Schlanke Technik für die Raumfahrt Der Spatz soll für Israel auf dem Mond landen

Von Jan Berndorff 

Die israelische Raumfahrtagentur hat nur ein kleines Budget, ist aber mit effizienter Technik erfolgreich. Jetzt will sie als vierte Nation auf dem Mond landen.

In der Nasa-Sonde „Rover Curiosity“, die auf dem Mars unterwegs ist, steckt auch Technik aus Israel. Foto: AFP
In der Nasa-Sonde „Rover Curiosity“, die auf dem Mars unterwegs ist, steckt auch Technik aus Israel. Foto: AFP

Stuttgart - Wer wird nach den USA, Russland und China die vierte Nation sein, die auf dem Mond landet? Das Rennen entscheidet sich wohl zwischen Indien und Israel. Beide wollen demnächst eine Sonde starten. Einiges spricht dafür, dass Israel das Rennen macht.

Der neue Beauftragte der US-Raumfahrtagentur Nasa, Jim Bridenstine, war bereits in Israel. Das war kein Zufall – nicht nur weil das Land im Nahen Osten ein wichtiger politischer Verbündeter der USA ist: „Obwohl Israel so klein ist, kann es als eines von wenigen Ländern der Welt Satelliten bauen, starten und betreiben“, sagt Asaf Agmon, Leiter des Fisher Brothers Institute for Air and Space Strategic Studies, einer israelischen Organisation für Raumfahrtstudien. „Und bis 2020“, so ergänzt Sebastian Kleim vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), „will Israel im Kreis der weltweit führenden Raumfahrtnationen etabliert sein.“

Die Sonde aus Israel wird klein und leicht sein

Wenn alles glatt geht, startet die israelische Raumsonde Sparrow („Spatz“) schon im Dezember mit einer SpaceX-Falcon-9-Rakete vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral in Florida, dreht ein paar Runden um die Erde und landet am 13. Februar auf dem Mond. Entwickelt wurde sie von „SpaceIL“, einer Gruppe israelischer Raumfahrtenthusiasten um den Software-Unternehmer und Milliardär Morris Kahn – ursprünglich, um damit am Google-Lunar-X-Prize-Wettbewerb teilzunehmen. Dessen millionenschweres Preisgeld sollte an jenes Team gehen, das als erstes eine aus privaten Mitteln finanzierte Raumsonde auf dem Mond landet, eine gewisse Strecke über die Oberfläche fährt und Bilder von ihr zur Erde sendet. Doch die mehrfach verlängerte Frist lief im März dieses Jahres ab, ohne dass ein Team erfolgreich war.

Die Israelis machten trotzdem weiter. Mit der staatlichen Raumfahrtagentur ISA und dem staatlichen Raumfahrtkonzern IAI als Partner und nach Investitionen von insgesamt rund 95 Millionen US-Dollar sind sie inzwischen weitgehend startklar. Mit nur eineinhalb Meter Höhe und knapp 600 Kilogramm Gewicht – zwei Drittel davon ist Treibstoff –, wird der Spatz die kleinste Sonde sein, die je auf dem Mond landete.

Auch bei sonstigen Raumfahrtprogrammen ist Israel auf kleine, effiziente Technik spezialisiert. Das ist besonders zukunftsträchtig, weil man im All immer möglichst leicht unterwegs sein will, um Treibstoff und damit viel Geld zu sparen. Aktuell arbeiten die Israelis an sogenannten Nanosatelliten, die maximal zehn Kilogramm wiegen, dank miniaturisierter Sensor- und Funktechnik aber dennoch jede Menge Daten liefern.

Das Geld wird effizient eingesetzt

Das Budget der israelischen Raumfahrtagentur beträgt bescheidene 48 Millionen US-Dollar im Jahr, das der Nasa liegt bei 19 Milliarden. Dennoch spielt Israel auch bei der ersten bemannten Reise zum Mars mit, die federführend die Nasa vorbereiten wird. Die Israelis haben nicht nur das Kühlsystem gebaut, mit dem der Rover Curiosity seit sechs Jahren auf dem Mars unterwegs ist. Anfang dieses Jahres simulierten sie im Ramon-Krater der Wüste Negev auch das Leben in einer Raumstation auf dem Mars: Sechs Wissenschaftler verbrachten vier Tage dort und verließen die Station nur in Raumanzügen, um Sand- und Gesteinsproben zu nehmen.

Natürlich würden die Israelis gern einen Astronauten mit zum Mond oder zum Mars schicken. Das wäre dann immerhin der zweite Israeli im All. 2003 war der Kampfjetpilot Ilan Ramon mit sechs anderen Astronauten auf der Raumfähre Columbia im Erdorbit unterwegs. Doch dann brach die Columbia beim Wiedereintritt in die Atmosphäre am 1. Februar 2003 auseinander. Alle sieben Besatzungsmitglieder starben. Sechs Jahre später kam Ramons 21-jähriger Sohn Asaf, ebenfalls Kampfjetpilot, bei einem Trainingseinsatz ums Leben. Er wollte in die Fußstapfen seines Vaters treten und eines Tages ebenfalls ins All fliegen.

Doch die Israelis lassen sich nicht entmutigen. Ilan Ramons Witwe Rona hat in Gedenken an ihren Mann und ihren ältesten Sohn eine Stiftung gegründet, die junge Israelis inspirieren und ausbilden will. „Unsere Mission im All ist noch nicht zu Ende“, sagt sie. „Ilan war der erste Israeli im All. Das bedeutet, dass es noch mehr geben wird.“