Das ist eine Folge des Protesttags, den der Gewerbeverein Gruibingen am 13. November organisiert und dem 600 Teilnehmer auf dem Rathausplatz Nachdruck verliehen hatten. Gruibingens Bürgermeister Roland Schweikert bekannte in der jüngsten Gemeinderatssitzung, dass er von der Bürgerinitiative „Schlali“ in Merklingen nichts gewusst habe. Es sei ihm erst beim Protesttag so richtig aufgefallen, dass man andernorts die gleichen Probleme habe. Auch in Neidlingen. „Die regen sich auch auf.“
Das will Schweikert nutzen. „Wir versuchen, alle zusammenzukriegen. Alle an einen Tisch zu bekommen.“ Die Bürgermeister-Kollegen anschreiben. Und wenn es wieder eine Aktion gebe, vielleicht auf der Alb, „dann gehen wir da rauf. Präsenz zeigen.“
Gemeinde fordert Erkundungsbohrungen für die Trasse
Schweikert hat seine Zweifel, dass es richtig vorangeht mit den Planungen für den Autobahnausbau – die Anhörung ist längst gelaufen, aber mit dieser und jener Überarbeitung dauert es noch. Dass im Juni nächsten Jahres der Planfeststellungsbeschluss vorliegt, also die Baugenehmigung – „ich glaube da noch nicht dran“, sagt Schweikert. Und was, wenn Klagen kommen? Was macht die Bürgerinitiative „Dracki“, was machen die Naturschützer?
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Daran mag er gar nicht denken. „Irgendwas muss jetzt passieren.“ Schweikert findet es auch höchste Zeit, dass die Autobahngesellschaft, die jetzt zuständig ist, endlich die Erkundungsbohrungen für die Trasse angehe. Wie wichtig das sei, habe sich beim Tunnelbau für die ICE-Trasse gezeigt. Der Gruibinger Gemeinderat kann nur unterstreichen, dass man zusammenstehen müsse. Claudia Leier hat immerhin von dem Protesttag das Gefühl mitgenommen: „Der Ausbau ist nicht in schlechten Händen.“ Es kam ja auch die Planer-Seite zu Wort.
Der Autobahnausbau ist das eine – die eigenen Verkehrsprobleme sind das andere. Auf Initiative von Ratsmitglied Bernd Lebender gibt es schon länger ein unauffälliges Messgerät an der Ortsdurchfahrt, das den Verkehrsstrom und die Geschwindigkeiten erfasst. Eine erste Auswertung hatte Lebender schon voriges Jahr vorgestellt, jetzt soll eine umfassende auf den Tisch kommen. Das war für Dezember gedacht, jetzt wird es auf Januar verschoben.
Anwohner leiden und Lärmbelastung
Denn es soll „das ganze Thema Verkehr“ auf den Tisch kommen. Auch die Parksituation in engen Straßen, sagt Claudia Leier. „Man kommt kaum durch.“ Und „Raserei“ auch abseits der Hauptstraße. In der Maierhofstraße, sagt Schweikert, werde auch zu schnell gefahren. Da gibt’s die zwei Kurven vor dem Winkelbachtal, und tückisch sei auch: Auf der Straßenseite vom „Bierbrunnen“ lägen Pflastersteine als Gehweg, das scheuten Senioren mit dem Rollator. Die gingen lieber auf der Straße – eine potenzielle Gefahrenquelle.
Es gibt auch noch alte Forderungen zum Autobahnausbau bei Gruibingen selbst. Dass es ein Tempolimit auf der freien Strecke Richtung Stuttgart nicht gebe. Dass der Lärmschutzwall Richtung Mühlhausen noch nicht die volle Höhe habe – das soll erst noch kommen. Und natürlich: Die Lärmbelastung der Anwohner an der Hauptstraße, die von Umleitungsverkehr und Stau geplagt werden. Aus Gruibinger Sicht kommt es auch darauf an, die Ampel bei Mühlhausen auf schnelleren Durchsatz zu trimmen. Schweikert will auch die Straßenverkehrsbehörde des Kreises mit einbinden.
Alte Forderung: Feldweg am Rufstein
Überfällig
Nach wie vor ärgert es den Gruibinger Gemeinderat, dass neun Jahre nach dem Ausbau der Autobahn bei Gruibingen nichts von dem Feldweg am Rufstein zu sehen ist, den das Regierungspräsidium laut Planfeststellungsbeschluss zu bauen habe.
Anlauf
Es gab mal Baugrunduntersuchungen. Hans-Dieter Bötzel erinnert sich an etwas, das wie ein Anlauf aussah: „Die waren da. Sie haben’s nur nicht umgesetzt.“ Bürgermeister Schweikert gesteht den Planern zu, dass es große geologische Probleme gebe.
Unverständnis
Thomas Kielmann ungerührt: „Die kriegen Vorschläge von uns, wie sie den Feldweg bauen.“ Auch Bernd Lebender lässt die Geologie nicht gelten. „Wenn die nicht in der Lage sind, den Feldweg zu bauen, wie wollen sie dann Tunnel am Albaufstieg bauen.“