Schlüssel-Fund in Hildrizhausen Frau hat ein Schlüssel-Erlebnis bei der Post

Rund 109 000 Briefkästen unterhält die Deutschen Post AG. Foto: /Imago /Steinmaurer

Eine Frau aus Hildrizhausen findet einen Postkasten-Schlüssel und wendet sich an die Hotline – dort fühlt sie sich nicht ernst genommen.

Böblingen : Ulrich Stolte (uls)

Es war am Donnerstagabend gegen 21.30 Uhr, kurz bevor das schwere Gewitter über Hildrizhausen hereinbrach, als eine Leserin unserer Zeitung am Post-Briefkasten in der Ehninger Straße eine Entdeckung machte. „Die Klappe stand unten offen, und die Briefe sind alle auf dem Boden gelegen“, berichtet sie. Und noch eine zweite Sache entdeckte die Frau: Im Schloss steckte noch der Schlüssel des Zustellers, der die Aufgabe hatte, den Post-Briefkasten zu leeren. Die Frau beschloss kurzerhand hier aufzuräumen. Sie verschloss die Klappe, sammelte alle Briefe wieder auf, steckte sie durch den Briefschlitz und nahm den Schlüssel an sich, damit er nicht in falsche Hände geriet.

 

Damit war sie sich sicher, nicht nur der Post, sondern auch den Briefkunden einen großen Dienst erwiesen zu haben. „Es hat ja die ganze Nacht geregnet. Die Briefe wären kaputt gewesen“, sagt die Postkundin. Außerdem wären durch den Sturm, der mit dem Gewitter über das Land fegte, sicherlich viele der Briefe in der ganzen Straße verstreut worden.

Sie legte wütend wieder auf

Gleich am Freitagmorgen rief sie bei der Hotline von DHL an und fragte, was sie mit dem Schlüssel tun sollte. Doch da fühlte sie sich nicht richtig wertgeschätzt. „Die am Telefon sagten bloß, das sei doch nicht so schlimm“, berichtet die Frau. Weil sie sich nicht ernst genommen fühlte, legte sie wütend gleich wieder auf. Nachdem sie sich wieder abgeregt hatte, rief sie noch einmal an und wollte einen Vorgesetzten sprechen. Doch stattdessen wurde ihr geraten, den Schlüssel an der nächsten Postfiliale abzugeben – das war der Frau dann aber endgültig zu viel. „Seit wann kommt denn der Knochen zum Hund?“, fragte sie sich. Sie erwarte, dass sich wenigstens ein Verantwortlicher der Post bei ihr melde und dass der Schlüssel bei ihr abgeholt werde.

Um ihren Argumenten Nachdruck zu verleihen malt sie aus, was passieren könnte, wenn der Briefkasten-Schlüssel in weniger ehrliche Hände gelangt wäre. „Ich könnte ja jede Nacht kommen und alle Briefe lesen“, sagt sie, „oder die Briefmarken abmachen und für mich verwenden.“

Außerdem nervt es sie, dass sie in der Hotline die normalen Telefongebühren zahlen soll, wo sie der Post doch durch ihre Aufmerksamkeit einen großen Dienst erwiesen habe. „Jetzt soll mich endlich mal ein kompetenter Mensch anrufen“, wettert sie.

Kompetenter Mensch wird gesucht

Einer dieser kompetenten Menschen ist Sonja Radojicic, die Leiterin der regionalen Kommunikation Süd von DHL. Sie hat sich inzwischen um die Angelegenheit gekümmert. Nach ihren Informationen hatte der Zusteller in Hildrizhausen an diesem Donnerstag eine Autopanne. Deswegen sei der Mann ziemlich aufgeregt gewesen und hatte nach der Leerung versehentlich den Schlüssel stecken lassen. Worauf die Klappe unten offenstand und die Briefe einfach durchgefallen waren. „Das darf natürlich nicht passieren. Wir sind sehr dankbar, dass die Kundin mit den Briefen und dem Schlüssel so umsichtig umgegangen ist“, sagt Sonja Radojicic. Ein Kollege von ihr habe bereits am Montag versucht, die Kundin telefonisch zu erreichen, und sobald der Kontakt zustande gekommen sei, werde die DHL jemanden schicken, der den Schlüssel abhole. Wenn der Post solche Fälle bekannt würden, dann werde der Zusteller zum Gespräch gebeten und auf sein Fehlverhalten hingewiesen, sagt Sonja Radojicic, „und dann schulen wir gegebenenfalls noch mal nach.“ Darüber hinaus fänden regelmäßig Team-Schulungen statt, um die Mitarbeiter auf den neuesten Stand zu bringen, was die Arbeitsweise und die Sicherheit bei der Zustellung betreffe.

Regelmäßig schult DHL ihre Teams

Und was tut man, wenn man einen Post-Briefkasten-Schlüssel findet? „Die Kundin hat völlig richtig reagiert und sich an unseren Kundenservice gewandt“, sagt Sonja Radojicic. Alternativ könne man den Schlüssel auch bei einem Zusteller oder in der nächsten DHL-Filiale abgeben. Ein Lob hat die Pressesprecherin der DHL aber jetzt schon parat: „Wir finden es großartig, dass die Kundin so verantwortungsvoll mit dem Schlüssel umgegangen ist.“

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