Schlafprobleme Grübeln ist Gift für die Nachtruhe

Von  

Wer auch am Wochenende nicht von der Arbeit abschalten kann, schläft schlechter, fühlt sich wie gerädert und muss sich ernsthaft um seine Gesundheit sorgen.

Wer über längere Zeit nicht richtig oder gar nicht geschlafen hat, weiß wie quälend und gesundheitsgefährdend Schlafprobleme sind. Foto: dpa
Wer über längere Zeit nicht richtig oder gar nicht geschlafen hat, weiß wie quälend und gesundheitsgefährdend Schlafprobleme sind. Foto: dpa

Stuttgart - Endlich Wochenende. Ausruhen, Beine hoch legen, entspannen. Vor allem schlafen. Ausgerechnet das, was man jetzt am meisten benötigt, tief und fest durchschlafen, funktioniert nicht. Man liegt wach und ist auch am Sonntagmorgen gerädert wie unter der Woche. Wie soll man da erholt und mit neuem Schaffensdrang in die neue Arbeitswoche gehen?

Online-Tagebuch über Stress und Schlafverhalten

Psychologen der Universität Trier und der Fernuniversität Hagen wollten wissen, warum viele Menschen sich sogar an den freien Tagen von der Arbeit gestresst fühlen und dadurch schlechter schlafen. Dazu befragten sie 59 Beschäftigte (davon 76 Prozent Frauen) aus diversen Branchen über einen Zeitraum von zwölf Wochen. In einem Online-Fragebogen sollten sie wie in einem Tagebuch Angaben zu ihrem Arbeitsstress und zu ihrem Wochenendplanungen machen. Die Studie ist jetzt im „Journal of Occupational Health Psychology“ veröffentlicht worden.

„Uns hat interessiert, ob das Grübeln über unerledigte Aufgaben ein Bindeglied zwischen Arbeitsstress und Schlafproblemen sein könnte“, sagt Conny Antoni, Professor für Arbeits- und Organisationspsychologie an der Universität Trier. Am Freitagnachmittag machten die Probanden Angaben zum erlebten Zeitdruck, zu aufgeschobenen Aufgaben und Plänen für die kommende Woche. Montags vor Arbeitsbeginn gaben sie Infos zu ihrer Schlafqualität und die Art ihrer arbeitsbezogenen Gedanken.

Grübeln ist nicht gleich Grübeln

Die Wissenschaftler stellten fest, dass Grübeln nicht gleich Grübeln ist. Grundsätzlich gibt es demnach zwei Arten sich das Hirn zu zermartern: Da ist zum einen das sorgenvolle Grübeln. Ein Zustand innerer Unruhe, in dem negative Gedanken über die Arbeit immer wiederkehren, ohne dass sich Lösungen abzeichnen. Wie ein Kaugummi unter Schuhen kleben sie im Bewusstsein und Unterbewusstsein. Wer über einen längeren Zeitraum schlecht oder gar nicht schläft, dessen Hirn steht unter Dauerstress. Im Extremfall kann es zu schweren Störungen mit zeitweiligem Verlust des Bezugs zur Wirklichkeit (Psychose) führen.

Info: Was ist Schlaf?

Der Mensch verschläft ein Drittel seines Lebens. Was Workaholics als pure Zeitverschwendung sehen, ist im wahrsten Sinn des Wortes überlebenswichtig. Schlafen hält das Denken und Gedächtnis fit, regeneriert jede Körperzelle und erhält Konzentrations- und Potenzfähigkeit. Wer einmal längere Zeit nicht ruhig schlafen konnte, hat nur noch einen einzigen Wunsch: schlafen, schlafen, schlafen.

Schlaf ist ein Zustand äußerer Ruhe. Die Lebenszeichen unterscheiden sich von denen des Wachzustands. Puls, Atmung und Blutdruck sinken im Non-REM-Schlaf ab, die Gehirnaktivität verändert sich, die Augen sind geschlossen. Im REM-Schlaf, der zweiten Form des Schlafens, treten Zustände auf, die denen des Wach-Seins ähneln (etwa erhöhte Gehirnaktivität mit Träumen), Blutdruck, Herz- und Atemfrequenz steigen an.

„Unerledigtes führt so zu schlaflosen Nächten“

Im problemlösenden Grübeln dagegen sehen die Experten ein kreatives, von der Arbeit losgelöstes Nachdenken über Probleme. Antoni: „Mit unserer Studie zeigen wir, dass beide Arten die Beziehung zwischen Arbeitsstress und Schlafproblemen unterschiedlich beeinflussen.“ Wer Formulierungen im Fragebogen wie „An diesem Wochenende habe ich in meiner Freizeit Lösungen für arbeitsbezogene Probleme gefunden“ zustimmen konnte, lag im grünen Bereich.

Fazit: Mit dem Berg unerledigter Aufgaben wachsen auch die Schlafstörungen. Arbeitnehmer, die vom Naturell eher sorgenvoll gestimmt sind, leiden stärker unter Schlafproblemen als seelisch stabilere Typen. „Unerledigtes führt so zu schlaflosen Nächten – denn gedanklich lässt es uns auch in der Freizeit nicht los“, lautet das Resümee der Trierer Psychologin Christine Syrek.

Unsere Empfehlung für Sie