Schnelles Internet Bürgerinitiative fordert mehr Transparenz bei Glasfaser

Von Ulrike Otto 

Neuer Zweckverband Breitbandausbau verkündet große Ziele. Die BI sagt, das ist Augenwischerei.

Ab 2022 soll der Glasfaser-Ausbau bis ans Haus deutlich voranschreiten. Foto: dpa
Ab 2022 soll der Glasfaser-Ausbau bis ans Haus deutlich voranschreiten. Foto: dpa

Leonberg - Gigabit-Gesellschaft, digitale Infrastruktur, die schnelle Datenautobahn – wenn es um das Thema Breitband und Glasfaser-Ausbau geht, dann sparen die Beteiligten selten an großen Begriffen. So auch in der vergangenen Woche, als der Landkreis als erster in der Region einen Zweckverband Breitbandausbau gegründet hat. „Der digitale Wandel ist die zentrale Herausforderung der kommenden Jahre, leistungsfähige Glasfaserleitungen bis in jedes Haus und jeden Betrieb werden künftig noch mehr zum entscheidenden Standortfaktor für die Attraktivität einer Region werden“, hatte Landrat Roland Bernhard in der Gründungsversammlung gesagt, in der er zum Vorsitzenden des Zweckverbandes gewählt wurde.

1,6 Milliarden Euro fürs Breitband

Dieser wiederum wird Gesellschafter der Gigabit Region Stuttgart GmbH sein, über die der von der Region Stuttgart und der Telekom vereinbarte gemeinsame Ausbau koordiniert werden soll. 1,6 Milliarden Euro sollen so bis 2030 investiert werden. 1,1 Milliarden kommen vom Konzern selbst, weitere 500 Millionen Euro sollen von den Kreisen und Kommunen aufgebracht werden.

Die Ziele, die dabei verkündet wurden, lesen sich ambitioniert. Bis 2020 sollen 94 Prozent aller Haushalte und Unternehmen mit einer Bandbreite von 100 bis 250 Mbit pro Sekunde ausgestattet sind.

Ehrgeizige Ziele

2022 sollen 90 Prozent aller Gewerbegebiete mit mindestens einem Gigabit versorgt sein, 100 Prozent sollen bis 2030 geschafft werden. Bei den Privathaushalten will man 50 Prozent bis zum Jahr 2020 mit Glasfaser am Haus versorgen, bis 2030 sollen es immerhin 90 Prozent sein.

Gerade das 2020er-Ziel hält die Bürgerinitiative Glasfaser für Leonberg für Augenwischerei. „Das beinhaltet keinen Glasfaser-Ausbau bis ins Haus“, sagt Oliver Kikillus von der Bürgerinitiative. Das bestätigt auch das Landratsamt auf Nachfrage. „Damit ist eine Art Zwischenschritt gemeint. Dieser kann noch mit der ‚alten’ Kupfertechnologie erreicht werden, indem in den Verteilerkästen eine Art Update eingespielt wird“, erklärt Simone Hotz. Für alle weiteren Schritte werde jedoch Glasfaser bis ins Gebäude verlegt.

Geschwindigkeiten von 100 Mbit pro Sekunde würden in Leonberg schon jetzt vielerorts erreicht, sagt Oliver Kikillus von der Leonberger Bürgerinitiative. Mittels Supervectoring, also einer Ausweitung der Bandbreite am Endanschluss, könnten die angestrebten 205 Mbit im kommenden Jahr auch erreicht werden, meint er.

Rosinenpickerei?

Dem Kooperationsmodell, das die Telekom und die Region Stuttgart anstreben, steht die Bürgerinitiative zwiespältig gegenüber. Sie kritisiert eine völlige Intransparenz. „Es ist bislang völlig unklar, was die Telekom in die Kooperation einbringen will“, sagt Kikillus. Nachdem das Unternehmen in den vergangenen Monaten gezielt Firmen in Gewerbegebieten verlockende Angebote unterbreitet hat, etwa auch im Hertich oder in Höfingen, vermutet man bei der Initiative Rosinenpickerei.

Das Kooperationsmodell fuße darauf, dass beide Seiten, also Telekom und Kommunen, jeweils ihre eigene Infrastruktur einbringen. „Es stellt sich die Frage, ob die Telekom gezielt im Vorfeld lukrative Gebiete abgrast“, sagt Kikillus.

Wenn dem so sei, könnte die Erschließung teurer und unattraktiver Gebiete dann an den Kommunen hängenbleiben. „Ist das dann noch eine Kooperation auf Augenhöhe?“, fragt sich die Leonberger Bürgerinitiative.