Mit einer blutigen Botschaft wendet sich Sängerin Vanessa Mai gegen Tierversuche an Universitäten. Wir haben uns an der Uni Hohenheim erkundigt, wie man dort zu der Aktion steht.

Rems-Murr: Phillip Weingand (wei)

Backnang - Einer ihrer größten Hits heißt „Ich sterb’ für dich“. Nun ist ein drastisches Foto mit diesem Motto aufgetaucht, das die Schlagersängerin Vanessa Mai zeigt – mit einem Skalpell, das ihre (kunst-)blutüberströmte Brust scheinbar aufschlitzt.

Das Foto ist Teil einer Kampagne der Tierrechtsorganisation Peta. Diese ist bekannt für ihre spektakulären – und teilweise umstrittenen – PR-Aktionen, für die sie immer wieder Prominente gewinnt. Und nun eben auch Vanessa Mai, erfolgreiche Schlagersängerin, Schwiegertochter von Andrea Berg, Ex-Deutschland-sucht-den-Superstar-Jurymitglied, Let’s Dance-Zweitplatzierte – und Tierfreundin.

Vanessa Mais blutiges Plakat richtet sich gegen Sezierkurse an Universitäten

Mit dem blutigen Fotomotiv will Vanessa Mai auf die – so Peta in einer Mitteilung – „mehr als 55 000 Tiere aufmerksam machen, die jährlich an deutschen Universitäten für Sezierkurse getötet werden“. Unter den im Namen der Forschung leidenden Tieren seien Kaninchen, Hühner, Katzen und Ziegen, aber auch Stabheuschrecken, Frösche, Rinder, Schweine und Pferde.

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„Moderne Forschungs- und Lehrmethoden vermitteln Wissen, ohne dass dafür Tiere missbraucht werden“, so Peta. Die Organisation zitiert auch den Schlagerstar: „Es ist veraltet und tierquälerisch, dass noch immer Tiere in der Lehre wie Objekte behandelt werden. Es sind Lebewesen, die fühlen und leiden wie wir. Es ist an der Zeit, das zu beenden“, so Vanessa Mai laut Peta.

In einem Video spricht Vanessa Mai über die Kooperation mit Peta:

Die Organisation kritisiert, Studenten der Biologie, Human- und Tiermedizin, aber auch der Landschaftsökologie, Biochemie oder Ernährungswissenschaften lernten in Sezierkursen, „Tiere als Verbrauchsmaterial zu betrachten, ihre Schmerzen und ihren Tod als unvermeidbar hinzunehmen und das eigene schlechte Gewissen oder wissenschaftliche Zweifel auszublenden“. Dabei gebe es Alternativen wie den „TraumaMan“, einen Operations-Simulator.

An der Uni Hohenheim gibt es Tierversuche

Auch an der Universität Hohenheim werden für die Lehre Tiere verwendet: Agrar- und Biologie-Studenten präparieren in einem Pflichtkurs Schaben aus dem Futtermittelbedarf, Regenbogenforellen von einem Fischhändler oder männliche Küken aus einer Legehennenzucht, außerdem Frösche und Mäuse aus der Laborzucht der Universität. „Bei den letzteren beiden werden alte und kranke Tiere ausgewählt“, betont ein Sprecher.

Ganz verzichten will die Universität Hohenheim auf die von Peta kritisierten Kurse aber nicht: „Ein universitäres Studium qualifiziert für viele Berufsfelder, die später einmal mit Tieren zu tun haben, zum Beispiel Forschung, Tierhaltung, Lebensmittelproduktion oder Gesundheitswesen. Viele dieser Arbeitsfelder haben dabei explizit das Wohl von Tieren oder Menschen zum Ziel“, so der Sprecher.

Studenten bewerten die Sezierkurse unterschiedlich

Auch unter den Studenten gibt es jedoch geteilte Meinungen zu den Sezierkursen. Auf einer Webseite der Uni beschreiben Teilnehmer eines Sezierkurses ihre Erlebnisse: „Die Schaben wurden vor dem Töten extra noch gefüttert, damit man alle Organe gut erkennen kann. Irgendwie klang das für mich echt makaber“, schreibt eine Biologiestudentin aus dem ersten Fachsemester. „Meiner Meinung nach hätte man sich diese Sauerei sparen können und lieber ein Modell benutzt.“

Ein anderer Erstsemesterstudent hat nach der Sektion eines Krallenfrosches eine andere Meinung: „Keines der Tiere, bei denen man mindestens zu zweit sezieren konnte, wurde ,nur’ für unsere Sektion getötet oder war eine bedrohte Spezies. Demnach sehe ich in dem Wissen, das uns durch die Sektion ermöglicht wird – in Zusammenspiel der verhältnismäßig guten Bezugsquellen der Tiere – keine großen Bedenken.“

Laut ihrem Sprecher hat die Uni Hohenheim die Zahl von Tierversuchen und den Tierverbrauch im Studium bereits „auf das Unvermeidliche beschränkt“. Geholfen hätten dabei zum Beispiel Computersimulationen oder die Verwendung von abgelaufen Blutkonserven aus Blutdatenbanken. Künftig werde man diese Zahl noch weiter reduzieren – „sofern adäquate Alternativen zur Verfügung stehen“.