Schönaichs Bürgermeisterin Wie Anna Walther den Krebs besiegte
Für Schönaichs Bürgermeisterin Anna Walther geht ein intensives Jahr zu Ende. Im Mai erhielt sie die Diagnose Brustkrebs, heute fühlt sie sich gut. Wie hat sie das geschafft?
Für Schönaichs Bürgermeisterin Anna Walther geht ein intensives Jahr zu Ende. Im Mai erhielt sie die Diagnose Brustkrebs, heute fühlt sie sich gut. Wie hat sie das geschafft?
Mit dem Wunsch „Gesund bleiben“ gehen wohl die meisten Menschen ins neue Jahr. Auch Schönaichs Bürgermeisterin Anna Walther (SPD) hegt für 2026 diesen Wunsch – aus gutem Grund. Im Mai erhielt die Bürgermeisterin eine niederschmetternde Diagnose: Brustkrebs. Wie alle Erkrankten sah sich auch die 40-Jährige ganz neuen Herausforderungen gegenüber - sich existenziellen Ängsten stellen, den Mut nicht verlieren und der belastenden Behandlung aus Chemotherapie und Bestrahlung entgegenblicken.
Alles begann im Mai 2025 – mit einer unguten Vermutung. „Ich erinnere mich noch: Ich hatte etwas an der Brust ertastet und habe sofort einen Termin beim Arzt vereinbart. Die Bestätigung, dass es sich um Brustkrebs handelt, war ein Schock“, erzählt Anna Walther heute. Kaum war die Diagnose ausgesprochen, gingen der Bürgermeisterin und Mutter viele Fragen durch den Kopf. „Ich weiß noch, ich habe die Ärzte gleich darauf gefragt: ‚Was muss ich tun?’ Ich wollte unbedingt wissen, was die nächsten Schritte sind“, erzählt sie.
Ein solcher Befund ist lebensverändernd, das sah auch Anna Walther so. „Meine Mutter ist mit nur 47 Jahren an Brustkrebs gestorben. Ich wusste also, dass die Diagnose eine Große ist und man da nichts leugnen oder verdrängen kann.“ Also ging die 40-Jährige in die Kommunikationsoffensive, erzählte den beiden Kindern, dass sie schwer erkrankt ist. Auch im Schönaicher Rathaus und im Gemeinderat wollte Walther schnell für Klarheit sorgen. „Ich wollte transparent damit umgehen. Das Umfeld sollte es wissen, aber auch die Bürgerinnen und Bürger der Gemeinde. Sie haben auch ein Recht zu wissen, wie es um die Bürgermeisterin gesundheitlich bestellt ist“, erklärt Walther.
„Ich hatte immer vollstes Vertrauen.“
Anna Walther, Bürgermeisterin Schönaichs
Nachdem alle informiert waren, begann die Therapie. Zweifel am von den Ärzten am Böblinger Klinikum vorgeschlagenen Weg einer Operation zur Entfernung des Tumors und anschließender Chemo- und Bestrahlungstherapie hatte die 40-Jährige nie, wie sie deutlich macht. „Ich hatte immer vollstes Vertrauen.“
Da die OP nicht wie erhofft den ganzen Tumor beseitigen konnte, folgten medikamentöse Behandlungen. „Die erste Chemotherapie war sehr schwer für mich. Das Medikament haute mich um. Das zweite Chemomedikament hat mein Körper besser vertragen“, erzählt die Schönaicherin, die durch die Bestrahlung ihre Haare verlor.
Ohne ein unterstützendes Umfeld, so die 40-Jährige, hätte sie ihren Weg nicht so erfolgreich beschreiten können. „Neben der Hauptunterstützung durch die Familie hatte ich tolle Unterstützung durch mein Rathaus-Team und die Solidarität des Gemeinderats.“ Viel Arbeit habe ihr unter anderem die Erste Beigeordnete Bianca Gruber abgenommen. Heilsam seien außerdem die Zuschriften vieler Bürger gewesen. „Mir bekannte und unbekannte Menschen haben mir Genesungswünsche geschickt. Das war bewegend.“
Der schweren Erkrankung zum Trotz liefen auf der kommunalpolitischen Ebene Projekte und Aufgaben weiter. Vor allem eines war der seit 2021 amtierenden Bürgermeisterin auch in den schwierigen Phasen wichtig. „Ich hatte mir vorgenommen, weiterhin alle Gemeinderatssitzungen zu leiten. Das hat gut geklappt“, erklärt Anna Walther. Noch vor der Diagnose im Mai hatte sich die gebürtige Kiewerin entschlossen, in der Evangelischen Kirche als Landessynodenmitglied zu bewerben – mit Erfolg. „Die Bewerbung wollte ich nicht aufgeben. Am Ende war ich auf fünf Podiumsdiskussionen, an zwei Terminen hatte ich am selben Tag meine Chemotherapie bekommen.“
Nicht jeder könnte während einer Krebserkrankung ein solches Pensum leisten, das weiß auch Anna Walther. Jeder müsse sein Tempo und seine Bedürfnisse kennen und formulieren lernen. Anderen Betroffenen möchte sie etwas mit auf den Weg geben. „Ich würde drei Dinge erwähnen. Erstens Zuversicht: Ich habe dran geglaubt, dass alles gut werden wird. Zweitens Mut: Ich sagte mir – ich kriege das hin! Und drittens der Wille zu siegen: Ich bin überzeugt, dass das Mentale bei der Bekämpfung des Krebs essenziell ist. Ein starker Glaube wirkt wie ein Gegenmittel.“
Den Krebs und die Angst davor hat sie vorerst besiegt. Sie weiß aber auch: „Die Krebserkrankung gehört jetzt zu meinem Leben dazu. Ich bin auch nicht blauäugig. Ich weiß, der Krebs könnte zurückkommen. Ich bin aber sehr optimistisch und fühle mich gerade einfach richtig gut.“ Sieben Monate nach dem niederschmetternden Befund kann Anna Walther nach vorne schauen. In drei Monaten werde sie wieder zur Nachkontrolle gehen. Noch eines nimmt sie nachhaltig mit. „Ich habe gelernt, Kleinigkeiten wieder mehr zu schätzen.“
Gewählt
Nach dem überraschenden Rücktritt Daniel Schambureks vom Amt des Bürgermeisters bewarb sich Anna Walther für den Posten. Sie wurde im Mai 2021 mit fast 60 Prozent der Stimmen gewählt.
Herkunft
Geboren ist Anna Walther 1985 in Kiew. Für ein Au-Pair-Jahr kam sie einst nach Stuttgart und blieb in der Region. Sie studierte Politikwissenschaft, ist verheiratet und Mutter zweier Kinder. Sie ist Mitglied der SPD.