Schlotwiesenlager Zuffenhausen Erinnerung an 25 Jahre Lagergeschichte

Von Bernd Zeyer 

Ein Vierteljahrhundert gab es auf der Schlotwiese ein Lager, in dem zwischen den Jahren 1942 und 1967 tausende Menschen aus den verschiedensten Gründen eingesperrt beziehungsweise untergebracht waren. Zur Erinnerung wird nun ein Gedenkstein eingeweiht.

Dieses Gemälde zeigt, wie trist das Barackenlager auf der Schlotwiese ausgesehen haben mag. Foto: privat
Dieses Gemälde zeigt, wie trist das Barackenlager auf der Schlotwiese ausgesehen haben mag. Foto: privat

Zuffenhausen - Ein Vierteljahrhundert lang gab es auf der Schlotwiese ein Lager, in dem zwischen den Jahren 1942 und 1967 tausende Menschen aus den verschiedensten Gründen eingesperrt beziehungsweise untergebracht waren: Kriegsgefangene, Zwangsarbeiter, Vertriebene, Flüchtlinge, „Displaced Persons“ (Heimatlose). Nun kann dem Ort und den damit verbundenen Schicksalen endlich eine würdige Erinnerung gegeben werden: Am Dienstag, 2. Oktober, wird ein Gedenkstein an der Hirschsprungallee 18 eingeweiht.

Die Idee, auf der Schlotwiese eine Gedenktafel für das ehemalige Lager einzurichten, geht ursprünglich auf das Jahr 1995 zurück. Die Tafel hätte, so hatte es der Zuffenhäuser Bezirksbeirat seinerzeit beschlossen, an der damals für die Schlotwiese geplanten Ballsporthalle angebracht werden sollen. Da beide Vorhaben miteinander verknüpft waren tat sich zwei Jahrzehnte lang nichts. 2015 schließlich legte die Stadt das Hallenprojekt endgültig ad acta. Vor allem Wolfgang Meyle, dem ehemaligen Zuffenhäuser Bezirksvorsteher, ist es zu verdanken, dass nicht auch die Pläne für die Gedenktafel für immer in der Schublade verschwanden. Eine Arbeitsgemeinschaft wurde ins Leben gerufen, mit im Boot ist auch Mathias Beer, Geschäftsführer und stellvertretender Leiter des Instituts für donauschwäbische Geschichte und Landeskunde (IdGL) in Tübingen. Für den Historiker ist das Schlotwiesen-Areal „ein Erinnerungsort für Zuffenhausen und ganz Stuttgart“. Im März 2018 hatten Beer und Meyle im Bezirksbeirat über das Vorhaben berichtet und dabei die uneingeschränkte Unterstützung der Räte bekommen. Einiges Hin und Her hatte es in der Vergangenheit um die Finanzierung, die Pflege und den Unterhalt des Gedenksteins gegeben. Schließlich willigte die Stadt ein, die Verantwortung zu übernehmen, sie stellt auch das Grundstück zur Verfügung. Finanziell unterstützt wird das Projekt von der Firma Porsche, die 8000 Euro spendet.

Der Gedenkstein ist drei Meter hoch

Der Stein ist jeweils 80 Zentimeter breit und lang und hat eine Höhe von drei Metern. Er stammt aus einem Steinbruch in Eppingen und wurde vom Zuffenhäuser Steinmetzbetrieb Schäffer bearbeitet. Um an die existenzielle Situation der Lagerbewohner zu erinnern, bleibt der Stein weitgehend unbehandelt.

Die Geschichte des Lagers startete im Jahr 1942. Damals wurden Baracken für 3000 sowjetische Kriegsgefangene errichtet, der Standort wurde bald entlang der Hirschsprungallee erweitert, Zwangsarbeiter aus zahlreichen europäischen Ländern wurden dort einquartiert. Nach Kriegsende 1945 zogen Heimatvertriebene, Versprengte und so genannte „Displaced Persons“, also Menschen ohne Heimat, in die Baracken. Die Zustände spotteten damals jeder Beschreibung: Nachdem die Kriegsgefangenen das Areal verlassen hatten war dort vieles zerstört, demontiert, verdreckt und voller Ungeziefer. Durch den Fleiß und das Durchhaltevermögen der Bewohner besserten sich die Zustände im Laufe der Jahre mehr und mehr. Erst 1967 verließen die letzten Menschen das Areal.

Die Einweihung des Gedenksteins findet am Dienstag, 2. Oktober, um 15 Uhr an der Hirschsprungallee 18 statt. An dem Standort (der Wegkreuzung in der Nähe des Badstübles) hatte bis 1967 das letzte Steingebäude des Lagers gestanden.

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