Schnorcheln mit Buckelwalen Flossen im Korallengarten

Kein seltenes Schauspiel im Exmouth Golf: Ein Buckelwal taucht auf Foto: Denise Fitch /Denise Fitch

Das Ningaloo Reef in Westaustralien ist das längste Saumriff der Welt. Auf Schnorcheltouren kann man dort mit Buckelwalen, Walhaien und Mantarochen schwimmen

Die Bucht vor dem Korallenriff leuchtet helltürkis, ein paar Delfine lassen sich im kristallklaren Wasser treiben. Braune, violette, gelbe und grüne Korallen bilden unter Wasser bizarre Skulpturen, mal wie Pilze oder Blumen geformt, mal wie Kakteen oder Mangroven. Ein Riffmanta schwebt mit seinen riesigen schwarzen Flossen durch den Korallengarten. Eine kleine Gruppe Schnorchler beobachtet das Naturschauspiel.

 

Am Ningaloo Reef ist es möglich, auf Schnorcheltouren mit Buckelwalen, Walhaien und Mantarochen zu schwimmen. Es ist neben dem Great Barrier Reef das zweite bedeutende Korallenriff Australiens. Das längste Saumriff der Welt verläuft 260 Kilometer entlang der westaustralischen Korallenküste. Hinter den Stränden des Indischen Ozeans beginnt die Wüste. Die einzigen Orte am Ningaloo Reef sind das kleine Städtchen Exmouth und die Feriensiedlung Coral Bay.

Trotz des Klimawandels war das Ningaloo Reef bisher intakt. Doch Mitte Februar gab es eine massive Korallenbleiche, die Folgen für das Riff sind noch unklar. In den 2040er Jahren droht sogar das Aus: Das Ningaloo Reef werde ab 2041 laut wissenschaftlicher Prognosen zweimal pro Jahrzehnt von signifikanten Korallenbleichen betroffen sein, so die Umweltbehörde DBCA der westaustralischen Regierung. Da das Riff rund zehn Jahre brauche, um sich zu erholen, sei es bei dieser Häufigkeit von Bleichen nicht mehr zu retten.

Das Riff liegt vor der Westküste Australiens. Foto: STZN/Lange

„All diese Zahlen sind beängstigend. Die Frage ist, was wir jetzt tun“, sagt der australische Schriftsteller und Umweltaktivist Tim Winton, zu dessen bekanntesten Romanen „Der singende Baum“ und „Blueback“ zählen, die auch verfilmt wurden. Zuletzt hat er den Dokumentarfilm „Ningaloo Nyinggulu“ über das Korallenriff gedreht. „Wir können nicht länger abwarten, wenn die Zukunft unserer Kinder auf dem Spiel steht“, sagt Winton. „Wir haben die Verantwortung, für sie zu kämpfen.“

Winton kämpft schon sehr lange. Der 64-Jährige hat 1999 zusammen mit ein paar Gleichgesinnten die Umweltschutzbewegung Protect Ningaloo gegründet, um sich für den Erhalt des Korallenriffs einzusetzen. Das Ningaloo Reef wurde schließlich 2011 von der Unesco als Weltnaturerbe anerkannt. Auch danach haben die Umweltaktivisten immer wieder Bauvorhaben in der Nähe des Korallenriffs verhindert. Sie kämpfen auch heute noch mit großen Kampagnen für die Rettung von Ningaloo.

Knapp unterhalb der Wasseroberfläche ist ein Dugong auf Nahrungssuche. Blaue und schwarz-gelb gestreifte Fische flitzen umher, eine uralte Meeresschildkröte mit riesigen Augen bewegt sich in Zeitlupentempo. Am Meeresboden zieht ein Grauer Riffhai seine Bahnen. Die Schnorchler bleiben im Wasser, die Haiarten am Ningaloo Reef sind ungefährlich.

Frazer McGregor steht am Steuerrad seines Boots „Utopia“. Der Meeresökologe erforscht das Leben von Mantarochen am Ningaloo Reef und leitet in dem kleinen Badeort Coral Bay eine Forschungsstation der Murdoch University. Der 55-jährige Schotte aus Aberdeen ist im Jahr 2000 als Tourist nach Coral Bay gekommen und geblieben. Inzwischen bietet er für Schnorchler auch Bootstouren zu den Mantas am Korallenriff an.

