Schmuddeleck am Fernsehturm Kondome sollen aus Wald verschwinden

Von Tilman Baur 

Es ist ein offenes Geheimnis, dass sich Leute aus der Schwulenszene am Fernsehturm in Stuttgart-Degerloch treffen. Sie hinterlassen Spuren im Wald, und das missfällt immer mehr Menschen. Wer räumt dann Kondome und anderen Müll weg?

Dieses Bild stammt von der Putzaktion der SPD queer am Fernsehturm. Foto: Lichtgut/Julian Rettig
Dieses Bild stammt von der Putzaktion der SPD queer am Fernsehturm. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Degerloch - Lang dauert es nicht, bis man am Fernsehturm auf Müll stößt. Von den Waldwegen aus ist er rasch erkennbar: hier eine Plastikflasche, dort eine Frischhaltefolie, weiter hinten Taschentüchern mit Spuren von Fäkalien. Zwischen Guts-Muths-Weg und Georgiiweg liegt besonders viel. Was damit zusammenhängen dürfte, dass sich dort regelmäßig Angehörige der Schwulenszene treffen.

Bei einer Putzaktion in diesem Gebiet hatte eine Abordnung von SPD queer, der Regenbogen-Community der Partei, im September innerhalb von zehn Minuten 30 Liter Müll aufgelesen, darunter massenhaft gebrauchte Kondome und Zigarettenstummel.

Dem Treiben Einhalt gebieten

Aber nicht nur der Schwulentreff verursacht den Dreck. Auch Spaziergänger und Wanderer entledigen sich von lästigem Ballast wie Wäsche und Geschirr. Die SPD-Fraktion im Bezirksbeirat hat die Situation nun zum Anlass genommen, die Verwaltung in einem Antrag aufzufordern, mehr Müllbehälter rund um den Fernsehturm aufzustellen. Der Bezirksbeirat nahm den Antrag mehrheitlich an – restlos überzeugt sind aber die wenigsten Räte. „Es gibt im ganzen Stadtgebiet zu wenig Mülleimer. An dieser Stelle ist das der falsche Weg, er löst das Problem überhaupt nicht“, fand Götz Bräuer (CDU). Einhalt müsse man dem Treiben durchaus gebieten, das „unappetitlich bis gefährlich“ sei. Er schlug vor, die Präsenz der Ordnungskräfte vor Ort zu stärken. „Vielleicht sollte man die Polizei hinschicken, um das zu unterbinden.“

Dem Vorschlag konnte Michael Huppenbauer (Grüne) einiges abgewinnen. Die Präsenz von Ordnungskräften müsse man prüfen. „Mehr Mülleimer sind deshalb trotzdem nicht falsch, die kann man trotzdem wollen“, so Huppenbauer. Robert Kuncewicz (CDU) plädierte für einen anderen Weg: Statt auf Ordnungskräfte solle man auf den Dialog mit Streetworkern setzen, die sich in der Szene auskennen und vermitteln können.

Die SWR-Mitarbeiter putzen immer wieder

Auch der Betreiber des Fernsehturms, die SWR Media Services, ist sensibilisiert fürs Thema. Mitarbeiter würden das Gelände rings um den Turm regelmäßig säubern, sagt die Pressesprecherin Claudia Hamann aus Nachfrage unserer Zeitung. „Dabei sehen wir tatsächlich, dass die aufgestellten Abfalleimer nicht immer benutzt werden, sondern Abfall einfach fallen gelassen wird, auch wenn der nächste Mülleimer nur ein paar Schritte entfernt ist. Das Gleiche ist auch im Wald zu beobachten.“

Der achtlose Umgang der Menschen mit der Natur und der dabei entstehende Schaden sei bedauerlich. Mit den Behörden hat die Fernsehturm-Betreiberin selbst noch keinen Kontakt aufgenommen. Den Vorschlag, mehr Mülleimer aufzustellen, begrüßt sie. „Ob das ausreicht, muss sich zeigen“, sagt Claudia Hamann.

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