Schlechte Verkaufszahlen des Q8 e-tron Audi-Werk in Brüssel droht das Aus

Im Brüsseler Werk wird der Audi Q8 e-tron gefertigt. Doch die Fabrikationsstätte steht auf der Kippe. Foto: Audi AG/Graeme Fordham

Weil sich der elektrische Q8 e-tron schlecht verkauft, erwägt der Konzern die Schließung des Standortes mit rund 3000 Mitarbeitern. Viel Hoffnung, dass es am Ende doch anders kommt, hat kaum jemand mehr.

Korrespondenten: Knut Krohn (kkr)

Die Gewerkschaftsvertreter ahnten bereits Böses angesichts der überraschend einberufenen Versammlung. Audi erwäge, sein Werk in Brüssel mit rund 3000 Beschäftigen zu schließen, hieß es dann am Dienstagabend bei dem Treffen in einer Mitteilung vom Mutterkonzern in Ingolstadt. Es sei noch keine endgültige Entscheidung gefallen, doch eine „Umstrukturierung des Standortes Brüssel“ sei unumgänglich. Grund für diesen Schritt sei ein „Rückgang der Kundenaufträge im elektrischen Oberklassesegment“. In Brüssel werden die Modelle Q8 e-tron und Q8 Sportback e-tron gefertigt. Die Werkleitung wolle „gemeinsam mit den zuständigen Sozialpartnern Lösungen für den Standort“ finden, teilte die VW-Tochter weiter mit. „Dazu kann auch eine Einstellung des Betriebs gehören, sollte keine Alternative gefunden werden“, hieß es ganz explizit.

 

Die Nachricht kam für die Audi-Mitarbeiter in Brüssel nicht ganz überraschend. Die Verkaufszahlen des Q8 e-tron sanken zuletzt kontinuierlich. Ursprünglich war von einer Produktion von 48 000 Fahrzeugen im Jahr 2024 die Rede. Diese Zahl wurde in den vergangenen Monaten regelmäßig nach unten korrigiert und ist auf 36 000 gesunken. Nach Angaben aus Gewerkschaftskreisen sollen es inzwischen nur noch 25 000 Autos sein. In der von Volker German, Chef von Audi Brussels, unterzeichneten Mitteilung kündigt die Geschäftsführung an, „die Größe der Belegschaft an den zu erwartenden Produktionsbedarf anpassen zu wollen“. Das Unternehmen hat einen vom belgischen Recht für diesen Fall vorgeschriebenen Informations- und Konsultationsprozess begonnen.

Erste Entlassungen drohen im November

Mit den ersten Entlassungen wird bereits im November gerechnet. „Wenn sich keine neuen Perspektiven auftun, wird es Ende 2025 hier nichts mehr geben“, sagte Franky De Schrijver von der Gewerkschaft ABVV dem Sender VRT. Zwar suche die Konzernleitung noch nach Alternativen, es gebe aber wenig Hoffnung. „Wenn das so weitergeht, ist die Schließung des Standorts unumgänglich.“

Doch nicht nur der Rückgang der Verkaufszahlen für den Q8 e-tron spricht in den Augen der Verantwortlichen gegen Brüssel. Das Werk habe im Vergleich zu anderen Standorten sehr hohe Fixkosten und ein geringes Produktionsvolumen, was zu hohen Produktionskosten pro Fahrzeug führe, heißt es von dem deutschen Autobauer.

Das zu ändern sei in diesem Fall äußerst schwierig, vor allem auch wegen der eingeengten Lage des Werkes zwischen einem Wohngebiet und einer Bahnlinie. Das erschwere die „Optimierung des Fabriklayouts“, heißt es in der Mitteilung von Audi. Hinzu komme das Fehlen einer Produktionslinie für Pressteile und ein nicht existierendes Lieferantennetzwerk in der Nähe des Werkes.

Enttäuschung und Ratlosigkeit in Belgien

Die Mitteilung von Audi hat auch in der belgischen Regierung große Enttäuschung und noch größere Ratlosigkeit ausgelöst. Man fühle sich erinnert an die Schließungen von Renault in Vilvoorde im Februar 1997 und von Ford in Genk im Dezember 2014. Tausende verloren damals ihren Arbeitsplatz. Noch im April dieses Jahres war auf höchster Ebene eine politische Task-Force-Gruppe eingerichtet worden, um das Unheil bei Audi abzuwenden - offensichtlich ohne Erfolg. In Rahmen der Gespräche mit Audi seien mögliche Investitionshilfen angesprochen worden, Unterstützung bei der Ausbildung von Fachkräften oder auch Flexibilisierung bei der Regelung für Nachtarbeit.

„Ich bedauere die Ankündigung der Führung des Audi-Konzerns“, erklärte der belgische Wirtschaftsminister Pierre-Yves Dermagne. „Ich werde dafür sorgen, dass das Verfahren zur Information der Arbeitnehmer ordnungsgemäß durchgeführt wird und dass alle Möglichkeiten zur Aufrechterhaltung der Beschäftigung ernsthaft in Betracht gezogen werden.“

Rudi Vervoort, sozialistischer Ministerpräsident der Region Brüssel, sprach von einem harten Schlag, ersparte sich aber nicht einen kleinen Seitenhieb in Richtung des deutschen Unternehmens. Denn Vervoort erinnerte an die 18 Millionen Euro an Regionalbeihilfen, die seit dem Jahr 2015 auf den Tisch gelegt worden seien, um die Ausbildung der Arbeitnehmer und Investitionen in Innovationen am Standort zu unterstützen. Die Gespräche mit Audi würden fortgesetzt, heißt es aus der Task Force, große Hoffnung auf ein gutes Ende gebe es aber nicht.

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