Schloss Weißenstein feiert Jubiläum Verborgene Welten in altem Gemäuer

Die Familie Kage hat ein Ausstellungskonzept für das Schloss entwickelt und wartet auf das Ende des Lockdowns. Foto: Stauferpress Foto:  

Manfred Kage, ein Pionier der Mikrofotografie, hat vor 50 Jahren das Schloss Weißenstein gekauft. Im Jubiläumsjahr wartet die Familie des 2019 gestorbenen Fotografen darauf, ihre Räume wieder für Besucher öffnen zu können.

Lauterstein - Das Jahr 2021 ist für die Familie Kage ein besonderes Jahr. Denn es häufen sich Jubiläen. In und um das Schloss Weißenstein in Lauterstein laufen daher die Vorbereitungen, um an diese besonderen Tage zu erinnern. Allerdings erschweren die Coronabeschränkungen die Planung. Derzeit ist das Schloss für Besucher geschlossen, noch ist unklar wann und unter welchen Voraussetzungen Veranstaltungen stattfinden können. „Wir werden alles machen, damit die Besucher sich sicher fühlen“, erklärt Ninja-Nadine Kage, die zusammen mit ihrer Mutter Christina Kage Mitgesellschafterin des Kage-Unternehmens ist.

 

Das Schloss steht im Zentrum eines Jubiläums. Vor 50 Jahren wurde die Familie zur Schlossherrin: 1971 kaufte der 2019 gestorbene Manfred Kage dem Haus Rechberg die gräfliche Residenz in Weißenstein ab. Kage rettete die Anlage, die zu Teilen aus dem 15. Jahrhundert stammt, vor dem weiteren Verfall. „Er hat sich in ein Abenteuer gestürzt. Das war sehr mutig, wie ich finde“, sagt Ninja Kage. In den Jahrzehnten danach renovierte die Familie das Schloss Schritt für Schritt.

Ein Schloss als Bildungsstätte

Mit der Sanierung wurde es möglich, das Schloss für Besucher zu öffnen. Ihre Familie habe das einzigartige Ensemble zu einer inzwischen überregional bedeutenden Vermittlungs- und Bildungsstätte entwickelt, schildert Ninja Kage. Sie spricht von einem „unvergleichlichen kulturellen Erlebnisort“.

Manfred Kage hat als Pionier der Mikrofotografie Wissenschaft mit Kunst verbunden. Seine technische Ausstattung war stets die modernste ihrer Art. Daher gehörte er zu den wenigen Menschen, die schon 1971 Mondgestein analysieren durften. Wie die Familie berichtet, erhielt Kage vor einem halben Jahrhundert Gestein, das die Apollo-Missionen 11, 12 und 14 vom Erdtrabanten mitgebracht hatten. Kage fotografierte die Steine mit einem „weltweit einzigartigen Farbfiltersystem“, berichtet seine Tochter. Die Bilder wurden im Magazin „Bild der Welt“ veröffentlicht. Rund 45 Jahre später war eine der Aufnahmen Teil der Sonderbriefmarkenserie „Mikrowelten“ der Deutschen Post.

Den Forscher in sich entdeckte Manfred Kage schon als Kind. Der erste Blick durchs Mikroskop habe dem Achtjährigen „die Tür zu einer geheimnisvollen Welt, einem gänzlich neuen Universum“ geöffnet, berichtet seine Tochter. Er wollte erkunden, „was die Welt im Innersten zusammenhält“, so Ninja Kage. Vor 65 Jahren entwickelte er die künstlerische Linie „Fotografie informell“. Er gab damit seinen technischen Innovationen eine künstlerische Note. Den Begriff „Science Art“ habe er erfunden und maßgeblich geprägt. „Manfred Kage wollte den Betrachtern seiner Werke die verborgenen mikroskopischen Welten zwischen Erde, Luft und Wasser in all ihrer Schönheit und Fragilität greifbar näher bringen“, erklärt die Tochter. Damit sollte die enge Verbindung der Menschen zur Natur gezeigt werden.

Die Familie führt Manfred Kages Idee fort

Vor 60 Jahren proklamierte Kage das „Optische Konzert“ in Verbindung mit der Gruppe „Zero“. Damit wollte er die sonst verborgenen mikroskopischen Welten dem Publikum in einer interaktiven künstlerischen Live-Performance als optische Kunst darstellen. Es entstanden neue Farben- und Formenwelten. Aufgrund dieser Erfindung wird Manfred Kage heute im Bereich der Multimedia- und Videokunst als einer der Pioniere weltweit gesehen Noch heute wird das „Optisches Konzert“ in moderner Umsetzung als multi-medialer abstrakter Lichtraum oder als Großprojektion an Kuppeldächer präsentiert. „Wir führen die Idee als Familie fort“, so Ninja Kage.

Für das Jahr mit den runden Geburtstagen hat die Familie Räume und Bildergalerien neu gestaltet, in einigen Räumen werden verschiedene Elemente von Multimedia-Angeboten präsentiert. „Das sollen interaktive Erlebnisräume für die Besucher werden“, sagt Kage. Zudem werde ein Sonderausstellungsbereich eine Plattform für externe Künstler bieten.

Allerdings blockieren die Corona-Einschränkungen derzeit solche Vorhaben. „Wir unterstützen voll die Anstrengungen, die dritte Welle zu brechen“, versichert Kage. Die Familie hat ein Hygienekonzept vorbereitet: „Wir wollen alles tun, dass die Besucher sich sicher fühlen.“ Am Beginn einer vorsichtigen Öffnung könnten Einzelpersonenführungen stehen. Auf diese Weise könnten Personen mit großem Abstand durch das Schloss gehen.

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