Schlagfertigkeit im Job Wie Sie Nörgler und übergriffige Kollegen in die Schranken weisen
Blöde Sprüche, fiese Vorwürfe – wer kennt das nicht im Job? Da sollte man sich zu wehren wissen. Und schließlich lässt sich Schlagfertigkeit auch erlernen.
Blöde Sprüche, fiese Vorwürfe – wer kennt das nicht im Job? Da sollte man sich zu wehren wissen. Und schließlich lässt sich Schlagfertigkeit auch erlernen.
Es ist fast immer das Gleiche: Da macht ein Kollege eine dumme Bemerkung, doch die schlagfertige Antwort dazu fällt einem erst eine halbe Stunde später ein. Dazu bleibt das Gefühl, vorgeführt worden zu sein. Schlagfertigkeit ist das, was man gerne gesagt hätte, sagen Spötter.
Doch Sprüche wie diese lassen sich lernen und schlagfertige Konter auch, es müssen ja nicht immer Knaller sein. „Geschliffene Sätze sind unrealistisch. Wenn man das von sich erwartet, hat man schon verloren“, sagt Matthias Nöllke, der schon mehrere Bücher über Schlagfertigkeit veröffentlicht hat. „Es geht nicht darum, besonders witzig zu sein. „Es geht darum, schnell zu reagieren und souverän zu bleiben.“
Nöllke bietet auch Schlagfertigkeits-Workshops in Unternehmen an. Die Situationen, in denen die Beschäftigten sich mehr Schlagfertigkeit gewünscht hätten, ähneln sich. Etwa Kommentare zum Aussehen und Kleidung, oft bei Frauen, manchmal als Kompliment verpackt. Hier könne man als Konter ein Gegenkompliment machen oder sagen: „Sie meinen es wahrscheinlich nett. Ich finde es hier ziemlich unpassend“, schlägt Nöllke vor. Auch „Ich glaube, Sie würden es auch nicht schätzen, wenn jeder als erstes Ihr Aussehen kommentiert“ oder „Haben Sie auch etwas zu unserem Thema zu sagen?“ zählten zu schlagkräftigen Gegen-Sätzen.
Ein Klassiker sei auch die ungerechtfertigte Kritik, sagt Nöllke – gerne vor versammelter Mannschaft formuliert: „Das ist ja immer das Gleiche.“ Oder: „Das sind alte Zahlen.“ Nöllke rät hier zur „Gegendarstellung“, etwa zu sagen: „Die Zahlen sind keineswegs veraltet, es sind die aktuellsten, die wir haben.“
Für die eigene Karriere könnten das entscheidende Sekunden sein, eine Antwort parat zu haben – gehe es doch darum, sich wehren zu können und dabei souverän zu bleiben, betont Nöllke. „Da können sich wahre Duelle entwickeln. Manchmal geht es auch um schiere Dominanz.“
Das bestätigt auch Jana Winterling, die seit 16 Jahren als selbstständige Trainerin arbeitet und auch Schlagfertigkeitsseminare anbietet. „Schlagfertigkeit hat viel mit Selbstsicherheit, innerer Ruhe und Durchsetzungsvermögen zu tun, dass man souverän auf alle Situationen reagieren kann.“ Bei Beratern spiele häufig der problematische Umgang mit Kunden eine Rolle, wenn diese etwa nach den Vorgesetzten fragten oder die mangelnde Erfahrung junger Berater kritisierten.
Winterling rät, Gleiches nicht mit Gleichem zu vergelten, und „eine neutralisierende Technik“ anzuwenden. Dabei reagiere man meistens mit einer Gegenfrage, um Zeit zu gewinnen: „Was wollen Sie mir damit genau sagen?“ „Warum sagen Sie das?“ „Welche Antwort wollen Sie von mir hören?“
„Auf diese Weise spürt mein Gegenüber auch eine Grenze. Damit können Sie auf fast alle Angriffe und Beleidigungen reagieren“, sagt Winterling. In den seltensten Fällen folge auf Fragen wie diese eine sinnvolle Antwort, wenn überhaupt eine komme. „Und dann können Sie abermals nachfragen“, rät sie. „Die wichtigste Regel ist es, sich nicht zu rechtfertigen.“
Ebenso wichtig sei, auf den Angriff oder die Beleidigung zu reagieren. Falls man den Angriff ignorieren wolle, müsse man es bewusst tun, etwa den Blickkontakt halten und dabei die Augenbrauen hochziehen, betont die Coachin. Gegebenenfalls könne man im Anschluss die Aussprache suchen.
Was aber, wenn beim überraschenden Anwurf Hierarchien eine Rolle spielen, wenn ein unberechtigter wie emotionaler Vorwurf etwa vom Vorgesetzten kommt? Winterling rät hier, die „Versachlichungstechnik“ anzuwenden. Hier könne man zum Beispiel antworten: „Ich möchte bitten, dass wir das ganz ruhig besprechen. Ich finde das nicht sachlich.“
Ähnlich solle man auf Respektlosigkeiten reagieren, empfiehlt Buchautor und Coach Nöllke– etwa wenn der Praktikant zum Chef jovial sage: „Das haben Sie gut gemacht.“ Hier sollte man eher nicht humorvoll antworten, sondern die Tonart wechseln. Man macht deutlich, dass sich der andere im Ton vergriffen hat und entgegnet etwa: „So reden Sie als Praktikant nicht mit Ihrem Vorgesetzten.“ Aber man solle auch selbst bei den Antworten darauf achten, dass Sie respektvoll blieben, betont Nöllke. „Es gibt Grenzen, die sollte man nicht überschreiten.“
„Man sollte niemals beleidigend oder von oben herab antworten und auch nicht persönlich werden“, ergänzt Winterling. Anstatt sich mit einer schlagfertigen, aber unangemessenen Antwort zu verheben, sei eine weniger kreative, konventionelle Variante besser.
Auch deshalb fange sie in ihren Kursen klein an: Als erste Übung könne man einzelne Wörter wie „Ernsthaft?“ oder ein ironisches „Danke für den Hinweis“ einwerfen. Als nächstes könne man lernen, gezielt nachzufragen. Eine weitere Übung sei, einem persönlichen Angriff mit einem überraschenden „Selbstverständlich“ oder „Daran dürfen Sie sich gewöhnen“ zuzustimmen, wenn es etwa um den Vorwurf gehe, dass man „ein Korinthenkacker“ sei. Auch müssten die Antworten nicht immer Sinn ergeben, betont Winterling. Man dürfe auch durchaus etwas Verwirrung stiften, etwa durch Filmzitate oder erfundene Sprichwörter wie etwa: „Wer kein Messer hat, kann auch kein Brot schneiden.“
Am Ende gilt, was hilft und dem eigenen Typ entspricht. „Es gibt nicht die eine Technik, die auf jede Situation passt. Es ist sinnvoll, verschiedene parat zu haben“, sagt Nöllke. Am meisten helfe aber, sich auf mögliche Vor- und Anwürfe vorzubereiten. „Wenn ich sicher bin und mich sicher fühle, dann fällt mir in einer Situation auch mehr ein.“ Damit wäre Schlagfertigkeit keine Sache von Spontanität oder Geschwindigkeit, sondern der gewissenhaften Vorbereitung.