Schlossberg-Bebauung Stadt Böblingen will Alternativen prüfen

Wie es hier oben weitergeht, entscheidet sich voraussichtlich bis Mitte kommenden Jahres. Foto: tefanie Schlecht

Jetzt ist klar: Ein Neubau auf dem Schlossberg wäre möglich. Aber möglicherweise zu teuer. Die Stadt will deshalb nach Alternativen suchen. Das hatten Kritiker stets gefordert.

Böblingen: Anke Kumbier (ank)

Es ist wohl eines der meistdiskutierten Projekte in Böblingen: der Neubau einer Kunst- und Musikschule auf dem Böblinger Schlossberg. Nun ging es in der jüngsten Sitzung des Technischen Ausschusses erstmals konkret darum, was passiert, wenn der millionenschwere Neubau nicht kommt.

 

„Die Frage steht im Raum, ob wir uns die Bebauung leisten können und wollen“, sagte Böblingens Oberbürgermeister Stefan Belz (Grüne). Das bedeutet auch: Für die Paul-Lechler-Schule, die interimsweise in den Neubau hätte ziehen sollen, will die Stadt nach Alternativen suchen.

Vor vier Jahren hatte der Gemeinderat den Grundsatzbeschluss gefasst, eine Neubebauung des Schlossbergs zu prüfen. Dazu zählten im vergangenen Jahr archäologische Untersuchungen. Sie sind bei einer Bebauung von Orten von historischer Bedeutung notwendig.

Zeiten haben sich geändert

Diesbezüglich hatte Timo Nußbaum, Leiter des Gebäudemanagements, eine wichtige Information dabei: Grundsätzlich wäre das Projekt auf dem Schlossberg umsetzbar. Zwar müssen einige historische Strukturen erhalten bleiben. „Aber damit können wir sinnvoll umgehen.“ Auch dem Wunsch aus der Bevölkerung nach einem niedrigeren Südflügel könne man nachkommen. Das Raumkonzept würde immer noch aufgehen. „Die Größe passt, die Statik passt, das Raumkonzept passt“, fasste Nußbaum zusammen.

Aber: „Die Zeiten zwischen dem Grundsatzbeschluss und heute haben sich geändert.“ Der Böblinger Haushalt sieht nicht mehr so rosig aus, wie noch in den Jahren zuvor. Die Stadt rechnet inzwischen mit 22 Millionen Euro weniger Einnahmen aus der Gewerbesteuer, als angenommen.

Es stelle sich die Frage, ob das Vorhaben noch finanzierbar ist, so Nußbaum. Die Stadt will daher vorerst einen Planungsstopp einlegen und stattdessen Alternativen prüfen. Denn beim Schlossberg geht es um mehr als die Frage Bebauung ja oder nein. Die Kunst- und Musikschule sollte auf dem Schlossberg dauerhaft einen Platz finden, die Paul-Lechler-Schule interimsweise bis ihr Schulgebäude saniert ist. Beide Schulen sind darauf angewiesen.

Alternativen für die Paul-Lechler-Schule

Für die Paul-Lechler-Schule hat die Stadtverwaltung elf alternative Standorte in den Blick genommen. Vier mögliche Standorte sind in der engeren Auswahl geblieben. Die Verwaltung hofft auf das Mandat des Gemeinderats, diese weiter zu untersuchen. Die Kosten dafür lägen bei 190 000 Euro. „Es ist wichtig, dass wir uns jetzt Alternativ-Varianten anschauen. Denn es darf nicht sein, dass wir uns gegen einen Neubau entscheiden und die Alternative dann teuerer wäre“, betonte OB Belz.

Die für die Schule wohl vielversprechendste Alternative liegt in der Schafgasse und damit nahe am aktuellen Standort. Aber auch hier: Es handelt es sich laut Nußbaum um sogenanntes „archäologisches Verdachtsgebiet“. Es könnten also Grabungen und die Sicherung der Funde nötig werden, was den Preis in die Höhe treiben würde. „Aber wir halten den Standort für plausibel und würden ihn gerne weiterverfolgen“, so Nußbaum.

Was passiert mit der Musikschule?

Ebenfalls prüfen will die Stadtverwaltung einen möglichen Ersatzbau auf dem Gelände des Schulzentrums Murkenbach, die Nutzung des alten Schulgebäudes im Stockbrünnele und einen Standort in der Danziger Straße 81. Andere Vorschläge wie das Gebäude der Volkshochschule im Höfle oder das Postareal am Bahnhof kommen laut Nußbaum nicht infrage. Zu unsicher ist, wie die Pläne für das Postareal voranschreiten und wann die VHS aufs Postareal umziehen kann. Und was passiert mit der Kunst- und Musikschule? Konkrete Pläne gibt es dafür noch nicht. Kommt der Neubau nicht, müsse sie zunächst an ihrem alten Standort bleiben, aber saniert werden, sagte Nußbaum. Auch für die archäologischen Funde müsste sich die Stadt ohne Neubau eine Lösung überlegen. In der Bevölkerung besteht der Wunsch, die Historie sichtbar und erlebbar zu machen, wie eine Beteiligung der Öffentlichkeit ergeben hat.

Neue Erkenntnisse wohl erst im kommenden Jahr

Die Stadträte hielten sich in der Sitzung mit Kommentaren zu den aktuellen Entwicklungen zurück. Sie begrüßten aber den Vorschlag der Stadt, nach Alternativstandorten für die Paul-Lechler-Schule zu suchen – wie von den Freien Wählern bereits 2023 gefordert. „Es hätte mir nicht gefallen, über die Schlossbergbebauung abzustimmen, ohne die Alternativen zu kennen“, verlieh Markus Helms (Grüne) wohl der Stimmung der meisten Ausschussmitglieder Ausdruck. Gerlinde Feine (SPD) bedauerte nur, dass sie erst jetzt geprüft werden sollen.  

Stimmt der Gemeinderat der Überprüfung der Alternativstandorte zu, will die Verwaltung die Ergebnisse im ersten Halbjahr 2026 vorstellen. Dann könnte sich auch entscheiden, ob der geplante Neubau auf dem Schlossberg kommt – oder nicht.

Der Böblinger Schlossberg

Umstrittenes Projekt
Während die archäologischen Grabungen und die historischen Funde auf viel Interesse in der Bevölkerung stießen, ist der Neubau umstritten. Zu hoch, zu massiv und vor allem zu teuer, lautet die Kritik. Auch der Gemeinderat hatte sich im letzten Jahr gespalten gezeigt. Zuletzt, noch vor den Ergebnissen der archäologischen Grabungen, hatten Kosten in Höhe von 36,5 Millionen Euro im Raum gestanden. Geplant ist ein dreiteiliger Neubau, in den die Musik- und Kunstschule einziehen könnte, inklusive öffentlicher Nutzung wie Gastronomie und einem Aufführungssaal.

Geschichte
Spätestens seit Mitte des 13. Jahrhunderts stand auf dem Böblinger Schlossberg eine Burg. Im späten Mittelalter war sie Witwensitz der Württemberger. Ihre Hochzeit erlebte sie im 15. Jahrhundert, als sie regelmäßig Fürsten und Herzöge beheimatete. 1817 kaufte die Stadt das Schloss und funktionierte es in ein Schulzentrum um. In der Nacht auf den 8. Oktober 1943 zerstörten Bomben das Gebäude, es wurde abgerissen.

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