir Metzger noch hinkönnen.“
Wolfgang Herbst, Innungsobermeister
Weil ein Bürgerentscheid ein klares Votum für den Erhalt des Schlachthofs in Rottenburg gebracht hatte, hatten die Stadt Rottenburg sowie der Kreis Tübingen ihre Zuschüsse zurückgezogen.
Schlachthof Gärtringen: Was ist förderfähig und was nicht?
Dann musste das Konzept verändert werden, nachdem zuerst eine Art Vorzeigeschlachthof geplant worden war. Der hätte mehr als 13 Millionen Euro gekostet – und das war allen Beteiligten zu viel. Mit einem abgespeckten Konzept von rund zehn Millionen Euro schien zunächst alles auf einem guten Weg, wenn nicht die Detail-Verhandlungen den Beschluss aufgehalten hätten. Weil sich Land und Kreis nicht einigen konnten, sah es noch vorige Woche so aus, als drohten die Fördergelder zu verfallen. Doch binnen einer Woche hatte sich das Blatt gewendet.
Der Landwirtschaftsminister Peter Hauk schreibt: „Nach intensiver Planung und umfassender Prüfung ist der Weg für den Umbau und die Modernisierung des Schlachthofs in Gärtringen nun endgültig frei. Das freut mich für alle Beteiligten, ganz besonders für die Landwirte vor Ort. Ich bin mir sicher, dass der Landkreis ebenso seinen Zusagen nachkommen wird und der Schlachthof bald schon zu den modernsten und tierwohlgerechtesten Schlachthöfen im Land zählt.“
Das Land zahlt 40 Prozent für Schlachthof Gärtringen
Mit den bereitgestellten 3,93 Millionen Euro zahlt das Land nun 40 Prozent der Kosten. Die fehlenden 60 Prozent kommen hauptsächlich vom Kreis Böblingen. Wie vom Kreistag mit großer Mehrheit beschlossen, wird er seinen Teil mit einem Darlehen über drei Millionen Euro und einer Einmalzahlung von ebenfalls drei Millionen Euro beisteuern. Vom Kreis Calw sollen weitere 500 000 Euro kommen. Der Einzugsbereich des Gärtringer Schlachthofs umfasst in etwa ein Gebiet von Ludwigsburg über Böblingen bis nach Tübingen und von Reutlingen bis nach Calw und Freudenstadt.
Im Jahr 2020 war der Schlachthof aus Tierschutzgründen geschlossen worden. Foto: Stefanie Schlecht „Der persönliche Einsatz von Minister Peter Hauk war in der finalen Phase entscheidend. Er hat Wort gehalten und die Fördermittel für dieses so wichtige Projekt gesichert. Der Landeszuschuss ist der entscheidende Schlussstein in einem Finanzierungsmodell, für das wir lange gekämpft haben.“
Nachdem der Schlachthof knapp fünf Jahre geschlossen war, duldet der Kreis keinen Aufschub: „Die Baufirmen stehen in den Startlöchern. Nach all den Verzögerungen wollen wir jetzt keine Zeit mehr verlieren.“
Regionaler Schlachthof in Gärtringen
Mit modernster Technik, kurzen Transportwegen und höchsten Standards soll in Gärtringen ein Vorzeigebetrieb entstehen. „Unsere Landwirte und Metzger erwarten die Wiederinbetriebnahme sehnsüchtig, um endlich wieder eine verlässliche, regionale Schlachtstätte zu haben“, heißt es in der Mitteilung weiter.
Große Zustimmung kam auch von der Metzger-Innung Böblingen/Ludwigsburg: „Es wird höchste Zeit, dass der Schlachthof in Gärtringen wieder aufmacht“, sagt der Innungsobermeister Wolfgang Herbst aus Besigheim, „es gibt ja kaum mehr Schlachthöfe, wo wir Metzger noch hinkönnen. Zwar gibt es noch viele Betriebe, die zu Hause schlachten könnten und es auch würden, aber da haben wir so hohe Auflagen, dass das nicht mehr bezah lbar ist.“ Für den Chef der Innung Böblingen/Ludwigsburg sind kurze Wege für das Tierwohl und die Fleischqualität entscheidend.
Fünf Haltungsstufen – und eine Gruppe, die genau nachsieht
Tierwohl Seit August gibt es ein fünfstufiges staatliches Tierwohllabel für frisches Schweinefleisch. Die fünf Haltungsstufen sind Stall, Stall und Platz, Frischluftstall, Auslauf und Weide sowie Bio.
Tierschützer Die Soko Tierschutz ist eine Gruppe von Aktivisten zum Thema Tierrechte mit Sitz in München. Sie ermittelt verdeckt und teilt ihre Recherchen mit den Justizbehörden und den Medien.