Schlimme Zustände in Studentenwohnheim Nürtingen Erst kam Wasser aus der Decke, dann gar keines mehr

Nach dem Abstellen des Stroms sind die Gefrierschränke vereist. Foto: /privat

Studenten eines Nürtinger Wohnheims (Kreis Esslingen) mussten nach einem Rohrbruch mehrere Tage ohne Wasser auskommen und ihr Geschirr im Garten spülen – es ist nicht das einzige Problem dort.

Erst kam das Wasser aus der Deckenleuchte, dann gab es zwei Tage überhaupt keines mehr, anschließend drei Tage nur kaltes. Zwischendurch wurde mehrere Stunden der Strom abgestellt. „Wir mussten unser Geschirr draußen mit dem Schlauch abspülen“, sagt ein junger Student aus Pakistan, der auf der Südseite des Nürtinger Studentenwohnheims in der Braike wohnt. Seinen Namen möchte er lieber nicht nennen, da er noch eine Weile im Wohnheim lebt. „Solche Zustände habe ich in Deutschland nicht erwartet“, sagt sein Kommilitone aus Indien.

 

Wer konnte, zog kurzfristig aus

Vor wenigen Tagen gab es in dem Gebäude, das vom Studierendenwerk Tübingen-Hohenheim verwaltet wird, einen Wasserrohrbruch. Die Reparaturen haben sich laut der Einrichtung und der Studenten verzögert, weil das beauftragte Unternehmen wohl keine passenden Ersatzteile habe auftreiben können. Wer konnte, sei vorübergehend zu Freunden in der Umgebung gezogen. In einem Video zeigen die beiden Studenten, wie das Wasser im Gang des dritten Stocks aus einer Deckenlampe tropft. Werksstudenten hätten sich teilweise für ein paar Tage bei ihrer Arbeitsstelle entschuldigen müssen, weil sie weder sich noch ihre Wäsche waschen konnten.

Wer zur Toilette wollte, musste durch einen Garten in ein nahe gelegenes Hochschulgebäude gehen. Über einen Gartenschlauch im Garten hätten sie sich mit Trinkwasser versorgt. Nach dem Stromausfall sei der Gefrierschrank komplett vereist gewesen und sie hätten ihre Lebensmittel nicht mehr unterbringen können. Enteisen mussten sie selbst. Der Hausmeister, der sonst eine wichtiger Ansprechpartner für die Studenten sei, sei in dieser Zeit im Urlaub gewesen. Zwar habe das zuständige Studentenwerk regelmäßig auf Anfragen reagiert und per Aushang eine Nummer hinterlassen, aber eine Kontaktperson für die Betroffenen vor Ort wäre eine bessere Lösung gewesen, da einige Studenten – beispielsweise aus Litauen oder Ägypten – weder deutsch noch englisch sprächen. „Das Problem war auch, dass das Wasser durch die Zimmer der Studenten in den oberen Stockwerken geflossen ist“, so der Student aus Pakistan. Er zeigt Videos aus einem Gruppenchat, in denen die Feuerwehr durch die Wohnräume der nassen Zimmer stapft.

Nicht das einzige Problem im Wohnheim. „Wir haben eine Küche mit vier Herdplatten für 20 Personen. Nur eine der Kochplatten funktioniert richtig.“ Wer kochen wolle, ohne ewig zu warten, müsse sich daher eine Induktionsplatte kaufen und in sein Zimmer stellen. Der Student aus Indien zeigt ein Bild einer Maus, die neben einem schmutzigen Besen unter einem Schrank hervorschaut. „Das ist in der Küche“, sagt er. Diese werde im Turnus von sechs Monaten gereinigt.

Fledermäuse im Gang

„Wir leben nicht so gerne hier“, gibt er zu. Allerdings sei es durch die günstigen Zimmerpreise für viele Studenten die einzig bezahlbare Möglichkeit. Er zeigt ein weiteres Bild. „Das ist eine unserer Fledermäuse“, sagt er lachend. Auf seinem Smartphone sucht er nach dem dazu passenden Video. Darauf zu sehen ist ein Schwarm der nachtaktiven Tiere, der durch den Gang schwirrt, welcher die Nord- und die Südseite des Wohnheims verbindet.

Auch ein Problem der Außenwirkung

„Der Zustand des Wohnheims ist schon länger ein Thema“, sagt Udo Renner, Sprecher der HfWU Nürtingen Geislingen. Vor allem nach dem Vorfall einer Messerattacke, bei dem ein junger Mann in das Wohnheim eingedrungen war und drei Personen verletzte, sei es wieder aktueller geworden. „Die Hochschulleitung wird in den kommenden Tagen noch mal intensiv mit dem Studentenwerk sprechen“, so Renner. Es sei der Hochschule ein großes Anliegen, dass die Missstände möglichst schnell behoben würden – schon allein wegen der Außenwirkung. „Hier leben viele internationale Studierende. Durch diese Gruppe bekommt das Problem eine Wirkung über die nationale Grenze hinweg und hat auch zukünftig Auswirkungen darauf, wie viele Studenten an unsere Hochschule kommen werden.“

Zu einer kurzfristigen Auskunft war das Studierendenwerk nicht bereit und verwies auf Aussagen gegenüber der Nürtinger Zeitung. Dort heißt es, die Reparaturen seien inzwischen abgeschlossen. Was die sonstigen Mängel angehe, verweist das Studierendenwerk auf die Verantwortung der Studenten, welche Lebensmittel und Müll teilweise unsachgemäß lagerten und entsorgten.

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