Schlangen als Haustiere Sie fressen aufgetaute Mäuse
Der Biologe Axel Kwet redet im Interview über Schlangen als Mitbewohner. Worauf sollten Halter achten und vor was dürfen sie sich keinesfalls ekeln?
Der Biologe Axel Kwet redet im Interview über Schlangen als Mitbewohner. Worauf sollten Halter achten und vor was dürfen sie sich keinesfalls ekeln?
Stuttgart - Hund, Katze, Meerschweinchen als Haustiere sind der Klassiker – aber Schlangen? Der Biologe Axel Kwet findet das gar keine schlechte Idee. Er sieht vor allem Vorteile darin – für Mensch und Tier. „Es ist sehr einfach, die Lebensqualität für so ein Tier in menschlicher Obhut hoch zu gestalten“, sagt Kwet. Allerdings muss man dafür auch bereit sein, tiefgefrorene Mäuse zu verfüttern.
Herr Kwet, Schlangen sind böse, glitschig und giftig. Wie begegnen Sie solchen Vorurteilen?
Wenn ich jemandem zum ersten Mal meine Kornnatter in die Hand drücke oder ihn einen Teil der Haut berühren lasse, ist der erstaunt, wie kühl und angenehm sich eine Schlange anfühlt, und eben nicht schleimig und glitschig. Manche finden, die Haut fühlt sich wie Marmor oder ein glatter Stein an. Ich habe so schon einigen Phobikern die Angst etwas nehmen können.
Für wen kommen Schlangen und Reptilien als Haustier infrage?
Es ist ein Hobby für jeden, der Interesse an Natur und Tieren hat, aber als Heimtier zu Hause kein Kuscheltier will und nicht so viel Zeit hat, sich mit einem Säugetier zu befassen. Jedes Kaninchen oder ein Hamster sind deutlich aufwendiger in der Pflege. Ich war drei Wochen im Urlaub, da hat nur eine Bekannte mal das Wasser gewechselt. Das hält eine Schlange gut aus. Kinder werden mit einem solchen Tier für den Artenschutz sensibilisiert. Das alte Sprichwort „Nur was man kennt, schützt man auch“ stimmt.
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Was müssen Interessierte bei der Anschaffung beachten?
Es gibt Haltungsrichtlinien. Die Größe des Terrariums richtet sich nach der Länge der Schlange, zudem gibt es die Faktoren Temperatur und Luftfeuchtigkeit. Versteckplätze, ein Wasserbecken und ein Wärmestrahler gehören dazu. Schlangen sind extrem genügsam. In der Natur unternehmen die Tiere je nach Art oft nur sehr kleine Streifzüge in ihrem Lebensraum. Bis zu zehn Monate sitzen Königspythons in ihrem Erdloch, kommen dann nur nachts einmal heraus und gehen auf die Jagd. Schlangen brauchen keinen Auslauf wie eine Katze oder ein Hund, brauchen keine Streicheleinheiten. Ich füttere alle zwei Wochen eine aufgetaute Maus, reinige das Wassergefäß, nehme den Kot heraus. Es ist also sehr einfach, die Lebensqualität für so ein Tier in menschlicher Obhut gut zu gestalten. Wenn man sich ein Reptil anschafft, muss man aber wissen: Es wird alt. Meine Kornnatter lebt schon 20 Jahre, Schildkröten werden 70 bis 80 Jahre alt.
Welche Schlangen eignen sich für „Anfänger“?
Kornnattern haben sich bewährt, genauso auch Königsnattern .
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Und das Futter?
Ich kaufe tiefgefrorene Mäuse im Zehnerpack. Diese taue ich dann nach Bedarf auf. Deshalb halte ich auch eine Kornnatter für die ideale Anfängerschlange. Sie ist kein Wildfang, frisst Frostfutter problemlos. Eine lebende Maus zu verfüttern ist für manche Halter schwierig – auch wenn es die Natur darstellt. Selbst mir als Biologe tut so eine Maus leid. Für die Schlange ist es ganz klar natürlicher, wenn das Futtertier noch lebt. Bei einigen Arten geht es auch nicht anders, sie fressen nur Lebendfutter und erkennen die Beute sonst nicht.
Wie gelange ich an eine Schlange?
Am besten kauft man ein Tier bei einem seriösen Züchter. Auf keinen Fall würde ich mir ein Tier aus dem Internet holen. Manche Händler aus Osteuropa behaupten bei seltenen Arten, es wären Nachzuchttiere, aber es sind tatsächlich Wildfänge. Der Handel wird aber mittlerweile stark kontrolliert, im Gegensatz zur Boomzeit der Terraristik vor 20 Jahren. Die Importzahlen von Wildtieren sind bei den Reptilien um mindestens 90 Prozent zurückgegangen. Die echten Bedrohungen sind die Habitatzerstörungen und bei Riesenschlangen die Lederindustrie. Das betrifft vor allem Pythons. Es werden jährlich Millionen dieser Tiere in Form von Häuten in die EU importiert, dagegen kaum Tiere lebend. Um die meisten Arten zu halten, sind Wildfänge nicht nötig. Man kann sie gut züchten.
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Stichwort Wildfänge und Artenschutz. Welche Arten sind denn überhaupt erlaubt zu halten?
Die man anmelden muss, sind alle durch das Washingtoner Artenschutzabkommen Cites geschützten Arten des Anhangs I und II. Die allermeisten Schlangenarten sind dort aber nicht gelistet und daher legal zu halten und zu handeln. In rund der Hälfte der Bundesländer gibt es zudem noch eine Gefahrtierverordnung für Giftschlangen. In Baden-Württemberg gibt es diese aber – noch – nicht. Wer in Baden-Württemberg eine Giftschlange halten möchte, muss also nichts anmelden und wird nicht kontrolliert. Eine Genehmigung mit Sachkundenachweise für die Haltung giftiger Arten macht in meinen Augen Sinn. Die Haltung dieser Tiere ist nur etwas für Profis.
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Was sind die größten Fehler bei der Haltung von Schlangen?
Wird es zu nass und zu kalt im Terrarium, dann kann es zu Verpilzungen kommen. Oder ungeschützte Wärmestrahler, um die sich die Schlangen wickeln und sich daran verbrennen. Und: Ausbrechen sollte man vermeiden, sonst landet die Schlange als Meldung in der Zeitung.