Wale, Haie, Mantas, Dugongs und Meeresschildkröten

McGregor ist wegen der Folgen des Klimawandels für das Ningaloo Reef ebenfalls sehr besorgt. Korallenriffe könnten sich eigentlich sehr gut an langsame Veränderungen anpassen. Das Problem sei, dass der Klimawandel Veränderungen beschleunige, sagt McGregor. „Wir müssen Ningaloo helfen, widerstandsfähig zu sein. Die Hauptursachen, die die Resilienz von Korallenriffen verringern, sind Überfischung, Umweltverschmutzung und das Verdrängen von Großtieren.“

Einige Fischkutter und Segelboote liegen in dem kleinen Hafen von Exmouth. Auch der Trawler einer Flotte, die Garnelenfischfang betreibt, hat am Kai festgemacht. Versorgungsschiffe der Öl- und Gasindustrie, die Bohrinseln draußen auf dem Meer beliefern, sind ebenfalls vor Ort. Am Ende eines Pontons macht das Walbeobachtungsboot „Windcheetah“ die Leinen los. Der Katamaran geht auf die Suche nach Buckelwalen.

Exmouth ist eine Kleinstadt mit rund 2800 Einwohnern am nördlichen Ende des Ningaloo Reef. Sie liegt nicht am offenen Meer, sondern auf der Halbinsel North West Cape am Exmouth Golf. „Der Golf ist weltweit der letzte intakte Meeresarm dieser Größe in einer Trockenzone. 2600 Quadratkilometer – keine Gebäude, keine Menschen, einfach nur Wildnis“, sagt Tim Winton, der in Exmouth lebt. „Wilde Natur ist wahrscheinlich das kostbarste Gut auf der Welt. Wir schätzen sie jedoch nicht genug, entweder aus kulturellen oder wirtschaftlichen Gründen.“

Auch im Exmouth Golf sind Wale, Haie, Mantas, Dugongs und Meeresschildkröten unterwegs. Geschätzte 40 000 Buckelwale kommen jedes Jahr aus der 3000 Kilometer entfernten Antarktis, um von Juli bis Oktober an der Westküste Australiens im warmen Indischen Ozean zu überwintern. Viele Buckelwalkühe kalben im Golf, bleiben bis der Nachwuchs doppelt so groß ist und machen sich dann auf den langen Heimweg.

„Früher waren vor allem Walhaie die große Attraktion am Ningaloo Reef. Buckelwale spielten kaum eine Rolle, da es nicht viele gab“, sagt Tim Winton. Er ist in Albany an der Südküste Westaustraliens aufgewachsen. Das Städtchen war der letzte Walfangort Australiens, erst 1978 wurde dort die Jagd auf die Meeressäuger nach langen Protesten von Tierschützern verboten. „Zu dem Zeitpunkt gab es nur noch rund 300 Buckelwale, inzwischen ist die Population an der Westküste auf 40 000 gestiegen“, sagt Winton. „Das ist eine der größten Erfolgsgeschichten des Artenschutzes unserer Zeit.“

Mutter und Kalb, auf dem Rückweg in die Antarktis

Auch auf dem Walbeobachtungsboot Windcheetah ist die Euphorie groß, ein langer und ein kurzer schwarzer Rücken sind aus dem Wasser aufgetaucht. Eine Buckelwalmutter und ihr Kalb gleiten durch den Golf, vielleicht auf dem Rückweg in die Antarktis. Plötzlich schießen unzählige Wasserspritzer explosionsartig viele Meter hoch in die Luft. Ein Buckelwal ist senkrecht mit ganzer Länge aus dem Wasser gesprungen.

Info

Anreise
 Zum Beispiel mit Singapore Airlines von Frankfurt oder München über Singapur nach Perth, www.singaporeair.com. Weiter mit Qantas Airways nach Learmonth. www.qantas.com.

Unterkunft
Ningaloo Coral Bay Bayview: Große Ferienanlage mit Campingplatz, Apartments ab 90 Euro, www.ningaloocoralbay.com/accommodation .Mantarays Ningaloo Beach Resort: direkt am Town Beach von Exmouth gelegen, Doppelzimmer ab 260 Euro, www.mantaraysningalooresort.com.au .Potshot Hotel Resort Hotel, Motel und Backpacker in Exmouth, Doppelzimmer ab 95 Euro, www.potshotresort.com.

Essen und Trinken
The Social Society: Von Deutschen geführtes vegetarisches Restaurant im kleinen Shopping-Center von Exmouth, www.sosoexmouth.com.au.Whalebone Brewing Company Craft-Beer-Brauerei und Pizzeria unter freiem Himmel, www.whalebonebrewing.com.au.

Aktivitäten
Schnorcheltouren: Mit Frazer McGregor zu den Mantarochen von Ningaloo, Preis rund 170 Euro, www.mantaraycoralbay.com.au. Schwimmen mit Buckelwalen und Walhaien, Preis ab 245 Euro, www.ningaloodiscovery.com.au. Whalewatching: Buckelwale beobachten im Exmouth Golf, Preis ab 55 Euro, www.ningaloodiscovery.com.au.Safaris im Cape Range Nationalpark: Auf einer Bootstour auf dem Yardie Creek gibt es Wallabys zu sehen, Preis ab 115 Euro, www.ningaloosafari.com.

Allgemeine Informationen
Tourism Western Australia, www.westernaustralia.com

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