Schnellradroute durch Fellbach Welche Trasse soll’s denn sein?

Hier könnte der neue Radschnellweg verlaufen: Einmündung zum Rewe-Markt an der Stuttgarter Straße. Foto: Dirk Herrmann

Die mal vier, mal drei Meter breite Piste für die Radschnellverbindung stellt Fellbach vor die Qual der Wahl: Eine Variante führt entlang der Hauptachse, die zweite durch Nebenstraßen und über Feldwege.

Fellbach - Es ist ein Großprojekt, dass das hiesige Stadtbild nachhaltig verändern dürfte und Widerstände erwarten lässt: Der vor allem vom grünen Stuttgarter Verkehrsministerium forcierte sowie von Bund und Land geförderte Radschnellweg vom Remstal in die Landeshauptstadt führt auch über Fellbacher Straßen.

 

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Rund drei Kilometer lang wird die Schnellpiste in Fellbach für Pedaleure sein, die Realisierung wird für das Jahr 2024 angepeilt. Anders als bei den anderen Kommen im Remstal, deren Routen federführend vom Landratsamt betreut werden, macht Fellbach die entsprechende Planung in Eigenregie.

Zur Erkundung möglicher Routen des neuen, in der Regel drei Meter breiten Radschnellwegs setzten sich die Rathaus-Verantwortlichen selbst auf Drahtesel. Zusammen mit dem von der Stadtverwaltung beauftragten Verkehrsplanungsbüro Bernard Gruppe wurden schließlich zwei Trassenvarianten festgelegt. Im Lokalparlament wurde jetzt erstmals öffentlich die Expertise des Bernard-Ingenieurs Günter Bendias präsentiert, dessen Niederlassung in Aalen ist.

Am Schwabenlandtower entlang

Die Variante 1 ist die auf den ersten Blick nahe liegendste: Sie befindet sich im Wesentlichen auf der ost-westlichen Hauptverkehrsachse, beginnt nahe des Schwabenlandtowers und wird anschließend seitlich der Schorndorfer Straße und der Stuttgarter Straße geführt.

Die Variante 2 verläuft parallel zur ersten Variante, nur rund 200 Meter südlich davon. Konkret erfolgt auch hier die Zufahrt vom Remstal und von Kernen her. Statt an der Bruckstraße den Schwenk nach Norden zur Schorndorfer Straße zu machen, wird hier geradeaus weiter gestrampelt – bis zur Mozartstraße, dann über die Esslinger Straße und vor dem Pflanzencenter Kölle weiter über die landwirtschaftlichen Wege bis zum Lindle und Nürnberger Straße.

4000 Radfahrer täglich

Welche Massen auf dieser schnellen Radfahrpiste erwartet werden, zeigt ein Vergleich der aktuellen Zahlen mit der prognostiziertem Frequenz: Zurzeit sind etwa auf der Route 1 täglich rund 800 Radlerinnen und Radler unterwegs. Künftig, so Bendias Berechnung, dürften es mindestens 4000 sein, die an einem Tag mit ihrem Velo, Bike, Stahlross, Rennrad, oder Pedelec auf dieser Fellbacher Route über den Asphalt rauschen oder zuckeln, je nach Wadenmuskulatur.

Weder der Diplom-Geograf Bendias noch die zuständige Baubürgermeisterin Beatrice Soltys wollen einen Favoriten benennen. „Beide Trassen haben ihren Charme“, sagt Soltys. In der Untersuchung sind die jeweiligen Vor- und Nachteile aufgelistet – mit leichten Vorteilen für die Schorndorfer und die Stuttgarter Straße. Beide Trassen sind grundlegend geeignet. Engstellen, die die vorgeschriebenen drei Meter nicht erreichen, sind eher selten. Beide Routen beanspruchen zusätzliche Flächen und erfordern weitgehende Eingriffe in den Straßenraum.

Hohe subjektive Sicherheit

Die Trasse 1 hat eine zentrale Erschließungswirkung und liegt nahe an den zahlreichen Arbeitsplätzen nördlich der Stuttgarter Straße. Sie wird durchgehend auf separaten Wegen geführt, was eine „hohe subjektive Sicherheit“ bedeutet. Die Trasse „beinhaltet die größeren städtebaulichen Herausforderungen, aber auch die größeren Chancen zur Aufwertung des Straßenraums“. Und: Viele Bäume müssten weichen, „gleichzeitig gibt es Platz für noch mehr neue Bäume“ – mit einem Plus von insgesamt 67 Bäumen.

Für die Trasse 2 müssten keine Bäume entfernt werden. Der Aufwand zur Umgestaltung des Straßenraums ist geringer – eine Folge der Planung, diese zumindest teilweise in Fahrradstraßen umzuwandeln, also analog zur Nord-Süd-Regelung in der Theodor-Heuss- und der Pfarrer-Sturm-Straße. Das führt zu weiteren negativen Kriterien bei Variante 2: „Der Radverkehr wird häufig im Mischverkehr auf der Fahrbahn geführt. Dies und zahlreiche Einmündungen und Knotenpunkte mindern die subjektive Sicherheit.“

Verhandlungen mit 99 Grundstücksinhabern

Weitere Minuspunkte: insgesamt ist „eine Verlagerung sehr vieler Stellplätze erforderlich“ – der Aufschrei unter betroffenen Anwohnern ist da fast schon hörbar. Und eine weitere Herausforderung gibt es: Entlang des Feldwegs Richtung Lindle, der oft von Treckern oder ähnlichen Gefährten genutzt wird und erheblich verbreitert werden müsste, müsste man mit 99 Inhabern privater landwirtschaftlicher Grundstücke verhandeln, um die Wege ausbauen zu können.

Bereits ausgeschieden wurde vom Gutachter die zwischenzeitlich ins Spiel gebrachte Trasse 1b mit einem Zweirichtungsradweg auf der Südseite der Stuttgarter Straße. Zwar würde die Höhenstraße vermieden, aber die Stuttgarter Straße müsste von den Radlern zweimal gequert werden müsste, um auf die eigentliche Strecke zurück zu gelangen. Noch aus steht derweil die genauere Untersuchung aller Knotenpunkte am künftigen Radschnellweg. Im Raum steht im Übrigen offenbar auch die Idee einer Unterführung der Höhenstraße.

Onlineveranstaltung für die Bürger

Um die richtige Trasse zu finden, sollen im Juli Bürgerinnen und Bürger sowie Vertreter von Interessengruppen aus Gewerbe, Einzelhandel, Landwirtschaft oder Umwelt per Online-Informationsveranstaltung eingebunden werden. Dazu wird ein Kommunikationsbüro eingeschaltet. Nach der Sommerpause folgt die Bekanntgabe der Ergebnisse. Die Entscheidung über die Fellbacher Schnellradroute soll im Oktober fallen.

Der Gemeinderat zeigte sich aufgeschlossen gegenüber dem Konzept. Mehrere Redner mahnten allerdings an, dass die von der Stadt Stuttgart zuletzt ausgelösten Irritationen zum Trassenverlauf geklärt werden müssten. Es müsse, so etwa Ulrich Lenk (Freie Wähler/Freie Demokraten), „gewährleistet sein, dass der Schnellradweg nahtlos weitergeht“.

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