Schnaps aus Untertürkheim Eine Chance für Hochprozentiges

Seit knapp 120 Jahren ist die städtische Schnapsbrennerei im Backsteingebäude in der Strümpfelbacher Straße. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Nach 54 Jahren hat sich Robert Munk bei der städtischen Brennerei in den Ruhestand verabschiedet. Die Suche nach einem Nachfolger gestaltet sich schwierig. Die Stadt verhandelt nun offenbar aber mit zwei Bewerbern.

Nach dem Ruhestand von Robert Munk schien das Kapitel der Brennerei der Stadt Stuttgart besiegelt. Nun gibt es wieder ein wenig Hoffnung für die historische Einrichtung an der Strümpfelbacher Straße in Untertürkheim. Die Stadt verhandelt nach eigenen Angaben derzeit mit zwei Bewerbern über eine mögliche Nachfolge.

 

Die größte ihrer Art in der Region

Vor fast 120 Jahren hatte der damals noch eigenständige Wengerterort Untertürkheim die kommunale Schnapsbrennerei eröffnet. Bei der Eingemeindung zu Stuttgart war es eine Prämisse, dass die Stadt die öffentliche Einrichtung übernahm. Mit ihren 300 Litern Fassungsvermögen der sogenannten Brennblase ist sie die größte in der Region.

Seit 54 Jahren war Robert Munk für die Brennerei verantwortlich. Übernommen hat er sie von seinem Vater, der sie seit 1935 innehatte. Damit ist nun Schluss. „Ich habe die Schlüssel und alle Bücher übergeben“, sagt der 81-Jährige. Einfacher gemacht hat ihm bei seiner Entscheidung, dass die Nachfrage immer mehr sinkt. Waren es vor acht Jahren rund 100 Ablieferer, fiel die Zahl über 35 in 2020 auf fünf Anmeldungen bis zum Januar dieses Jahres. Zum anderen aber vor allem der geringe Verdienst. Laut Munk bezahle die Stadt nicht einmal den Mindestlohn.

Bezirksbeirat fordert Erhalt im Sinne des Umweltschutzes

Daher schien ungewiss, ob sich ein Nachfolger findet – und scheint es aus Sicht von Bezirksvorsteherin Dagmar Wenzel noch: „Die Bewerber haben sicher ganz andere wirtschaftliche Vorstellungen wie bislang von der Stadt ermöglicht.“ Dennoch wäre es für den Stadtbezirk schön, eine Lösung zu finden. Zumal die Pläne, das Backsteingebäude an der Strümpfelbacher Straße in einen Bürgertreff umzubauen, einem Erhalt nicht im Wege stünden.

Ins gleiche Horn stößt der Bezirksbeirat Untertürkheim, der einstimmig einen Erhalt der Brennerei gefordert hat. Dabei dürften die rückläufigen Kundenzahlen keine Rolle spielen, sondern müsste vielmehr der Umweltschutz in den Vordergrund rücken. Denn mit dem Verlust der Brennerei ginge ein weiterer Anreiz für Wengerter und Gartenbesitzer verloren, die wichtige Kulturlandschaft der Streuobstwiesen zu pflegen.

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