Schönaich ohne Bürgermeister Geteiltes Echo auf den Rücktritt

Im  November 2017 wurde Daniel Schamburek als Nachfolger von Tobias Heizmann zum Bürgermeister gewählt. Foto: factum//Simon Granville
Im November 2017 wurde Daniel Schamburek als Nachfolger von Tobias Heizmann zum Bürgermeister gewählt. Foto: factum//Simon Granville

Daniel Schamburek wird voraussichtlich Ende März seinen Chefsessel im Rathaus räumen. Während die Fraktionen im Gemeinderat erleichtert sind, bedauern Weggefährten diesen Schritt.

Schönaich - Es war eine denkwürdige Gemeinderatssitzung am Dienstag in Schönaich. Bevor sie um 18 Uhr begann, hatte sich schon herum gesprochen, dass der 34-jährige Daniel Schamburek im Gremium seinen Rücktritt verkünden werde. Gegenüber dieser gravierenden Entscheidung verblassten natürlich alle anderen Tagesordnungspunkte: Die über Gebühr teurer gewordene Flüchtlingsunterkunft oder der verzögerte Ausbau der EDV in der Realschule hätten sonst hitzige Diskussionen ausgelöst, doch es herrschte Friedhofsruhe statt intensiven Schlagabtauschs zwischen dem Rat und dem Bürgermeister.

„Aus der Zeitung müssen wir’s erfahren“, schäumte eine Gemeinderätin, als sie vor der Sitzung die Schönaicher Gemeindehalle betrat. Durch das Internet waren auch schon die Bürger informiert, die etwas zahlreicher als sonst die Gemeinderatssitzung besucht hatten. Manche gaben sich als Anhänger Daniel Schambureks zu erkennen, immerhin war er vor drei Jahren mit einer Mehrheit mit 54 Prozent im ersten Wahlgang gewählt worden, aber: „Wir haben das erwartet“, sagt ein älterer Herr.

Geordneter Übergang

Beim letzten Tagesordnungspunkt, gegen 20 Uhr, gab Schamburek seinen Rücktritt bekannt, der Grund war das Zerwürfnis zwischen ihm, Verwaltung und Gemeinderat. Nun gehe es darum, einen geordneten Übergang zu schaffen. Dafür stehe er mit voller Kraft zur Verfügung. Nach dem Ausscheiden aus dem Amt erwägt Schamburek eine berufliche Neuorientierung: „Mittelfristig möchte ich mich aus der Politik zurückziehen“, sagt der promovierte Verwaltungswissenschaftler.

Norbert Weinmann, der Chef der SPD-Fraktion, sieht den Rücktritt als folgerichtigen Schritt: „Daniel Schamburek hatte einen holprigen Start, und es ist manches eskaliert.“ Erst in den letzten Wochen sei Ruhe eingekehrt. Weinmann betonte, nun keine „schmutzige Wäsche waschen zu wollen“, sondern vielmehr ein gutes Ende in der Zusammenarbeit anzustreben.

Das Fundament fehlte

Klaus Feuersänger, der Sprecher der grünen Gemeinderatsfraktion, bewertet den Rücktritt nicht, bestätigt aber auch, dass die Zusammenarbeit mit Daniel Schamburek schwierig gewesen sei.

Deutlich wird der CDU-Fraktionschef Norbert Mezger: „Die Entwicklungen der letzten Monate zeigen, dass das für eine erfolgreiche Zusammenarbeit mit der Gemeindeverwaltung, insbesondere aber mit dem Gemeinderat notwendige Fundament fehlt“. Um die Aufgaben der Gemeinde zu lösen, sei es „notwendig, dass der Bürgermeister Verwaltung und Gemeinderat von seinen Ideen inhaltlich überzeugt. Die vielen Personalwechsel innerhalb der Verwaltung waren sicherlich ein deutlicher Indikator der schwierigen Zusammenarbeit innerhalb der Verwaltung.“

Der Turnverein bedauert den Schritt

Von „guter und vertrauensvoller Zusammenarbeit“ erzählt indessen Norbert Lurz, der ehemalige Vorsitzender des TSV Schönaich, jetzt für die Öffentlichkeitsarbeit des Vereins zuständig. „Wir hatten stets ein gutes Verhältnis und standen in engem Kontakt“, äußert sich Lurz. Er bedaure den Rückzug Schambureks – auch weil der Bürgermeister sich persönlich für das Vereinsleben engagiert habe. „Er war selbst als Fußballer der Alten Herren aktiv. Das ist schon bemerkenswert.“ Dass die Sportanlagen nicht alle im neuesten Zustand sind und es dort nicht zur Erfüllung jeden Wunsches kam, will Lurz nicht dem Schultes anlasten.

Lesen Sie dazu unseren Kommentar.

Eine ehemalige Mitarbeiterin im Darmsheimer Bezirksamt, die jüngst in den Ruhestand gegangen ist, tut Schamburek leid. „Wie man mit ihm umgegangen ist, das hat er nicht verdient“, sagt die Sindelfingerin, die Daniel Schamburek aus seiner Zeit als Darmsheimer Ortsvorsteher gut kennt. Schamburek habe Dinge abgeschlossen, die zuvor nicht vorwärtsgegangen seien. Mit seinem Wissen und Elan habe er sich auch im Sindelfinger Rathaus ein sehr gutes Ansehen verschafft – als Kümmerer, der am Ball geblieben sei. Aus ihrer Sicht hätte er in Darmsheim bleiben sollen: „Er hätte für den Ortsteil gewiss noch viel bewegen können.“

Dem Vernehmen nach will Schamburek Ende März aus dem Amt scheiden, sein interner Stellvertreter, der ebenfalls scheidende Bauamtsleiter Herbert Schlecht, ist derzeit krank. Nach außen hin werden Schambureks Stellvertreter, Norbert Mezger (CDU) und Sören Wagner (Grüne), die Verantwortung für Schönaich übernehmen.




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