Schlichtung für Reisende Zu wenige machen mit

Kunden sollten Airlines, die keine unabhängige Schlichtung anbieten, besser meiden.

Korrespondenten: Thomas Wüpper (wüp)
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Berlin - Die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr (SÖP) in Berlin ist eine Einrichtung, die jeder Reisende kennen sollte. Denn wer Ärger mit Flug-, Bahn-, Bus- oder Schiffsreisen hat, kann dort völlig kostenlos eine Schlichtung beantragen, falls sich der Anbieter stur stellt. Damit spart man sich einen teuren Prozess und auch die Erfolgsbeteiligung von bis zu 30 oder noch mehr Prozent, die private Firmen wie Flightright oder Fairplane verlangen, wenn sie den Streitfall übernehmen.

Besonders manche Airlines zeigen sich noch immer wenig kundenfreundlich, wenn Passagiere Entschädigungen wegen Verspätungen, Flugausfällen oder Gepäckverlusts fordern. Das zeigt die SÖP-Halbjahresbilanz. Drei Viertel der Beschwerden betreffen die Flugbranche, die sich lange gegen eine unabhängige, außergerichtliche Schlichtung gewehrt hat. Erst als der Gesetzgeber endlich mehr Druck machte, lenkten viele ein. Inzwischen hat sich die SÖP als zentrale Anlaufstelle etabliert. Mehr als 260 Verkehrsunternehmen sind Mitglied und erkennen Entscheidungen bis zum Streitwert von 30 000 Euro an.

Der gute Wille ist da

Allerdings sind darunter bisher nur 41 Airlines, viele ausländische Flugunternehmen wie British Airways fehlen weiterhin. Immerhin: Die führenden deutschen Anbieter Lufthansa und Air Berlin sind inzwischen dabei und zeigen damit guten Willen. Das sollten Reisende anerkennen und bei der Buchung der nächsten Flugreise auch darauf achten, wer Kunden im Streitfall die bequeme außergerichtliche SÖP-Schlichtung anbietet. Das Gesetz zwingt Unternehmen nicht zur gemeinsamen und einheitlichen Schlichtung. Aber jeder Anbieter, der sich nicht an freiwilligen Verfahren wie der SÖP beteiligt, muss sich seit zweieinhalb Jahren zwingend mit verärgerten Kunden auf deren Antrag vor einer staatlichen Beschwerdestelle beim Bundesamt für Justiz auseinandersetzen. Schön, wenn sich Airlines diese Peinlichkeit im Interesse ihrer Kunden bald ersparen würden.

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