Region Stuttgart - Wer geplant hatte, am kommenden Wochenende die höchste Erhebung im Mittleren Schwarzwald zu erkunden, der sollte neue Pläne schmieden. Denn die Zugangsstraße zum Kandel, mit 1241 Metern Höhe der Hausberg der Stadt Waldkirch, bleibt am Sonntag, 13. Dezember, von 10 bis 15 Uhr gesperrt. Der Grund dafür sind die Zustände in der Woche zuvor: „Am vergangenen Sonntag hatte das Polizeirevier Waldkirch auf dem Kandelgipfel, dessen Verkehrswegen und Plätzen sehr viel Mühe mit dem enormen Besucherandrang, der Verkehrslage und der Überwachung der geltenden Hygienevorschriften und der Corona Verordnung“, meldet das Polizeipräsidium Freiburg.
Bei schönem Winterwetter habe es Hunderte in das Naherholungsgebiet gezogen, weshalb kreuz und quer geparkt worden sei. Außerdem habe es lange Staus und sogar Auffahrunfälle gegeben. „Besondere Sorge bereiteten die große Personenzahlen und das enge und dichte Verhalten der Ausflügler und Spaziergänger im Hinblick auf das Infektionsgeschehen“, heißt es. An den Rodelhängen, Toiletten und am Glühweinstand hätten sich Menschentrauben gebildet. Nach zunächst mündlichen „Ermahnungen im Dauerbetrieb“ seien rund 30 Beanstandungen zur Anzeige gebracht worden.
Nicht zu viele Menschen sollten dieselbe Idee haben
So wild ging es auf der Schwäbischen Alb bisher zwar nicht zu, voll war es dort in den vergangenen Tagen aber teils auch. Als Bürgermeister und als Vater schlagen diesbezüglich zwei Herzen in der Brust von Matthias Nägele: Einerseits hat das Gemeindeoberhaupt von Böhmenkirch (Kreis Göppingen) Verständnis dafür, dass Eltern mit ihren Kindern auch in dieser schwierigen Pandemie-Zeit etwas unternehmen wollen. Andererseits hofft er, dass nicht zu viele Menschen auf die gleiche Idee kommen: mit dem Schlitten im Gepäck auf die Alb zu fahren und den ersten Schnee dieses Winters zu testen. Falls es zu voll werde und die Menschen keinen Abstand mehr hielten, müsse man Straßen oder Hänge sperren, droht Nägele.
Im Sommer hatte man die gleiche Situation bei den Badeseen rund um Stuttgart: Von Mitte Juli an war der Breitenauer See (Kreis Heilbronn) gesperrt, später wurde auch der Zugang zu weiteren Seen beschränkt. „Wir appellieren an die Vernunft der Leute, dass solche Maßnahmen nicht nötig werden“, mahnt Matthias Nägele.
Die Bürgermeisterin hat einen Rat für Besucher
Oft als Rodelort empfohlen wird auch die 2500-Einwohner-Gemeinde Kaisersbach im Rems-Murr-Kreis. „Hier gibt es immer noch einen Flecken Schnee, während an anderen Stellen mit ähnlicher Höhenlage alles schon geschmolzen ist“, erläutert die Bürgermeisterin Katja Müller. Am Wochenende seien an der Winterhalde – dem im Landkreis bekanntesten Areal zum Schlittenfahren – alle Parkplätze belegt gewesen. Derzeit hält sie aber Absperrungen nicht für nötig, stattdessen appelliert sie an die Eigenverantwortung: Wenn die Parkmöglichkeiten erschöpft seien, solle man sich eine andere Stelle suchen: „Sie finden bestimmt auch außerhalb der Winterhalde einen schönen Schlittenhang – oder genießen Sie die winterliche Landschaft bei einem Spaziergang durch den verschneiten Wald.“
Im ebenfalls als schneereich bekannten Geislingen an der Steige sowie in Donzdorf (beide Kreis Göppingen) ist es ähnlich: „Bisher sind uns keine Probleme bekannt, aber es sind zurzeit viele Familien draußen unterwegs, ja“, sagt der Donzdorfer Bürgermeister Martin Stölzle. Man sei in ständigem Kontakt mit der Polizei, beziehungsweise dem Gemeindevollzugsdienst. Sollten die Corona-Regeln nicht mehr eingehalten werden, handle man. Auch in Geislingen reagiere man, wenn entsprechende Probleme entstünden, sagt der Ordnungsamtsleiter Philipp Theiner.
Langlauf ist problemlos möglich
Als „etwas realitätsfern“ bezeichnet Matthias Winter, der Bürgermeister von Römerstein, die Regeln für Skilifte. Diese dürften derzeit nur von maximal fünf Personen aus zwei Haushalten genutzt werden. In der Gemeinde, welche auf knapp 900 Metern Höhe im Kreis Reutlingen liegt, gibt es drei Skilifte und mehr als 60 Kilometer Langlaufloipen. Weil man nicht für Einzelne einen Lift betreiben kann, ist Abfahrtski nicht möglich. Die Langlaufloipen werden aber gespurt: „Allein aufgrund der Länge der Skier wird da beinahe automatisch genügend Abstand eingehalten.“
Dass sowohl viele Einheimische als auch Familien „aus dem städtischen Bereich“ in Römerstein unterwegs seien, sei bisher kein Problem. Die Schwäbische Alb sei groß, und viele Erholungssuchende aus Stuttgart und der Region blieben bereits in Ochsenwang oder Schopfloch (Landkreis Esslingen) hängen. Sollten aber doch noch massenweise Menschen den Ort belagern und dort Après-Ski-Partys feiern, könne man zumindest ein bis zwei kleinere Berge sperren, indem man die Parkplätze schließe, sagt Winter. Das Rodeln komplett zu unterbinden, hält er für unmöglich – und das will er auch nicht. „Da müsste ich ganz Römerstein zusperren.“