Schloss bei Ludwigsburg So wurde Monrepos zum Ausflugsziel

So kennen und lieben Besucher das Naherholungsgebiet Monrepos bei Ludwigsburg. Foto: Marijan Murat/dpa

An schönen Tagen ist es rund um Schloss Monrepos meist brechend voll. Wie wurde aus dem ehemaligen Jagd- ein Erholungsgebiet?

Digital Desk: Michael Bosch (mbo)

Ludwigsburg - Die Geschichte von Monrepos reicht bis ins Mittelalter, auch wenn es seinen jetzigen Namen erst viel später erhielt. Spät bekam auch die Allgemeinheit Zutritt. Dort zu entspannen, war lange dem Adel vorbehalten. Eine kleine Chronik.

 

16. Jahrhundert

An der Stelle zwischen Freiberg am Neckar und dem Ludwigsburger Stadtteil Eglosheim wurde bereits im späten Mittelalter der Riedbach zu einem See aufgestaut. Das Gewässer war im Laufe der Jahrhunderte mal größer, mal kleiner. Bei seiner größten Ausdehnung reichte es bis über die heutige Bundesstraße 27 hinaus. Ende des 16. Jahrhundert entstand vermutlich das erste Gebäude, ein „Seehaus“, an der Stelle. Denn der Adel aus dem Haus Württemberg wollte in den umliegenden Wäldern nicht nur jagen, sondern auch fischen. Das erste Gebäude wurde vermutlich im Jahr 1635 zerstört, als die nahe gelegene Festung Hohenasperg belagert wurde. Unter Stadtgründer Eberhard Ludwig entstand ab 1714 ein neues Seehaus.

Aus dem Schlösschen wurde ein Schloss

1760

Zu stattlicher Größe gelangte das Gebäude aber erst unter Karl Eugen. Der bauwütige Herrscher machte aus dem „Schlösschen“, wie der Archivar des Hauses Württemberg, Eberhard Fritz, es nennt, ein richtiges Schloss – und setzte es auf eine Terrasse in den See. Fünf Jahre nach Baubeginn – im Inneren war längst nicht alles fertig – verlor der Herzog offenbar die Lust, Schloss Solitude war ihm plötzlich wichtiger. Möglicherweise hätten dabei auch Geldprobleme eine Rolle gespielt, sagt Stadtarchivar Simon Karzel. „Anschließend dümpelte das Gelände etwa 40 Jahre mehr oder weniger vor sich hin.“

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So viel wie Friedrich I. hat wohl kein anderer zum heutigen Erscheinungsbild des Parks und der Umgebung beigetragen. Er taufte das Schloss auf den Name „Monrepos“ (französisch: meine Ruhe/Erholung), der sich bis heute gehalten hat. Der spätere Kurfürst und König ließ, ganz im Stil des Klassizismus, einen englischen Landschaftsgarten anlegen. Der See, der zuvor viereckig war, wurde abgelassen und bekam eine natürlichere Form. Weil der Wasserspiegel reduziert wurde, thront das Schloss seitdem über dem See. Das jetzige Erdgeschoss mit seinen nachträglich angebrachten Rundbogenarkaden war einmal der Keller.

Zudem wurden zwei Inseln angelegt. Die Kirche auf der größeren der beiden, die heute noch das Bild des Sees prägt, wurde in Hohenheim Stein für Stein abgetragen und in Ludwigsburg wieder aufgebaut. Im zweiten Weltkrieg wurde sie stark beschädigt – und nicht mehr wieder aufgebaut. Vom Apollotempel und dem Badehaus auf der sogenannten Armorinsel ist heute ohnehin nichts mehr übrig. Schwimmen mussten die hohen Herrschaften freilich nicht, wenn sie auf die Inseln wollten. Eine „Staatsgondel“ mit eigenem Matrosen, die nach der Zeit Friedrichs aber wieder verschwand, brachte sie dorthin.

Noch immer Eigentum der Württemberger

1804

Zum heutigen Monrepos-Gelände gehören auch die Pferde des Reit- und Fahrvereins Ludwigsburg. Die Ursprünge der Ställe nördlich des Sees gehen ebenfalls auf Friedrich I. zurück, der dort bis 1804 eine „Meierei“, einen landwirtschaftlichen Betrieb, errichten ließ. So intensiv wie der damalige Herrscher, nutzte später keiner mehr den Rückzugsort – auch nicht seine Witwe Königin Charlotte Mathilde und sein Sohn König Wilhelm I. Dass er und sein Vater sich nicht ganz grün waren, belegt die Namensänderung in „Seegut“. Wilhelm, der dort vor allem Pferde und Schafe züchten ließ, sorgte dafür, dass das Gelände auch noch heute in Besitz des Hauses Württemberg ist – und nicht etwa dem Land oder der Stadt gehört. Nach dem Tod von Charlotte Mathilde (1828) war Monrepos zunächst an den Staat gegangen, die Hofdomänenkammer – die das private Vermögen der königlichen Familie verwaltete – kaufte es ein Jahr später für 62 000 Gulden.

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1892

Ende des 19. Jahrhunderts entstand eine öffentliche Wirtschaft in der Nähe des Sees. Laut Eberhard Fritz, dem Archivar des Hauses Württemberg, ein klares Indiz, dass Monrepos langsam für jedermann geöffnet wurde. Allerdings habe der erste Pächter kein Glück mit dem Vorläufer der Gutsschenke gehabt, so Fritz, und sie „ziemlich heruntergewirtschaftet“.

1967

Bis nach dem Zweiten Weltkrieg bewirtschafteten mehrere Pächter – der erste war ab 1870 die Stuttgarter Zuckerfabrik – die Flächen rund um den Hof. Als die Bedeutung der Landwirtschaft nach dem Krieg nachließ, wandelte sich die Domäne vollends. Von 1967 bis 1969 entstand das Schlosshotel. Weil es sich rasch einen guten Namen erwarb, wurde es nur sechs Jahre später erweitert. Einen neuen Anstrich bekam es seitdem bereits zweimal – in den Jahren 1998 und 2015.

1981

Wein hat das Haus Württemberg auch im Angebot: Anfang der 80er-Jahre zog die Kellerei zusammen mit dem Hofkameralamt Stuttgart in neue Gebäude an der Gutsschenke.

Bootsverleih und Spazierwege

1991

Sein heutiges Aussehen mit dem Bootsverleih und den Wegen um den See verdankt Monrepos einem „Parkpflegewerk“ der Hofkammer, mit dem der englische Garten zu Zeiten Friedrich I. wieder hergestellt wurde – soweit dies Denkmal- und Naturschutz zuließen.

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1993

Die letzten große Eingriffe in das Gelände gab es Anfang der 90er-Jahre, der Golfplatz entstand. Zunächst nur mit neun Loch, wurde er 2007 auf 18 Loch ausgebaut und erstreckt sich seitdem bis über die angrenzende Autobahn. Die Spieler queren die A81 über eine Brücke.

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