Schlagerstars in Stuttgart geehrt Peter Kraus erklärt das Ende seiner Bühnenkarriere

Von Uwe Bogen 

In Stuttgart hat der 80-jährige Peter Kraus bei einer Ehrung in der Spardawelt das Ende seiner Bühnenkarriere erklärt. Seiner Frau habe er versprochen, dass seine fünfte Abschiedstournee wirklich die letzte sei, sagte er. Es gab Standing Ovations.

Peter Kraus (rechts) ist in der Stuttgarter Spardawelt mit Giovanne Zarrella und Maite Kelly von SWR 4 geehrt worden. Foto: SWR/Markus Palmer.
Peter Kraus (rechts) ist in der Stuttgarter Spardawelt mit Giovanne Zarrella und Maite Kelly von SWR 4 geehrt worden. Foto: SWR/Markus Palmer.

Stuttgart - Wie kann man mit 80 Jahren so verdammt gut aussehen und immer noch die Figur eines jungen Kerls haben? Das, was viele denken, weist Peter Kraus weit von sich. „Bei mir ist alles noch Natur“, hat er in einem Interview vor seiner fünften, angeblich allerletzten Abschiedstour versichert. Eine Schönheitsoperation komme für ihn nicht in Frage – schon allein, weil er beim Gesang auf seine Mimik und Körpersprache angewiesen sei. Bei einer Größe von 183 Zentimetern wiegt der Hüftschwung-Veteran 77 Kilo. Bei drei Kilos mehr, sagte er, werde er nervös. Als er vor einiger Zeit mal eine Jeans aus seiner Jugendzeit trug, war sie zu groß.

Seine Abschiedstour führt ihn am 28. Oktober in die Liederhalle

In der Spardawelt ist Kraus jetzt bei einer Feier des Senders SWR 4 zu Beginn des Schlagerfestivals in Stuttgart mit der „Gläsernen Vier“ für sein Lebenswerk geehrt worden. Der in München als Peter Siegfried Krausnecker geborene Sänger sagte bei der Preisverleihung: „Ich habe in diesem Jahr drei Jubiläen. Im März bin ich 80 Jahre alt geworden, im Oktober habe ich Goldene Hochzeit gefeiert und die Tournee, die Ende Oktober beginnt, ist meine fünfte Abschiedstour. Doch dann ist Schluss. Das habe ich meiner Frau versprochen“. Wird er’s durchhalten? Kann er wirklich auf das Glücksgefühl verzichten, auf der Bühne zu stehen und sein Publikum glücklich zu machen?

Doch auch die, die in den 1950ern zu seinen Songs getanzt haben, sind mit ihm alt geworden. Sind genügend jüngere Rock’n’Roller nachgewachsen, die mit einem 80-jährigen ausflippen wollen? Lässt sich die Zeit etwa an die Kette legen?

Respekt ist ihm sicher. Wer eine so lange Wegstrecke mit „Sugar Sugar Baby“ und „So wie ein Tiger“ zurückgelegt hat, wer hüftschwingend so viel Stimmung gemacht und gute Laune verbreitet hat, der hat eine tiefe Verbeugung verdient. Das Publikum der Spardawelt dankte der Legende des deutschen Rock’n’Roll mit Standing Ovations.

Seine Abschiedstour führt Peter Kraus am 28. Oktober in die Liederhalle. Sie trägt den verheißungsvollen Titel: „Das Beste kommt zum Schluss“. Das Beispiel des 80-Jährigen zeigt: Wer sich dem Altwerden nicht widerstandslos hingibt, wer singt, tanzt, hüpft und Lebenslust bewahrt, wer das Glück hat, dass die Gesundheit mitspielt, der kann an das Beste zum Schluss glauben.

Auch Matie Kelly und Giovanni Zarrella geehrt

In der Sparda-Welt erhielten mit Peter Kraus seine jüngeren Kollegen Maite Kelly und Giovanni Zarrella die „Gläserne Vier“. Der Spross der Kelly-Familie sang bei der Veranstaltung vor 200 geladenen Gästen nur mit Klavierbegleitung. „Das ist der Kern meiner Lieder, den ich heute mit euch teile“, sagte die 39-Jährige und rief dem begeisterten Publikum zu: „Danke an euch – ihr seid meine Mutmacher.“

Giovanni Zarrella, der italienische Schmusesänger, ist in dieser Nacht als „Newcomer des Jahres“ geehrt worden. „Es ist unglaublich, was hier passiert“, jubelte er, „ich möchte mich von Herzen bedanken.“ Für ihn sei dies „wie ein Neuanfang“. Auf dem Weg zurück nach oben ließ er sich in Stuttgart feiern, in jener Stadt, in der er in den vergangenen Wochen gleich dreimal mit deutschen Schlagerhits aufgetreten ist, die er auf italienisch singt. Das legendäre „Hölle, Hölle, Hölle“ von Wolfgang Petry heißt bei ihm „Bella, bella, bella“. Vielleicht kommt auch bei Petrys Song mit so viel Bella das Beste zum Schluss.

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