Schmuck und Nachhaltigkeit Wo das Gold wirklich herkommt

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Die Minen reißen riesige Krater in die Landschaft, die Arbeitsbedingungen sind mitunter katastrophal: Der Abbau von Gold geht oft mit Problemen einher. Was ist anders bei Fairtrade-Gold? Und welche nachhaltigen, ökologische Alternativen für Schmuck gibt es noch?

Faire Eheringe für eine nachhaltige Hochzeit? Schmuck kann aus fairem oder recyceltem Gold geschmiedet werden, also aus Altgold.  Viele Goldschmiede bieten das  an. Foto: dpa/Friso Gentsch
Faire Eheringe für eine nachhaltige Hochzeit? Schmuck kann aus fairem oder recyceltem Gold geschmiedet werden, also aus Altgold. Viele Goldschmiede bieten das an. Foto: dpa/Friso Gentsch

Stuttgart - Wer auf Nachhaltigkeit achten will, hat es heute in vielen Bereichen schon ziemlich leicht: Im Supermarkt zeigen Siegel, ob es sich um vegane oder Bio-zertifizierte Ware handelt, an der Kleidung geben Etiketten Aufschluss darüber, wo diese produziert wurde. Weniger klar ist das mit Schmuck – oder genauer: Mit Informationen zur Herkunft von Rohstoffen, die dafür verarbeitet werden.

Ungefähr 3300 Tonnen Gold wurden laut Statista im vergangenen Jahr weltweit gefördert. Etwa die Hälfte des Goldes, das jährlich verarbeitet wird, wird für Schmuck verwendet. Rund zehn Prozent gehen in die Industrie – zum Beispiel für die Produktion von Elektrogeräten –, der Rest wird in Form von Goldbarren und Münzen gehandelt. Gerade in der Coronakrise ist die Nachfrage nach Gold als Anlageform enorm gestiegen, vor allem in Deutschland. 83,5 Tonnen von dem Edelmetall wurden hierzulande im ersten Halbjahr dieses Jahres in Form von Barren oder Münzen gekauft.

Woher dieses Gold stammt und wie es gefördert wurde, steht dabei auf keinem Etikett. Auch beim Goldring aus dem Schmuckgeschäft meist nicht. Eine genaue Nachverfolgung ist bei konventionellem Gold kaum möglich.

Problematische Arbeitsbedingungen und große Umweltprobleme

Doch Umweltschutzorganisationen wie Rettet den Regenwald oder der WWF weisen seit Jahren auf die oft katastrophalen Bedingungen in und um konventionelle Goldminen hin. Im Amazonas-Gebiet oder in Konfliktgebieten etwa im Kongo gibt es viele illegale Minen. Aber auch in den großen, industriellen Minen kommt es zu Problemen.

Zum einen sind da schwere Arbeitsbedingungen in den Minen, geringe Sicherheitsvorkehrungen und kaum existenzsichernde Löhne für die Arbeiterinnen und Arbeiter. Einher gehen mit dem Abbau mitunter auch Kinderarbeit, Landraub, Zwangsprostitution oder Schmuggel. Mitunter werden die Erlöse aus dem Gold-Abbau in Konfliktgebieten für Waffen oder Milizen eingesetzt.

Zum anderen hat der Abbau ökologische Folgen, auch in regulären Minen. So reißen diese Abbauorte oft riesige Krater in die Landschaften, etwa mitten im Regenwald-Gebiet. Weil Gold in der Regel mit festem Gestein verbunden ist, muss es aufwendig herausgelöst beziehungsweise ausgewaschen werden. Das geschieht mithilfe von Chemikalien, meist mit Natriumzyanid oder Quecksilber. Diese Chemikalien vergiften die Böden in den Abbaugebieten, verseuchen das Trinkwasser und stellen ein gesundheitliches Problem dar. Laut Greenpeace werden jährlich rund 100  Tonnen Quecksilber allein in den Amazonas gekippt, die Nicht-Regierungsorganisation Amazon Aid spricht zumindest von um die 40 Tonnen. Insgesamt seien 1,5 Millionen Menschen am Amazonas gesundheitlich durch Quecksilber gefährdet, heißt es vom WWF.

