Schnelles Internet Region Stuttgart Wer bekommt eigentlich Glasfaser?

Der Glasfaserausbau geht voran, aber es ist noch ein langer Weg bis zur Vollversorgung. Foto: dpa/Oliver Berg

Die Gigabitregion Stuttgart hat das Ziel ausgegeben, 90 Prozent aller Haushalte bis 2030 mit schnellem Internet zu versorgen. Dafür müssen Telekom und Gigabitregion den Ausbau beschleunigen – denn in einigen Landkreisen ist noch Luft nach oben.

Entscheider/Institutionen : Kai Holoch (hol)

Stuttgart - Ein erstes Etappenziel ist erreicht: Mitte des Jahres, so steht es im offiziellen Breitbandatlas des Bundes, waren in der Region Stuttgart mindestens zehn Prozent aller Haushalte und Unternehmen mit Glasfaseranschlüssen versorgt. Mittlerweile dürften es knapp zwölf Prozent sein. Einen großen Anteil daran hat die Gigabitregion Stuttgart, in der 174 der 179 Städte und Gemeinden der Region vertreten sind. 2019 hat der Zweckverband mit der Deutschen Telekom einen wegweisenden Vertrag geschlossen, dessen Ziel es ist, bis 2030 immerhin 90 Prozent aller Haushalte in der Region mit einem glasfaserbasierten, gigabitfähigen Internetzugang auszurüsten. Das Jahresende nutzen die Verantwortlichen, um eine Zwischenbilanz zu ziehen und um ins kommende Jahr zu blicken. Wir geben einen kleinen Überblick. 

 

Wie ist die Ausgangslage?

Für 2021 hatte sich die Telekom vorgenommen, 80 000 Glasfaseranschlüsse zur Verfügung zu stellen. Das Ziel habe man mehr als erreicht, heißt es aus Bonn. Im kommenden Jahr soll das Ausbautempo sogar noch einmal um 20 000 auf dann 100 000 Anschlüsse ausgebaut werden. Dabei ist zu beachten, dass es zwar einen Vertrag der Gigabitregion mit der Telekom gibt: „Andere Bewerber können aber natürlich ebenfalls bauen – und tun dies auch. Alles steht dann allen zur Verfügung. Das erhöht den Druck“, betont Thomas Bopp, der Verbandsvorsitzende der Region Stuttgart.  

Lesen Sie aus unserem Plus-Angebot: Glasfaserausbau: die Politik macht Druck

Die Landeshauptstadt Stuttgart hat Nachholbedarf

Bis zum Jahresbeginn hatte es in Stuttgart gerade einmal 20 000 Glasfaseranschlüsse gegeben. Im laufenden Jahr sind weitere 30 000 hinzugekommen, und zwar in Bad Cannstatt, Möhringen, Stuttgart-Süd und -West sowie in Mühlhausen. Zudem hat die Telekom elf Gewerbegebiete ans Glasfasernetz angeschlossen. 2022 sollen weitere fünf Stadtteile mit 35 000 Anschlüssen hinzukommen – und zwar Gebiete in Stuttgart-Mitte, Möhringen-Fasanenhof, Unter- und Obertürkheim und Sillenbuch.  

Hohe Versorgungsquote im Kreis Böblingen

Das Glasfaserangebot im Kreis Böblingen ist vergleichsweise groß. Zum Jahresende versorgt die Telekom dort nach eigenen Angaben deutlich mehr als zehn Prozent aller Haushalte mit dem schnellen Internetzugang. 2020 sind 16 000 Anschlüsse dazugekommen, dafür hat die Telekom 55 Kilometer Glasfaserkabel in Steinenbronn, Holzgerlingen, Leonberg, Renningen, Schönaich und Weil der Stadt verlegt. 2022 soll in zwölf Gemeinden der Ausbau vorangetrieben werden – unter anderem in Böblingen und Herrenberg, aber auch in kleineren Gemeinden wie Altdorf, Bondorf und Öschelbronn.  

