Im Streit um die Wiedereröffnung des Gärtringer Schlachthofs mit einem neuen Konzept melden sich Vertreter der Bürgerinitiative zu Wort, die für den Erhalt des Rottenburger Schlachthofes eintreten. Die mitten im Stadtzentrum gelegene Schlachtstätte gilt als marode und sollte eigentlich geschlossen werden. Der Landkreis Tübingen hatte daher eine Beteiligung an der Finanzierung eines neuen Schlachthofs in Gärtringen in Aussicht gestellt, der nach einem Tierquälerei-Skandal 2020 stillgelegt wurde. In einer Volksabstimmung am vergangenen Sonntag votierte allerdings eine klare Mehrheit von 80,9 Prozent für den Erhalt der Rottenburger Einrichtung.
Das bezeichnete Landrat Roland Bernhard als „schwarzen Tag für das Tierwohl“. Die Antwort aus Rottenburg ließ nicht lange auf sich warten: „Das fast schon zu oft erwähnte Schlechtreden unseres Schlachthofs bereitet emotional und politisch darauf vor, unserer Initiative den Schwarzen Peter zuzuschieben, falls der Schlachthof Gärtringen nicht wieder in Betrieb geht“, sagen die Rottenburger Franziska Rauser, Gregor Schmid und Wolfgang Narr stellvertretend.
Nur ein Bruchteil der Schlachttiere käme aus Rottenburg
In Rottenburg würden derzeit pro Woche 120 bis 150 Schweine geschlachtet. „Wenn an diesen Tieren, die keineswegs alle automatisch Gärtringen zufallen, die Wirtschaftlichkeit des dortigen Standorts hängt, riskieren wir wirklich, bald gar keinen Schlachthof in der Region mehr zu haben“, heißt es weiter. Im neuen Konzept kalkuliere man in Gärtringen mit 1500 bis 2000, sagen die drei Vertreter. Mastbetriebe in der Region seien außerdem rückläufig. Sie plädieren für eine Koexistenz beider Schlachtstätten, die ein unterschiedliches Profil hätten. Landrat Bernhard will an dem Konzept zur Wiedereröffnung in Gärtringen festhalten. Ohne die Tübinger Beteiligung stellt sich allerdings die Frage nach der Finanzierung neu.