Schlafen im gleichen Bett „Für Frauen ist es manchmal gesünder, allein zu schlafen“

Ein getrenntes Bett kann in einer Beziehung auch von Vorteil sein. Foto: KI/Midjourney/Montage: Sebastian Ruckaberle

Der Partner oder die Partnerin schnarcht oder steht dauernd auf? Eine Schlafforscherin erklärt, warum für manche Paare getrennte Betten nicht das Ende der Beziehung sein müssen.

Familie, Zusammenleben und Bildung: Eva-Maria Manz (ema)

Nächte könnten so schön sein – wenn nur der Partner oder die Partnerin nicht wäre? Er oder sie schnarcht oder wälzt sich hin und her. Wie soll man Ruhe finden? Die Schlafforscherin und Psychologin Christine Blume erklärt, was Paare tun können.

 

Warum wachen manche beim kleinsten Geräusch auf und andere nie?

Jeder ist im Schlaf unterschiedlich empfindlich. Und das verändert sich auch im Lauf des Lebens. Je älter wir werden, desto weniger Zeit verbringen wir im Tiefschlaf, dafür immer mehr Zeit im Leichtschlaf. Daraus sind wir eher erweckbar.

Schlafen Frauen schlechter als Männer?

Ja, Frauen schlafen tendenziell schlechter. Wenn man sich die Insomnie, also Probleme beim Ein- und Durchschlafen anschaut, sind die Zahlen bei Frauen in allen Altersgruppen höher als bei Männern. Dabei spielen Gedanken eine große Rolle. Schlaf findet zum großen Teil im Kopf statt. Wer nicht einschlafen kann, erlebt ein Gedankenkarussell, kommt vom Hundertsten ins Tausendste. Aus Studien wissen wir, dass Frauen eine erhöhte Tendenz zum Grübeln haben.

Schlafen Frauen besser allein?

Man kann sagen, für Frauen kann es gesünder sein, allein zu schlafen. Ein Grund: Der größte Risikofaktor für Schnarchen ist das männliche Geschlecht. Schnarchen stört oft massiv den Schlaf des Partners, also meist der Frau. Doch es gibt erstaunlich wenige wissenschaftliche Untersuchungen zum Schlafen im gleichen Bett. Eine Studie aus Wien, allerdings mit nur zehn heterosexuellen Paaren, kam 2016 zu dem Schluss, dass Frauen schlechter schlafen, wenn sie das Bett mit dem Partner teilen. Männer schlafen besser, wenn die Partnerin neben ihnen liegt. Das könnte mit dem Fürsorgeverhalten, das Frauen oft zugeschrieben wird, assoziiert sein. Auf einer Konferenz im Jahr 2022 wurde noch eine andere Studie vorgestellt.

Die zu anderen Ergebnissen kommen?

So klar lässt sich das nicht sagen. Eine Umfrage aus den USA mit 1000 Teilnehmern hat ergeben, dass das Teilen des Betts mit einem Partner oder einer Partnerin zwar positiv mit der Schlafqualität und der mentalen Gesundheit zusammenhängt. Kausale Rückschlüsse sind aber nicht möglich. Es kann auch sein, dass man zu diesem Ergebnis kommt, weil das Leben in einer Partnerschaft sich generell positiv auf die mentale Gesundheit auswirkt. Und es könnte sein, dass wenn man das Bett mit einem Partner oder einer Partnerin teilt, so etwas wie eine Schlafapnoe eher entdeckt wird.

Christine Blume Foto: christine-blume.com

Kann man sich ans Schnarchen des anderen nicht gewöhnen und das ausblenden?

Nur bedingt. Unser Gehirn sortiert zwar nach Relevanz. Man wacht schneller auf, wenn das Baby wach wird, als wenn die Kirchturmuhr schlägt. Aber das hängt natürlich auch von der Lautstärke ab.

Was also, wenn der Partner einfach zu laut ist?

Aus psychologischer Sicht ist es schon mal hilfreich, wenn ich ihm positiv gegenüber stehe. Der Partner ist mir ja wichtig. Da finde ich das nicht so schlimm, wie wenn ich im Hostelzimmer durch schnarchende Fremde geweckt werde. Trotzdem bleibt der Gewöhnungseffekt oft aus. Viele sagen: Ich kann mich da einfach nicht dran gewöhnen, ich schlafe schlechter, weil der so schnarcht.

Mancher schnarcht ja gar nicht, sondern wälzt sich dauernd rum. Was tun?

Das ist auch schwierig. Wenn jemand sich viel bewegt, schläft der andere vielleicht auch unruhiger. Da hilft es schon, wenn man getrennte Matratzen und Decken hat.

Ist es schlimm, wenn man mit manchen Leuten – blöderweise vielleicht dem eigenen Mann – nicht gut schläft?

Es ist verständlich, dass man das Bett teilen will, aber als Psychologin muss ich sagen, dass es auch etwas mit der Beziehung macht, wenn jemand mich konstant um meinen Nachtschlaf bringt. Das kann negative Auswirkungen haben, und dieses Problem sollte man lösen.

Wie können Paare also vorgehen?

Wenn beide sagen, mir ist das wichtigste, mit dir in einem Bett zu schlafen, muss man schauen, ob man die Störfaktoren ausräumen kann. Derjenige, der den anderen weckt, kann seine Insomnie oder etwa eine Schlafapnoe ärztlich behandeln lassen. Wenn es für beide okay ist, sind auch getrennte Schlafzimmer ein guter Weg. Das muss ja nicht für jede Nacht oder für immer sein.

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