Fast ein Jahr Bauzeit: Die Verkehrsübungsanlage in Leonberg ist wieder in Betrieb. Der ADAC hat das Gelände umfassend modernisiert. Nicht nur neueste Technik war dabei wichtig.

Der Fahrlehrer und ADAC-Sicherheitstrainer Martin Sasse beschleunigt das Auto auf 40 Stundenkilometer und fährt auf die Dynamikplatte zu. Als die Hinterachse einen Impuls der hydraulisch gesteuerte Platte auslöst, gibt es einen heftigen Ruck. Das Auto schleudert zur Seite und gerät auf der Gleitfläche außer Kontrolle. Doch Sasse lenkt gekonnt dagegen und bringt das Fahrzeug wieder auf Kurs. „Wichtig ist gutes Bremsen, gutes Schauen, und das Auto muss stabil bleiben“, sagt er.

 

Diese kleine Vorführung ist in der Regel der krönende Abschluss eines Fahrtrainings auf der Verkehrsübungsanlage am Solitude-Ring in Leonberg. Nach fast einem Jahr umfassender Umbauzeit ist sie wieder geöffnet.

ADAC-Verkehrsübungsplatz am Solitude-Ring in Leonberg umfassend saniert

Am Mittwoch besuchten Landrat Roland Bernhard und Leonbergs Oberbürgermeister Martin Georg Cohn die sanierte Anlage. Sie verschafften sich in Begleitung von Michael Saur, dem Vorstandsvorsitzenden des ADAC Württemberg, einen Eindruck von den Neuerungen. „Das Ziel war es, unsere Qualitätsstandards für das Fahrsicherheitstraining zu erhalten. Dabei haben wir nicht nur auf die neueste Technik, sondern auch auf Nachhaltigkeit gesetzt“, sagte Saur. So sei die komplette unterirdische Infrastruktur mit kilometerlangen Rohren und Leitungen erneuert worden, um die strengen Umweltauflagen zu erfüllen. „Das Prunkstück ist die moderne Wasseraufbereitungsanlage sowie die 180 000 Liter fassende Zisterne. Somit kommen wir zukünftig nahezu ohne Frischwasserzufuhr aus“, erklärte Saur.

Nachhaltig sei auch die neue Photovoltaikanlage, welche die Gebäude versorgt. Für Teilnehmer mit E-Auto gäbe es nun ausreichend Lademöglichkeiten. Zudem wurden bei der Sanierung etwa 90 Prozent des Asphaltes recycelt und wiederverwendet.

„Die Verkehrsübungsanlage bietet einen unschätzbaren Mehrwert für alle Verkehrsteilnehmer – von Fahranfängern, Berufskraftfahrern bis hin zu Senioren. In kontrollierter und sicherer Umgebung können realistische Verkehrssituationen geübt werden, ohne dabei andere zu gefährden“, sagte der Landrat Roland Bernhard. Das Kernstück der Mobilität sei nun mal die Sicherheit der Menschen. Er appellierte besonders an Fahranfänger und Senioren, die Trainingsangebote wahrzunehmen.

Das Wasser für die Teststrecke kommt aus überwiegend aus einer Zisterne. Foto: Simon Granville

Leonbergs Oberbürgermeister Martin Georg Cohn mahnte: „Autos geben keine Sicherheit, auch nicht die Fahrassistenzsysteme. Für mich ist der ADAC mit seiner neu sanierten Verkehrsübungsanlage am Puls der Zeit.“ Jährlich trainieren in Leonberg etwa 10 000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer beim Fahrsicherheitstraining, und es üben knapp 20 000 Fahranfänger. „Ich hoffe, dass die Zahlen noch steigen“, sagte Cohn.

Im Bereich Fahrsicherheitstraining kann der ADAC dank der Sanierung nun auch Intensivtrainings als Neuheit anbieten – mit komplexeren Übungsformen, mit denen auch erfahrene Teilnehmende ihre Fähigkeiten am Steuer noch weiter verbessern könnten. Zudem sind durch die neue Technik Fahrzeuge bis zu einem Gewicht von 3,5 Tonnen an den Trainings zugelassen. Das war wichtig, um dem Mehrgewicht von E-Autos Rechnung zu tragen.

Es gibt Pläne für einen neuen Zugang zum ADAC-Verkehrsübungsplatz

Bei den nun abgeschlossenen Bauarbeiten an der Verkehrsübungsanlage handelte es sich um eine Sanierung im Bestand. „Für eine umfassende Modernisierung ist noch ein langwieriges Bebauungsplanverfahren notwendig“, sagte Holger Bach, Abteilungsleiter Verkehr und Umwelt beim ADAC, in einem Gespräch mit unserer Zeitung.

Ein zentrales Thema der Verkehrsübungsanlage ist die problematische Erschließung. Staus auf der Mahdentalstraße sind keine Seltenheit. Pläne für einen neuen Zugang südlich der Straße gibt es seit 2019. Demnach soll der alte Tunnel zukünftig entfallen, zudem ist die Renaturierung einer Fläche nördlich der Landstraße vorgesehen. Im Gegenzug plant der ADAC Württemberg südlich des markanten Start- und Zielturms ein modernes Schulungsgebäude. Für dieses Projekt sei eine Änderung im Flächennutzungsplan erforderlich. „Wir stecken noch mitten im Bebauungsplanverfahren, das kann noch einige Zeit dauern“, erklärte Holger Bach.