Das Ende der Filmgalerie 451 bringt neuen Schwung in die Diskussion über die Notwendigkeit eines Film- und Medienhauses für Stuttgart. Am Erhalt des Archivs sind alle Parteien interessiert, doch noch sind viele Fragen offen.

Wochenendbeilage : Ingmar Volkmann (ivo)

Stuttgart - Über die Fraktionsgrenzen im Stuttgarter Gemeinderat hinweg ist man sich einig: Das Ende der Filmgalerie 451 verdeutlicht die Notwendigkeit eines Film- und Medienhauses für Stuttgart. Am Erhalt des 451-Archivs, das 23 000 Filme umfasst, herrscht bei allen Parteien großes Interesse.

Kulturbürgermeisterin Susanne Eisenmann (CDU) findet das Ende der Vorzeige-Videothek bedauerlich: „Die Filmgalerie war eine wichtige Institution. Marc Hug hat mit guten Konzepten wie seinem ,Kino unterwegs’ die Stadt cineastisch aufgewertet“, sagt Eisenmann. Mit dem Ende der Videothek bekomme die Diskussion um ein Kommunales Kino laut Eisenmann eine neue Dringlichkeit. „Es wäre begrüßenswert, das Archiv in ein wie auch immer geartetes Stuttgarter Film- und Medienhaus zu integrieren. Ein Kommunales Kino zeigt keinen Mainstream, da wäre das Archiv von Marc Hug eine gute Ausgangslage.“

Kaum geeignete Immobilien

Das Grundproblem bei der Suche nach einem Standort für das Kommunale Kino sei laut Eisenmann nicht die Finanzierung. „In Stuttgart stellt sich mittlerweile nicht mehr die Frage des Geldes, sondern die Frage des geeigneten Raumes.“ Stuttgart verfüge im Gegensatz zu Städten wie Frankfurt oder Berlin eben nicht über einen vergleichbaren Leerstand, in dem man ein Filmhaus auch temporär unterbringen könne. „Dabei sehen wir gerade am Wilhelmspalais, wie erfolgreich Zwischennutzung sein kann“, so Eisenmann.

Die Villa Berg als Standort für ein Film- und Medienhaus sieht Susanne Eisenmann eher kritisch. „Die Immobilie ist kleiner, als man denkt. Für die medialen Ansprüche eines Kommunalen Kinos sehe ich das Objekt als nicht 100 Prozent geeignet an.“ Ganz ausschließen wolle sie die Villa Berg als Standort aber nicht.

Kulturmeile auf dem Pragsattel?

Am charmantesten fände Susanne Eisenmann die von Theaterhaus-Macher Werner Schretzmeier in der Stuttgarter Zeitung ins Spiel gebrachte Kulturmeile auf dem Pragsattel. „Für die Zukunft des Varietés sehe ich auf dem Pragsattel neben dem Theaterhaus auch wirklich eine realistische Chance. Für ein Filmhaus bräuchten wir da oben aber einen Neubau.“

Niombo Lomba von der Grünen-Fraktion setzt sich unter anderem im Ausschuss für Kultur und Medien des Stuttgarter Gemeinderats mit der Materie Film auseinander. Lomba bedauert das Ende der 451 ebenfalls, warnt aber davor, eine Lösung für ein Kommunales Kino jetzt überstürzt anzugehen. „Die Stadt Stuttgart hat es verdient, ein Film- und Medienhaus zu bekommen. Das Konzept für diese Einrichtung muss aber stimmen.“

Sind die VHS-Bänder überhaupt archivfähig?

Für Alexander Kotz, den Fraktionsvorsitzenden der CDU im Gemeinderat, ist es bei allem Bedauern über das 451-Ende wichtig, sich bei der Suche nach einem Filmhaus nicht unter Druck setzen zu lassen: „Es wäre aber sicherlich schade, wenn das Archiv verloren ginge. Wir brauchen jetzt endlich ein klares Signal im Gemeinderat, wo die Reise in Bezug auf ein mögliches Film- und Medienhaus hingeht. Vielleicht schaffen wir das ja noch bei den kommenden Haushaltsberatungen“, so Kotz.

Ein schlechtes Signal

Auch Bernd Klingler, der Fraktionsvorsitzende der FDP, sieht den Gemeinderat in der Pflicht. „Wir müssen dringend die Fraktionen zusammenbringen und uns ernsthaft mit einem Standort für ein Kommunales Kino beschäftigen“, sagt Klingler. Das Aus für die 451 sei ein schlechtes Signal für den Kulturstandort Stuttgart. „Vielleicht öffnet sich ja aber durch das bedauernswerte Ende der Filmgalerie eine neue Türe für ein Film- und Medienhaus.“

Auch außerhalb des Gemeinderats sieht man das Ende der 451 kritisch. Vertreter des Filmstandortes bedauern die Schließung. Laut Christian Dosch, dem Leiter der Film Commission Region Stuttgart, sei die 451 viel mehr als eine Videothek gewesen. „Sie war auch ein sozialer Raum. Genau so einen Raum versuchen wir mit der Initiative für ein Haus für Film und Medien in Stuttgart aufzubauen“, so Dosch. „Wichtiger als der Ausleihvorgang an sich ist es für uns einen Ort zu haben, an dem Filme umfassend verfügbar sind und Film- und Medienbildung stattfindet.“

Die Sicherung des Archivs der Filmgalerie 451 sei laut Christian Dosch kein Selbstläufer: „Ob die Filme der 451 als Archiv für ein Haus für Film und Medien einen Wert haben, hängt – nüchtern betrachtet – entscheidend davon ab, ob zum Beispiel die VHS-Bänder archivfähig sind, in welcher Qualität die Filme vorliegen und über welche Rechte an den Filmen die Filmgalerie verfügt. Diese Details müsste man mit Experten klären.“