In zertifizierten Minen sind die Arbeitsbedingungen besser

Es gibt weltweit einige Goldminen, in denen Gold nach ethischen Standards abgebaut und fair gehandelt wird. Der Verein Transfair – Fairtrade Deutschland – unterstützt Bergbaukooperativen und kleingewerbliche Minen. Die zertifizierten Minen würden „ein hohes Maß an Verantwortung für die Arbeiter in den Minen, die lokale Gemeinschaft und die Umwelt“ übernehmen, sagt eine Sprecherin von Fairtrade Deutschland.

Die Fairtrade-Zertifizierung schreibt für die Arbeit in den Goldminen etwa Schutzkleidung vor, Gesundheits- und Sicherheitstrainings, ein Verbot von Kinderarbeit und regelmäßige Kontrollen. Außerdem werden hier höhere Löhne bezahlt und Community-Projekte gefördert. „Quecksilber und Zyanid sowie andere chemische Produkte sind bei der Extraktion nur unter den explizit vorgeschriebenen Sicherheitsmaßnahmen erlaubt und müssen auf ein Minimum reduziert werden.“

Die Sprecherin sagt aber auch, dass der Ersatz von Quecksilber durch alternative Extraktionsformen ein langer und kostspieliger Prozess sei – weshalb derzeit unter dem Fairtrade-Label noch kein „Eco-Gold“ angeboten werde. Einige entsprechende Minen seien aber auf dem Weg zu einer Zertifizierung.

Einige Goldschmiede verarbeiten fair gehandeltes Gold

Die Liste findet sich auf der Website von Transfair Deutschland - darunter sind etwa Grüngold in Tübingen, Aurhen aus Überlingen oder Quite Quiet und Oronda aus Berlin. Die vollständige Liste findet sich auf der Website. Darüber hinaus arbeite man mit 65 Goldschmieden zusammen, die zertifizierte Ware einkaufen, heißt es von Transfair.

Die Produkte, die solche Schmiede verkaufen, sind zehn bis 20 Prozent teurer als konventioneller Goldschmuck. Einige von ihnen – etwa Grüngold aus Tübingen – bieten explizit auch fair und ökologisch gewonnenes Gold an. Das stammt dann zum Beispiel aus Österreich. Auch in Deutschland gibt es kleine Mengen an nachhaltig gewonnenem Flussgold. Insgesamt, das sieht man an der Zahl der gelisteten, zertifizierten Schmiede, ist das Angebot an Produkten aus zertifiziertem Fairtrade-Gold bislang aber überschaubar. Im vergangenen Jahr lag die komplett gehandelte Menge an fairem Gold in Deutschland laut Transfair bei sechs Kilogramm.

Goldschmiede in Deutschland arbeiten mit recyceltem Gold

Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe bescheinigt dem Markt für fair gewonnenes Gold immerhin großes Wachstumspotenzial, denn die Nachfrage steige. „Ein zentrales Hindernis dabei ist allerdings das noch ungenügende und instabile Angebot von zertifiziertem Gold aus dem Kleinbergbau“, heißt es in einem Bericht der Bundesanstalt.

Einige Schmuckhersteller verwenden auch Recycling-Gold – oder anders: Altgold. Für Gold, das eingeschmolzen und weiterverarbeitet wird, muss nicht neu geschürft werden, auch die Ökobilanz ist gut. Der WWF und der Verein Rettet den Regenwald sprechen hierbei von der nachhaltigsten Form der Goldgewinnung und -verarbeitung.

Viele Goldschmiede bieten heute an, alten Schmuck zu verwerten. Es lohnt sich also, danach zu fragen. Echte Handwerksbetriebe in Deutschland arbeiten laut Rainer Fein vom Zentralverband der Deutschen Goldschmiede ausschließlich mit Gold aus Scheideanstalten – und das wiederum ist sozusagen recyceltes Gold. In den Scheideanstalten werden Edelmetalle voneinander getrennt und aufbereitet. So wird Gold aus alten Elektrogeräten, aus Computerchips, Goldmünzen oder eben Schmuckstücken zurückgewonnen – und kann dann zu neuem Schmuck verarbeitet werden.

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