„Es wird teilweise relativ ruppig miteinander umgegangen” – der Baustellenleiter der zuständigen Straßenbaufirma sagt das am Telefon ganz sachlich. Und fügt dann mit leicht resigniertem Unterton an: „Speziell im Osten ist das fast schon normal.”
Das Stuttgarter Straßen- und Tiefbau-Unternehmen hat in der Landeshauptstadt viele Baustellen. Eine davon ist aktuell an der Kreuzung Schurwaldstraße, Welzheimer Straße und Hornbergstraße in Gaisburg im Stuttgarter Osten, einer beliebten Pendler- und Schleichwegstrecke. Sie ist ein Beispiel dafür, wie unterschiedlich solche Baustellen von Anwohnern, Verkehrsteilnehmern und Stadtverwaltung wahrgenommen werden. Und wie häufig umfassende und weiträumige Beschilderungen als überflüssige und deswegen zu ignorierende Straßendekoration aufgefasst werden.
Das Überqueren der Straße soll leichter werden
„Das ist unglaublich, wie es hier zugeht”, schimpft eine Gaisburgerin, die unmittelbar an der Baustelle wohnt und die Bauarbeiter an kalten Tagen auch mal mit heißem Kaffee versorgt. Seit Ende Januar ist die Schurwaldstraße im Bereich zwischen der unteren Einmündung der Hornbergstraße und der Kreuzung mit dem Krauchenweg weiter oben nur einspurig befahrbar. Die groß dimensionierte Straßenfläche bei der früheren Bäckerschmide wird umgestaltet. Gehwegnasen sollen das Überqueren der Straßen dort vor allem auch für Schulkinder einfacher machen, Bäume sollen in den immer heißeren Sommermonaten für Schatten sorgen. Das war schon vor vielen Jahren als eine Maßnahme im Rahmen der Stadtentwicklungspauschale (STEP) vom Bezirksbeirat Stuttgart-Ost beschlossen worden.
„Aufgrund von Kapazitätsengpässen und der Priorisierungen der Projekte im Baubezirk Stuttgart-Ost war es zu Verzögerungen bei der Ausschreibung der Baumaßnahme gekommen”, teilt die Stadt auf Nachfrage mit. Mitte Januar wurden die ersten Baustellenschilder aufgestellt, wenig später begannen die Arbeiten. Dass die Schurwaldstraße nur in Richtung stadteinwärts befahrbar ist, also aus Richtung Wangen kommend in Richtung Gablenberg, können Verkehrsteilnehmer seitdem mehrfach schon im weiteren Umfeld Schildern entnehmen. Das soll bis Ende April oder Anfang Mai so bleiben, je nachdem, bis wann die Kreuzung umgebaut ist.
Gewohnheit, Unaufmerksamkeit, Unkenntnis der Bedeutung der Schilder
Es sind viele Gründe denkbar, warum regelmäßig Autofahrerinnen und Autofahrer die nicht ganz kurze Engstelle trotz zahlreicher „Durchfahrt verboten”-Schilder in falscher Fahrtrichtung passieren: Gewohnheit, Unaufmerksamkeit, Unkenntnis der Bedeutung der Schilder. Jedenfalls stehen sich dann ab und zu im Baustellenbereich korrekt und falsch fahrende Autos Kühlerhaube vor Kühlerhaube gegenüber. Und dann wird es auch mal laut, nicht nur wegen des in diesen Situationen eher sinnlosen Gehupes. Das meint der Baustellenleiter dann mit „ruppig”, und das ist einer der Gründe, warum die Gaisburgerin schimpft. Sie erzählt auch von Autofahrern, die in der engen und vor der Baustelle komplett gesperrten Welzheimer Straße bis zu den Absperrungen fahren, um zu sehen, ob sie nicht doch irgendwo durchkommen. Bei den dann unvermeidlichen Wendemanövern oder beim Rückwärtsfahren seien schon drei Fahrzeuge beschädigt worden, erzählt sie. Gelbe Karten an die Stadt will sie keine schicken, „das ist doch sinnlos”.
Möglicherweise auch deshalb teilt die Pressestelle der Stadt nach Nachfrage bei den beteiligten Bereichen der Stadtverwaltung mit: „Unseren Kolleginnen und Kollegen sind jedoch weder bei den Zuständigen für die Baustelle noch der Verkehrsüberwachung Beschwerden über diesen Baustellenbetrieb bekannt. Auch von der Polizei, die bei konkreten Rechtsverstößen im fließenden Verkehr verantwortlich ist, gab es zu dieser Kreuzung bislang keine Hinweise an uns.”
„Relativ schmerzfrei”, was die Nichtbeachtung von Verkehrsregelungen angehe
Der Baustellenleiter, der regelmäßig vor Ort ist, erzählt es etwas anders: „Einige Autofahrer ignorieren die Schilder und fahren durch”, sagt er. Seine Mitarbeiter seien zwar auch für die Verkehrssicherung an den Baustellen zuständig. Aber dann müssten sie sich ja hinstellen, Falschfahrer aufhalten und auch Fotos machen. Dann hätten sie nur Ärger, und die Baustelle würde länger dauern. „Das hast du in Stuttgart oft”, sagt der Mann mit reichlich Erfahrung mit Straßenbaustellen in der Landeshauptstadt.
Im Stadtbezirk Stuttgart-Ost erlebten er und seine Kollegen das aber noch etwas öfter. Hier seien die Straßen relativ eng, es gebe viele Einbahnstraßenregelungen, da seien die Leute „relativ schmerzfrei”, was die Nichtbeachtung von Verkehrsregelungen angehe: „Ich hab’ das in anderen Stadtteilen nicht so massiv erlebt.“ Da er sich daran aber mittlerweile gewöhnt hat, ist er sich in einem Punkt mit der Stadtverwaltung einig, was die aktuellen Bauarbeiten in Gaisburg angeht: „Die Baustelle ist relativ unproblematisch.” Und dann erzählt er halb ernst, halb schmunzelnd noch eine Geschichte: „Es gab auch schon Autofahrer, die direkt an die Baustelle bis zum Absperrgitter gefahren sind. Die haben dann die Mitarbeiter aufgefordert, die Absperrungen zur Seite zu räumen, weil sie da durch müssten.” Das sei natürlich nicht geschehen. Aber offenbar fast schon normal.