Im Spätherbst 2016 bringen acht ehemalige Hoteldirektoren bei einem Alumni-Treffen ihre Gefühle auf den Punkt: „Wir waren dem Himmel so nah.“ Sie alle haben die Gemeinsamkeit, dass sie einst im Schlosshotel Bühlerhöhe wirkten, das etwa 22 Jahre lang ein Luxushotel war. Es wurde seit der Jahrtausendwende mehrfach veräußert und steht seit 2013 leer. Niemand weiß bis heute, wer die eigentlichen Besitzer sind. Jetzt gibt es neue Spekulationen, bei denen der Ex-Langzeitdiktator Kasachstans, Nursultan Nasarbajew, eine Rolle spielen soll.
Staatschefs, Präsidenten und Kanzler
Das auf 770 Metern über dem Nordschwarzwald thronende einstige 5-Sterne-Hotel zählt 90 Zimmer. Bis heute ist die Preisliste des Jahres 2013 online abrufbar. In der 180 Quadratmeter großen Präsidentensuite hätten wiederholt Staatschefs, Präsidenten, Könige und Kanzler „geträumt“, schrieb einst die „Wirtschaftswoche“. In den „Deluxe-Zimmern“ aber auch schon mal die englische Fußball-Nationalmannschaft. Weit abgeschieden im Schwarzwald.
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SAP-Gründer Dietmar Hopp, der etwa elf Jahre lang der Besitzer war, hatte das Hotel 2010 weiterverkauft an einen ukrainischen Investor; 2013 übernahm die „Bühler Höhe Castle Invest GmbH“ – ganz offenkundig geführt von kasachischen Hintermännern. Diese firmiert im Handelsregister seit 2014 mit Sitz in Baden-Baden. Ansprechpartner vor Ort ist ein Baden-Badener Steuerberater.
Investment in deutsche Luxusimmobilien
Jetzt nährt ein Korrespondent neue Spekulationen. Der Ex-Langzeitdiktator Nasarbajew war von 1990 bis 2019 der Anführer Kasachstans. „Die Familie des Ex-Präsidenten investierte jahrelang in deutsche Luxusimmobilien“, schrieb der Autor der Deutschen Welle (DW). Die Kurstadt Baden-Baden gilt als Sehnsuchtsort reicher Russen. Neben Schloss Seelach, auch Villa Chreptowitsch genannt, am oberen Ende der Lichtentaler Allee, gehört die nicht weit entfernte Villa Stroh und das Schlosshotel Bühlerhöhe in den Schwarzwaldhöhen zum Besitz des wohl gleichen Personenkreises.
Einer, der schon lange gerne wüsste, wer die tatsächlichen Besitzer des Luxushotels auf der Bühlerhöhe sind, ist Bühls Oberbürgermeister Hubert Schnurr. Der parteilose Rathauschef, im Amt seit 2012, hat immer wieder Anfragen von Interessenten – die er weiterleitet. Doch von den Kasachen bleiben die E-Mails unbeantwortet. Er spricht von „einem Geflecht“. Das wird deutlich beim Blick auf das Handelsregister. Dort sind zwei Kasachen namentlich aufgeführt als Geschäftsführer der besagten „Bühler Höhe Castle Invest GmbH“, mit Wohnsitz in Almaty, der früheren Hauptstadt Kasachstans.
Kasachischer Geschäftsmann Timur Kulibajew
Hellhörig machten jetzt die Investigativrecherchen des Osteuropa-Korrespondenten der Deutschen Welle. Demnach soll der kasachische Geschäftsmann Timur Kulibajew hinter all dem stecken. Er gehört zu den Multimilliardären Kasachstans. Wohl kaum ein Zufall: Kulibajew ist der Schwiegersohn von Ex-Präsident Nasarbajew. Die drei Geschäftsführer der Castle Invest GmbH sind offenbar nur Strohmänner. Das Stammkapital derselben wurde im Jahr 2021, so sagt das Registergericht, in zwei sechsstelligen Beträgen auf jetzt 23,65 Mio. Euro erhöht.
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Der DW-Autor spricht in seinem Beitrag, der in der russischsprachigen Version millionenfach abgerufen wurde, dagegen von „Betongeld“– womit sich der Clan um Nasarbajew möglicherweise gegen Machtverlust im eigenen Land absichert. Den Recherchen anderer Medien zufolge verfügt der Nasarbajew-Clan über Immobilien im Westen im Wert von 800 Millionen US-Dollar. Der frühere Hoteldirektor vom Schlosshotel, Reto Schumacher, erhob mehrfach Forderungen, die kasachische Botschaft einzuschalten, um klarer zu sehen – ohne Erfolg. Nun hat sich ein örtlicher SPD-Landtagsabgeordneter eingeschaltet. Im Februar schrieb Jonas Weber aus Rastatt an den Ministerpräsidenten des Landes, Winfried Kretschmann. Er fordere von der Landesregierung, alle Möglichkeiten – auch die der Enteignung – zu ergreifen. Bühls Oberbürgermeister Schnurr sieht darin eher wenig Erfolgschancen, „das sei rechtlich sehr schwierig“, sagt er. Die Eigentümer – wer immer diese sind – kämen bislang ihrer Unterhaltspflicht nach.