Schnelles Internet Kunden können nun doch auf Glasfaserausbau hoffen

In vielen Gemeinden ist die Zukunftstechnologie Glasfaser bis heute nicht angekommen. Foto: dpa/Belga/James Arthur Gekiere

Die UGG springt für die Deutsche Giga Access in die Bresche, die beim Ausbau des schnellen Internets nicht vom Fleck gekommen war. Mehrere Orte im Kreis Ludwigsburg sollen davon profitieren.

Wahrscheinlich könnten die Bürger in Erdmannhausen, dem Marbach-Rielingshausen, Freudental und Löchgau schon heute in Windeseile dicke Datenpakete rund um den Globus verschicken – wenn die Deutsche Giga Access (DGA) dort wie vereinbart den Ausbau des Glasfasernetzes forciert hätte. Doch das Unternehmen ließ die Städte und Gemeinden mehr oder weniger im Regen stehen.

 

Lediglich in Rielingshausen war überhaupt ein Spatenstich gefeiert und ein paar Meter gegraben worden, ehe die Bautrupps auf Nimmerwiedersehen von dannen zogen. Die vier Kommunen stiegen deshalb vor einigen Monaten ernüchtert aus den Verträgen mit der DGA aus. Nun scheinen die Chancen aber gut zu stehen, dass die Ortschaften doch noch ans ultraschnelle Internet angedockt werden.

Alle vier Orte im Landkreis sollen zum Zug kommen

Die GVG Glasfaser, die zuvor bereits mit der DGA in puncto Vermarktung bei dem Projekt kooperiert hatte, hat mit Unsere Grüne Glasfaser (UGG) einen neuen Partner an Land gezogen. „Die Suche der GVG hat vielleicht ein bisschen länger gedauert, als man es gewünscht hätte. Aber wir gehen davon aus, dass es nun klappt mit dem Glasfaserausbau“, sagt Viktor Kostic, Geschäftsführer des Zweckverbands Kreisbreitband Ludwigsburg. Erfreulich sei, dass die UGG die Glasfaserkabel in allen vier Ortschaften im Kreis verlegen wolle, die die Verträge mit der DGA gekündigt hatten. Im Prinzip sei das Ganze unter Dach und Fach. Formal müssten noch jeweils die Gemeinderäte ihren Segen geben.

„Die Kommunen im Landkreis Ludwigsburg sind nach aktuellen Stand dabei“, bestätigt Jens Lauser, Pressesprecher der UGG, ein Gemeinschaftsunternehmen der Allianz und der spanischen Telefonica. Das Ziel sei es, mit den betreffenden Städten und Gemeinden eine Absichtserklärung zum Ausbau zu vereinbaren, erklärt er.

Thema kommt bald in den Gemeinderat

Man befinde sich noch in der Abstimmung mit UGG und GVG, erklären der Löchgauer Bürgermeister Robert Feil und sein Freudentaler Kollege Alexander Fleig dazu unisono. Zeitnah sei „eine Vorstellung in unseren Gemeinderäten“ vorgesehen.

Auch in Erdmannhausen sind die Verträge mit der UGG bis dato nicht unterschrieben, sagt der Rathauschef Marcus Kohler. „Ich bin aber erfreut, dass wir mit der UGG jetzt eine sehr gute Lösung gefunden haben“, betont er. Neben den Bürgern könnten davon nicht zuletzt die Gewerbetreibenden profitieren. Für das Rathaus sei es ebenfalls von Vorteil, wenn man ans Glasfasernetz angeschlossen werde, speziell, weil die Datenverarbeitung und -sicherung inzwischen über ein Rechenzentrum und nicht mehr über einen internen Server gewährleistet werde. „Einer der großen Vorteile von Glasfaseranschlüssen ist, dass man große Datenmengen nicht nur schnell downloaden, sondern auch hochladen kann“, sagt Kohler.

Der Ausbau solle in Erdmannhausen im April starten. „Insgesamt werden die Arbeiten dann ungefähr ein Jahr lang dauern. Aber die Kunden werden sukzessive ans Netz angeschlossen, sobald ein Abschnitt fertiggestellt ist“, erläutert Kohler. Wichtig sei zudem, „dass die Bürger nichts machen müssen“. Etwaige Vereinbarungen mit der GVG-Marke Teranet als Provider seien davon unberührt, dass nun die UGG beim Ausbau den Hut aufhabe. Weitere Auskünfte im Detail werde es bei einem Infoabend geben, der noch in diesem Jahr stattfinden solle.

Bürgerinfos in Marbach und Erdmannhausen

„Es soll wohl noch 2024 eine Bürgerinfo geben“, sagt auch der Marbacher Bürgermeister Jan Trost. „Und es sieht so aus, als ob es 2025 in Rielingshausen mit dem Glasfaserausbau weitergehen wird“, fügt er hinzu.

Hätte der frühere Partner, also die DGA, das Projekt seinerzeit forciert, wären die Haushalte im Stadtteil wohl schon jetzt ans ultraschnelle Internet angedockt. Warum die DGA die Kommunen aber gewissermaßen im Stich ließ, ist unklar. Vonseiten der Städte und Gemeinden wurde teils scharf kritisiert, dass sie im Dunkeln gelassen wurden. Auf eine Presseanfrage im Frühjahr hatte das Unternehmen nicht reagiert. Fachleute gingen aber davon aus, dass die hohen Zinsen und explodierende Baupreise das Vorhaben unrentabel gemacht haben könnten. Warum die UGG nun trotz solcher Begleitumstände in die Bresche springt? „Ich vermute, dass die UGG auch Marktanteile gewinnen will“, sagt der Erdmannhäuser Bürgermeister Marcus Kohler.

Die UGG selbst erklärt dazu, dass sie ihre Projekte sogar ohne eine bestimmte Vorvermarktungsquote forciere. „Unsere Investoren Allianz/Telefónica sind vom Ausbau des Glasfasernetzes überzeugt und haben die finanzielle Stärke, auch ohne eine Anzahl an vorher abgeschlossenen Verträgen ein Glasfasernetz auszubauen“, sagt Pressesprecher Lauser. „Das bedeutet jedoch nicht, dass nicht auch für uns der Netzausbau wirtschaftlich ,machbar’ und sinnvoll sein sollte. Wir versuchen dabei, Projekte jeweils in sogenannte Cluster zu bündeln, also mehrere Orte gemeinsam auszubauen“, erläutert er.

Wer das Glasfasernetz nutzen darf

Verträge
Der Glasfaserausbau in Erdmannhausen, Freudental, Löchgau und Marbach-Rielingshausen durch die UGG werde voraussichtlich im Frühjahr 2025 starten, sagt Viktor Kostic, Geschäftsführer des Zweckverbands Kreisbreitband Ludwigsburg. Das Netz werde nach dem Open-Access-Prinzip aufgespannt, was bedeutet, dass es grundsätzlich allen Providern offensteht. Diese müssten sich allerdings mit der UGG auf die Konditionen einer Nutzung verständigen. Wenn jemand schon einen Vertrag mit der GVG-Marke Teranet abgeschlossen habe, bleibe dieser gültig.

Kostenlos
Unsere Grüne Glasfaser (UGG) wurde 2020 aus der Taufe gehoben. Es handelt sich um ein Gemeinschaftsunternehmen aus der Allianz und der Telefonica. Die UGG verlegt die Glasfaserkabel auf Wunsch kostenlos auch denjenigen bis ans Haus, die vorerst keinen entsprechenden Vertrag mit einem Provider wie der GVG abschließen wollen.

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