Schönaich war die letzte Gemeinde in Baden-Württemberg, die das Ergebnis der Landtagswahl meldete. Hier hatte die Prüfsoftware einen Fehler ausgespuckt.

Schon am Wahlabend geisterte der Name der Gemeinde Schönaich durch die Medien. Der Grund für die unfreiwillige Bekanntheit: Schönaich war die letzte Kommune in Baden-Württemberg, in der noch ausgezählt wurde.

 

Fast eine Stunde nachdem allen anderen 11 570 Wahlbezirken fertig waren, hatte Schönaich sein Ergebnis kurz nach Mitternacht durchgegeben. Der Grund waren Unstimmigkeiten im Wahllokal „Kindergarten Hülbenäcker“. Zu weiteren Verzögerungen kam es durch die anschließenden Kontrolle der Kreis- und der Landeswahlleitung, sodass das vorläufige Endergebnis der Landtagswahl erst mit großer Verspätung verkündet werden konnte.

Der Wahlkampf war spannend – die Auszählung in Schönaich auch. Foto: Imago/Arnulf Hettrich

Die Daten passten nicht

Die 1. Beigeordnete Bianca Gruber berichtet, die Zahl der ungültigen und der gültigen Stimmen habe nicht mit der Zahl der abgegebenen Stimmzettel zusammengepasst. Das hatte auch der Schönaicher Ordnungsamtsleiter Fabian Klaiber bei der Eingabe in die Wahlsoftware gesehen, „dass da etwas nicht stimmen kann“. Man habe sich „schlicht und einfach verzählt, auf verschiedenen Ebenen“.

Als die Plausibilitätsprüfung des Programms eine Fehlermeldung ausgegeben habe und automatisch eine Weiterleitung des Auszählungsergebnisses blockierte, hieß es die 761 Stimmzettel im Kindergarten Hülbenäcker noch einmal Stück für Stück auszuzählen und Erststimme und Zweitstimme erneut auszuwerten. Und das bei einem Wahlbezirk, der sowieso eine weit überdurchschnittliche Wahlbeteiligung erfuhr.

Mehr als 18 Stunden auf den Beinen

Klaiber hatte dann ein neues Auszählungsteam gebildet, verstärkt mit Mitarbeitern, „die noch einen frischen Blick hatten“, berichtete er über die Lösung des Problems.

Klaiber selbst bewies am Wahlsonntag eine erstaunliche Ausdauer: Er sei seit Sonntagmorgen um 7 Uhr mit der Wahl beschäftigt gewesen, berichtete er gegen 0.30 Uhr am Montag am Telefon – „aber natürlich mit Pausen“. Immerhin, Klaiber war insgesamt mehr als 18 Stunden auf den Beinen.

Verzögerungen bei der Auszählung kommen immer wieder vor. Bei der Bundestagswahl 2021 traf es beispielsweise die Gemeinde Ebersbach/Fils. 

Landtagswahl: Amtliches Ergebnis in drei Wochen

Man darf aber nicht unterschätzen, vor welchen Schwierigkeiten die ehrenamtlichen Wahlhelfer stehen: vor allem in dieser Wahl in Baden-Württemberg, wo erstmals mit Erst- und Zweitstimme gewählt wurde. Da hatten die Wähler oftmals eine oder manchmal sogar beide Stimmen vergessen. Da gab es durchaus auch Täuschungsversuche, wenn manche Briefwähler etwa versuchten, in der Wahlkabine ein zweites Mal zu wählen, in der Hoffnung, es merke keiner.

Manche Stimmzettel werden mit Texten oder Zeichnungen versehen, und es ist für die Wahlhelfer dann schwierig zu entscheiden, ob ein Stimmzettel gültig ist oder nicht. Tritt ein Fehler auf, muss erneut durchgezählt werden, und lässt sich der Fehler nicht ermitteln, dann noch einmal, was die Freiwilligen nach einem anstrengenden Wahltag oft an ihre Grenzen bringt. Dabei sind alle diese Ergebnisse vorläufige, das amtliche Endergebnis wird vom Landeswahlausschuss etwa drei Wochen nach dem Wahltermin festgestellt, das wird voraussichtlich am 27. März sein. Schönaich verzeichnete an diesem Wahltag eine große Wahlbeteiligung von 73, 1 Prozent.

Anders als im Landesdurchschnitt lag die CDU weit vorne mit 34,8 Prozent vor den Grünen mit 24,7 Prozent. Die SPD fuhr ein achtbares Ergebnis von 11,8 Prozent ein, die AfD kam auf 17,4 Prozent. Die FDP schaffte mit 5,4 Prozent die Fünf-Prozent-Hürde.