Schlichtung Stuttgart 21 Kopfbahnhof auf dem Prüfstand

Von Thomas Braun 

In der vierten Runde des Faktenchecks zu Stuttgart 21 schlüpft die Deutsche Bahn in die Rolle des Projektkritikers. Die Schlichtung im Liveticker ».

Die Leistungsfähigigkeit des Kopfbahnhofs ist Thema beim Faktencheck der S21-Schlichtung. Foto: Steinert
Die Leistungsfähigigkeit des Kopfbahnhofs ist Thema beim Faktencheck der S21-Schlichtung. Foto: Steinert
Stuttgart - In den bisherigen Schlichtungsrunden standen vor allem die Planungen der Bahn für Stuttgart 21 und die Neubaustrecke Wendlingen-Ulm auf dem Prüfstand. Am Freitag sind erstmals die Projektgegner aufgerufen, zu untermauern, dass der Kopfbahnhof, vor allem nach einer Sanierung, leistungsfähiger ist als die Tiefbahnhofvariante. Bahn-Vorstand Volker Kefer und seine Experten wollen die Schwachstellen des K-21-Konzepts offenlegen. Ein zentrales Argument dürfte sein, dass es keine fertige Planung gibt und folglich auch keine Finanzierung. Erhalt und Modernisierung des Bahnhofs, würde man sich darauf einlassen, wären folglich erst in einigen Jahren möglich, so die Bahn.

Die Schlichtung im Liveticker ».

Dass K21 überhaupt im Rahmen der Schlichtung diskutiert wird, ist an sich schon bemerkenswert. Über lange Jahre hat die Bahn die Ideen für eine Ertüchtigung des bestehenden Stuttgarter Kopfbahnhofs, die vor allem vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und dem Verkehrsclub Deutschland (VCD) entwickelt wurden, nicht ernst genommen. Das hat auch damit zu tun, dass die Bahnplaner immer für sich reklamiert haben, die Idee einer optimierten Trassenführung durch das Neckar- und Filstal selbst bereits in den 90er Jahren untersucht und dann verworfen zu haben.

K 21 sei "ein Phantom"


Nachdem der damalige Leiter des verkehrswissenschaftlichen Instituts der Uni Stuttgart, Gerhard Heimerl, 1988 seine Konzeption für eine autobahnnahe ICE-Trasse über die Alb nach Ulm entwickelt hatte, ließ das Interesse der Bahn an einer Optimierung der Bestandsstrecke bei der Bahn spürbar nach. Heute nennt Wolfgang Arnold, Vorstandssprecher der Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB), K21 "ein Phantom". Arnold ist auch Vorsitzender des Vereins Verkehrswissenschaftliches Institut (VWI) an der Uni Stuttgart, der wiederum Gesellschafter der VWI GmbH ist, die für die Bahn Gutachten zur S21 fertigte.

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K21 bezeichnet in seiner heutigen Form - die Pläne wurden mehrfach überarbeitet und aktualisiert - zunächst einmal nicht mehr und nicht weniger als die Sanierung des Kopfbahnhofs sowie die Entflechtung des Gleisvorfelds: Fern-, Regional- und Nahverkehr sollen künftig auf getrennten Gleisen verkehren. Unverzichtbar erscheint allerdings auch den K-21-Planern der Neubau zweier Gleise in Richtung Bad Cannstatt, um die Potenziale des Bonatzbahnhofs voll ausschöpfen zu können. Weil die Strecken im Tunnel konzipiert sind, müssten dafür allerdings keine Bäume im Schlossgarten gefällt werden, betonen die Planer. Damit, so die K-21-Befürworter, könne die heutige Leistungsfähigkeit des Bahnhofs verdoppelt werden: Statt heute 29 Zügen in der Hauptverkehrszeit könnten künftig circa 60 Züge in der Hauptverkehrszeit abgewickelt werden, bei Stuttgart 21 wären es nach Angaben der Kopfbahnhofplaner nur 38.