Esslingen ist noch einstellig

Zwar vermeldet die Telekom stolz, dass sie 2021 die Zahl der verfügbaren Glasfaseranschlüsse im Landkreis Esslingen verdoppelt habe. Mittlerweile gebe es mehr als 31 000 Anschlüsse. Doch was zunächst nach einem großen Erfolg aussieht, entpuppt sich bei genauerer Betrachtung als eher magere Ausbeute. Der Esslinger Landrat Heinz Eininger rückt die Zahl ins rechte Licht: „Bis Ende 2021 können 7,4 Prozent der Einwohnerinnen und Einwohner im Kreis einen Glasfaseranschluss nutzen“, erklärt er. Eininger verweist aber auch auf die besonderen Bemühungen des Kreises, für Gewerbetreibende wettbewerbsfähige Verbindungen zu schaffen. 2022 soll es nun auch im Kreis Esslingen kräftig vorangehen. Dann sind Ausbaumaßnahmen in insgesamt 19 Kommunen und Städten geplant. 

Sondersituation in Göppingen

An der Spitze der Glasfaserversorgung befindet sich der Kreis Göppingen. Das liegt aber vor allem daran, dass die Stadt Göppingen sehr früh die Bedeutung des Netzausbaus erkannt und entsprechende Baumaßnahmen im Alleingang in die Wege geleitet hat. Ende Juni führte laut Breitbandatlas Göppingen mit 16,4 Prozent die Liste der Kreise in der Region an. Die Telekom ist im Kreis Göppingen bisher eher zurückhaltend. Gerade einmal 4500 Telekom-Anschlüsse gibt es, davon sind nur 600 im Jahr 2021 neu hinzugekommen. Der Göppinger Landrat Edgar Wolff begrüßt es deshalb ausdrücklich, dass 2022 immerhin elf Kommunen zumindest teilweise in den Glasfasergenuss kommen sollen.  

Lange Wege in Ludwigsburg

220 Kilometer Glasfasern hat die Telekom im Kreis Ludwigsburg verlegt, um damit 7000 neue Anschlüsse zu schaffen. Beim Verbrauch von Glasfasern ist der Kreis damit in der Region führend. Insgesamt stehen den Kreisbewohnern nun 41 000 Glasfaserzugänge zur Verfügung. Das entspreche rund 14 Prozent aller Haushalte sagt die Telekom. Diese Zahl soll im kommenden Jahr kräftig gesteigert werden. Insgesamt 24 Kommunen sollen zumindest teilweise bedacht werden – von A wie Affalterbach und Asperg bis V wie Vaihingen an der Enz. „Die lange Liste zeigt, dass die Städte und Gemeinden im Kreis Ludwigsburg im hohen Maße vom erhöhten Ausbautempo im nächsten Jahr profitieren werden“, sagt Hans-Jürgen Bahde, der Geschäftsführer der Gigabitregion. Dabei sei die in diesem Jahr geschlossene Kooperation der Telekom mit den Stadtwerken Ludwigsburg-Kornwestheim ein Leuchtturmprojekt, das dem Ausbau weiteren Schwung geben werde. 

6600 neue Anschlüsse im Rems-Murr-Kreis

Im Mittelfeld der Ausbaupläne in der Region bewegt sich der Rems-Murr-Kreis. 2021 sind 6600 Anschlüsse gelegt worden. Insgesamt sind es nun mehr als 30 000, was wiederum einer Quote von rund zehn Prozent für den Landkreis entspricht. Waren es im laufenden Jahr neun Kommunen, in denen die Bagger angerollt sind, so soll es im kommenden Jahr in 20 Gemeinden des Rems-Murr-Kreises vorangehen.

Weitere Themen

Weitere Artikel zu Glasfaser Telekom Stuttgart Ausbau