Schönaich Der Herr über eine halbe Million Orchideen

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Der Gärtnermeister Werner Metzger hat sich ganz der Aufzucht von Orchideen verschrieben. Auf 10 000 Quadratmetern kultiviert er in Schönaich die blühenden Exoten und ist selbst immer wieder von deren Vielfalt überrascht.

Bereit zum Verkauf: Werner Metzger begutachtet die Pflanzen. Zwei Jahre müssen die Orchideen kultiviert werden, bis sie so  in voller Blüte stehen. Foto:  
Bereit zum Verkauf: Werner Metzger begutachtet die Pflanzen. Zwei Jahre müssen die Orchideen kultiviert werden, bis sie so in voller Blüte stehen. Foto:  

Schönaich - Wasserplätschern ist zu hören, begleitet vom monotonen Surren eines großen Ventilators. „Das ist die Kühlung“, sagt Werner Metzger und blickt auf ein grünes Blättermeer aus Orchideen. Dicht an dicht stehen die Pflanzen auf Tischen aufgereiht. „Hier werden sie zur Blütenbildung angeregt.“

Der Gärtnermeister hat sich auf die Aufzucht von Orchideen spezialisiert. Rund eine halbe Million Exemplare hegt und pflegt er auf einer Fläche von 10 000 Quadratmetern in seinen Gewächshäusern am Schönaicher Ortsrand. Zwölf Mitarbeiter unterstützen ihn dabei. Denn immer noch ist die Orchideenaufzucht überwiegend Handarbeit. Bis zum Verkauf geht jeder Pflanzenzögling mehrmals durch Metzgers Hände und die seiner Angestellten.

Werner Metzger kann die Blütenbildung beeinflussen

So ist auch die Kühlung nur eine von mehreren Stationen, welche die Orchideen durchlaufen. Einzeln werden sie immer wieder während der zweijährigen Kultivierungszeit von einem Gewächshaus in das andere transportiert. In jedem herrschen andere klimatische Bedingungen. In der Kühlung betrage die Idealtemperatur 20 Grad Celsius, erklärt Werner Metzger. Diese und die Feuchtigkeit regen die Pflanzen dazu an, Blütentriebe zu bilden. „Dadurch kann ich steuern, wann die Orchideen blühen“ – zu Weihnachten, Ostern oder am Muttertag, die drei klassischen Hauptverkaufszeiten im Jahresverlauf.

„Das geht aber nur mit Phalaenopsis“, schränkt Metzger ein. Andere Orchideenarten sind da eigenwilliger, so wie die der sogenannten Cambria-Gruppe ein Gewächshaus weiter. Diese Blumenschönheiten, die im Gegensatz zu den vergleichsweise robusten Phalaenopsis auch eher etwas für Orchideenliebhaber sind, lassen sich in ihren Wachstumsphasen nicht auf diese Weise beeinflussen.

Insgesamt kultiviert Werner Metzger rund 80 Sorten, die er allerdings nicht selbst züchtet. „Das wird bei Orchideen im Labor gemacht. Da werden sie geklont.“ Die nur wenige Zentimeter großen Jungpflanzen kauft der Schönaicher bei deutschen Züchtern ein. Behutsam werden die Winzlinge Stück für Stück zunächst in ein spezielles Aufzuchtsubstrat aus Rindenmulch, Moos und Schaumstoff gesetzt, das auch Dünger und Kalk enthält. Sechs Monate dauert es, bis die Setzlinge verwurzelt sind. Dann werden sie paarweise in große Töpfe gepflanzt. Nach einem Jahr sind sie soweit, dass sie aus dem Aufzuchtgewächshaus, in dem es mit einer Lufttemperatur von 27 Grad Celsius schwül-warm ist, in die Kühlung dürfen. Dort stehen sie dann hoffentlich nochmals 20 bis 24 Wochen in Blüte, um im Fachhandel – vor allem in Süddeutschland, aber auch in Österreich, der Schweiz und Frankreich – Absatz zu finden. „Rund zehn Prozent unserer Orchideen verkaufen wir aber in unserem eigenen Blumenladen in Schönaich, der ein Stück von der Gärtnerei entfernt liegt, auch direkt an Privatkunden.“

Orchideen sorgen immer wieder für Überraschungen

Ist es nicht ein hohes unternehmerisches Risiko sich so auf eine Pflanzenart zu konzentrieren? Was, wenn Orchideen irgendwann nicht mehr so stark gefragt sind? „Seit Orchideen Ende der 90er Jahre einen ziemlichen Aufschwung erlebt haben, sind sie die Nummer eins unter den Zierpflanzen.“ Ein Ende der Beliebtheit sei nicht abzusehen, meint Metzger. Zumal immer wieder neue Orchideenzüchtungen mit unterschiedlichsten Blütenfarben und –mustern überraschten – selbst ihn noch, nachdem er mehr als 20 Jahre Orchideen kultiviert. „Man kann nie sagen, dass man alles gesehen hat“, sagt der 49-Jährige.

Als Werner Metzger den 1953 gegründeten Familienbetrieb allerdings von seinem Vater übernommen hat, war er noch keine reine Orchideengärtnerei. Doch in den folgenden Jahren hat der Sohn sich einem Züchternetzwerk angeschlossen und zunehmend spezialisiert. „Ich habe darin einfach die Chance gesehen, mich vom Markt abzusetzen“, begründet er seinen Entschluss. Der Erfolg gibt ihm recht.