Neues Restaurant in Stuttgart Ist das Schnitzel im Brunner seinen Preis von fast 39 Euro wert?

, aktualisiert am 25.03.2025 - 16:49 Uhr
Ein Wiener Schnitzel, das Blasen wirft, wie es sein muss: Ayleen Brunner (links), Birgit Grupp und Jakob Transier mit dem kulinarischen Importschlager Foto: Lichtgut/Stefanie Bacher

Mit dem Brunner ist ein weißer Fleck auf der Gastro-Landkarte von Stuttgart getilgt. Gehobene Preise bietet das österreichische Lokal, findet unser Restauranttester Michael Weier, aber auch Genuss für gehobene Ansprüche.

Die Startbedingungen sind ziemlich perfekt, denn für gewöhnlich liebt der Deutsche die Gerichte aus der Küche unseres Nachbarlandes. Mehlspeisen und Co. erinnern an Urlaub, das Wiener Schnitzel ist neben den Spaghetti zum wohl größten kulinarischen Importschlager geworden. Dennoch sind Gastarbeiter aus Österreich eher selten (von Tunnelbauern bei S 21 mal abgesehen).

 

Da braucht es schon mehr, im Fall von Werner Brunner war es die Liebe, die ihn nach Stuttgart zog. Seine Tochter Birgit Grupp betreibt das Paulaner, nun tischt ihre Nichte Ayleen Brunner gemeinsam mit ihrem Partner Jakob Transier Spezialitäten der Alpenrepublik auf – direkt gegenüber vom Paulaner. Alles eine Familiensache.

Früher fuhren hier Sushi im Karussell, nach einer Kernsanierung wird wieder das gegessen, was auf den Tisch kommt. Das Brunner ist zum Schmuckstück geworden, die Handschrift von Innenarchitekt Cyrus Ghanai ist zu erkennen, Filz an der Wand, Holz, Eleganz – und doch Gemütlichkeit. Leise Musik unterstreicht die Vorstellungen der Betreiber vom entspannten Genießen.

Luftige Griesnockerln in traumhafter Brühe

Das Brunner erinnert vom Anspruch an Kern’ s Pastetchen, das Lokal der Stuttgarter Kochlegende Josef Kern, der 2018 in Rente ging. Denn auch auf dem Teller wird Genuss großgeschrieben. Der Wildkräutersalat als Vorspeise (9,80 Euro) macht seinem Namen Ehre, die Blätter sind extrem schmackhaft und zudem fein angemacht. Die kräftige Tafelspitz-Consommé (10,90 Euro) erinnert daran, dass man in der Kantine immer dann Suppe bestellen musste, wenn es zuvor Tafelspitz gegeben hat: ein Traum, diese Brühe, und doch nicht übertrieben deftig, mit luftigen Griesnockerln.


Gehobene Preise, gehobene Qualität

Bei der Hauptspeise ist das Wiener Schnitzel (38,90 Euro) natürlich Pflicht. Und ja, es ist nicht billig. Aber Josef Kern hätte am Produkt seine Freude gehabt, denn das Fleisch ist zart, die Panade luftig, sie wirft Blasen, genauso, wie es sein muss. Ähnlich der Rindertafelspitz (36,90 Euro), in seiner Brühe mit knackigem Gemüse gebracht, mit perfekten Rösterdäpfeln (Bratkartoffeln) – einzig dem Apfelkren fehlt etwas die Power des Meerrettichs, der ist zu mild.

Zum Nachtisch muss es logischerweise der Kaiserschmarrn (12,90 Euro) sein, der eine Wartezeit verlangt, weil er jeweils frisch gemacht wird. Fluffig, mit Eischnee und eingelegten Rosinen und Zwetschgen-Röster. Schade, dass man den nur für zwei Personen bestellen kann. Die Weinkarte entspricht den gehobenen Ansprüchen, der Grüne Veltliner (0,1 Liter 4,80 Euro) ist stimmig, der Sauvignon blanc vom Weingut Maitz (7 Euro) hervorragend, die Auswahl an Flaschenweinen ist auch über Österreich hinaus sehr spannend.

Service

Brunner, Rotebühlplatz 18, Stuttgart, Telefon 07 11 / 78 17 00 78. Geöffnet: Dienstag bis Freitag 12 bis 15 Uhr und 18 bis 22 Uhr, 15 bis 18 Uhr Stiebitzereien, Samstag 12 bis 22 Uhr. www.restaurant-brunner.de

Bewertung

Essen: 4 Sterne Service: 5 Sterne Atmosphäre: 4 Sterne

Legende ***** = herausragend, ****= überdurchschnittlich, *** = gut, **= Luft nach oben, * = viel zu verbessern

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